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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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5chriftvergleichung - Schrobenhausen
Unterstützung notleidender Kollegen zur Aufgabe gestellt haben, bestehen an fast allen größern Plätzen Deutschlands und Deutsch-Österreichs. Die hervorragendsten sind: der Verein "Berliner Presse", die Wiener "Konkordia", der "Hamburger Journalisten und Schriftstellerverein", der Verein "Leipziger Presse", der "Münchener Journalisten- und Schriftstellerverein", die "Breslauer Dichterschule", der Verein "Dresdener Presse", der "Journalisten- und Schriftstellerverein in Frankfurt a. M.", die "Prager Konkordia", ferner der "Augustinusverein" (zur Pflege der kath. Presse) in Düsseldorf, der "Verband der Schweizer Presse" in Bern, der "Nationalverband deutsch-amerik. Journalisten und Schriftsteller" in Neuyork, der in allen Hauptplätzen der Vereinigten Staaten Zweigvereine hat.
England hat in der "Society of Authors", Frankreich in der "Société des gens de lettres" und der "Société des auteurs dramatiques" schriftstellerische Vereinigungen von hohem Ansehen. Außerdem besteben in Paris, London, Rom, Wien u. s. w. Vereinigungen der auswärtigen Presse, in denen sich die Korrