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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schottland

ist noch bedeutend der Fang von Schellfischen (41269 t für 372162 Pfd. St.), Stockfischen (226159 t für 161565 Pfd. St.), weniger von Soles, Steinbutten, Sprotten u. s. w. Der Ertrag der gesamten Seefischerei S.s ohne Muscheln, Schalentiere und Lachse ergab (1892) 315366 t im Werte von 1634816 Pfd. St. Der Walfischfang wird von S. aus bei weitem nicht mehr in dem Umfang wie früher betrieben. Auch der Fang des Lachses, der sich häufig in den Flüssen und Seen S.s findet, ist seit den letzten Jahren im Rückgang. Eine Krankheit, wahrscheinlich von dem durch Chemikalien verunreinigten Wasser herrührend, tötet jährlich eine große Menge. 1892 wurden 1791 t aus S. versandt, davon zwei Drittel nach dem Londoner Fischmarkt. Für das Recht des Lachsfangs in den Fischgründen des Tay gingen 1892: 19018 Pfd. St. ein (1887: 22143). Der Wert der gesammelten Muscheln und Schalentiere betrug (1892) 75354 Pfd. St.; davon waren: Hummern 714745 Stück für 29200, Krebse 674405 Stück für 12990 und Austern 281826 Stück für 1241 Pfd. St.

Bergbau. Ziemlich reich ist das Land an Mineralien, namentlich die Gebirge Mittelschottlands. Blei mit Silber gemengt findet sich auf dem Scheiderücken zwischen den Grafschaften Dumfries und Lanark; Lead-Hills in Lanark ist der Hauptsitz des Bergbaues auf Blei. Minder wichtig sind die Bleigruben auf den Hebriden. Ansehnliche Eisenbergwerke besitzen Lanark, Ayr, Clackmannan und Stirling. Kupfer "wird am Loch Tay gewonnen, andere Erze nur in geringer Menge an verschiedenen Punkten. 1893 waren im Bergbau beschäftigt 91769 Personen beiderlei Geschlechts in 565 Minen; im ganzen wurden an Mineralien gefördert 29112907 t. Die Kohlenbergwerke beschäftigten 85465 Personen unter und 16344 über der Erde. Reiche, leicht zugängliche Lager von Steinkohlen, obschon den bessern englischen an Güte nicht gleich, finden sich zwischen einer Linie von der Taymündung nach dem Nordende der Insel Arran und einer Linie von St. Abbs-Head nach Girvan in Ayr. Das wertvollste Lager erstreckt sich zwischen Firth of Forth und Glasgow bis zu einer Breite von 18,5 km. Das Lager im Süden und Osten von Edinburgh nimmt 203,7 qkm ein. Von Bathgate erstreckt sich die Kohle nach Glasgow und Paisley. Im ganzen lieferte S. 1891: 25424166, 1893: 25482918 t Kohlen, die auch zum Teil über Glasgow und Leith zur Ausfuhr gelangen. Auf Ayr kommen 3,3, auf Fife 3,62, auf Ost-Lanark 7,8, West-Lanark 6,08, auf Stirling 1,63 Mill. t. Der Gesamtwert betrug 7,23 Mill. Pfd. St. Außerdem wurden gefördert: Schiefersteine 1947842 t, Eisenerze 847406 t, feuerfester Thon 548044 t und andere Mineralien 44549 t. Kochsalz wird aus Meerwasser eingesotten.

Industrie, Handel und Verkehr. In der Industrie steht S. hinter England zurück. Das einzige Industriegebiet ersten Ranges ist an das Kohlengebiet in den Lowlands gebunden. 1891 waren in allen Branchen der Textilindustrie gegen 150000 Personen beschäftigt. Es verfügten: die Baumwollindustrie über 1150218 Spindeln und 29694 Webstühle, die Leinenmanufakturen über 243000 Spindeln und 21721 Webstühle, die Wollmanufakturen über 720048 Spindeln und 9392 Webstühle, die Juteindustrie über 235477 Spindeln und 10995 Webstühle. Die Hauptsitze der schott. Baumwollfabrikation sind Lanark und Renfrew. Glasgow und Paisley liefern treffliche Seiden- und Baumwollwaren. Besonders ausgezeichnet sind die Musseline von Paisley und die Kattundruckerei, namentlich der Shawls. Einen Stapelartikel bilden Leinwand und andere Fabrikate aus Flachs. Diese Industrie ist über das ganze Land verbreitet, zum Teil als Nebenbeschäftigung. Fabrikmäßig betrieben wird sie vornehmlich in Dundee, nächstdem in Forfar, Dumfries, Perth, Aberdeen und Inverary. Seit der Mitbewerbung Irlands und dem vermehrten Gebrauch wollener Stoffe beschränkt sich jedoch S. vorzugsweise auf gröbere Gewebe, zu denen Rußland den Hanf, die Niederlande und Deutschland den Flachs liefern. In der Erzeugung von Plaids, Tartans und Tweeds steht S. unübertroffen da. Hauptsitz der Juteindustrie sind die Distrikte von Dundee, Glasgow und Arbroath. Auch der Maschinenbau ist ansehnlich. Ein Hauptsitz der Sodaindustrie ist Glasgow; chem.-pharmaceutische Präparate erzeugt Edinburgh. Die Jodfabriken von Glasgow versorgen fast alle Länder. Die Knopffabrikation blüht besonders zu Aberdeen. Raffinerien für Kolonialzucker bestehen namentlich in Edinburgh; Seife produziert Glasgow. Ferner bestehen Porzellanfabriken, Glashütten und Papiermühlen. Berühmt ist die schott. Whiskybrauerei. 1893 existierten 132 Destillerien, meistens für den Export. Verzollt wurden in demselben Jahre 10740546 Gallonen Spirituosen. Sehr bedeutend ist der Schiffbau, besonders am Clyde. 1893 wurden auf den schott. Werften gebaut 237 Schiffe (darunter 172 Dampfer) mit 175700 t fürs Inland und 45 (29 Dampfer) für andere Länder; dazu 15 Kriegsdampfer mit 34182 t Nettotonnage für das Vereinigte Königreich und 2 Kriegsdampfer mit 2439 t für Indien. 1891 beschäftigten: die Eisen- und Stahlindustrie 36708 Personen, der Maschinenbau 33785, der Schiffbau 20360, die Papierindustrie 8213, die Druckereien 8170, die chem. Fabriken 3782, die Spirituosenbrennereien 4250 Personen. (Näheres s. Großbritannien und Irland.) - Vor der Vereinigung S.s mit England unbedeutend, hat der Handel seit der Mitte des 18. Jahrh. eine schnelle Entwicklung genommen. Im ganzen betrug die Ausfuhr (1893) 23,14, die Einfuhr 32,28 Mill. Pfd. St., d. i. 8,1 Proz. des Gesamthandelsverkehrs des Vereinigten Königreichs.

Über das Bankwesen s. Großbritannien und Irland (Bd. 8, S. 409 a). Über die Eisenbahnen s. Großbritannische Eisenbahnen. Der Clyde ist der Sammelplatz der meisten schott. Handelsschiffe, und Glasgow der Hauptsitz dieses Verkehrs. Nächstdem sind wichtige Häfen Greenock und Leith, Dundee und Perth, Aberdeen, Grangemouth, Montrose, Dumfries. Die Handelsmarine S.s besaß (1893) 1469 Segelschiffe mit 922470 t Nettotonnage (971214 t Grossotonnage) und 1764 Dampfer mit 1223766 t Nettotonnage (2005919 t Grossotonnage). 1893 liefen ein: aus fremden Häfen 3045 Segelschiffe (darunter 315 britische) mit 727947 t (162893 t brit. Schiffe) und 5031 Dampfer (darunter 3269 britische) mit 3534786 t (2610767 t brit. Schiffe), aus eigenen Häfen (Küstenschiffahrt, wobei dasselbe Schiff mehrfach gezählt sein kann) 7297 Segelschiffe mit 485000 t und 28601 Dampfer mit 5768917 t. Es liefen 1893 aus: nach fremden Häfen 3522 Segelschiffe (darunter 399 britische) mit 813072 t (188605 t brit. Schiffe) und 5916 Dampfer (darunter 3838 britische) mit 4254554 t (3177978 brit. Schiffe), nach eigenen Häfen 7228 Segelschiffe mit 469661 t und 30107 Dampfer mit 5821274 t.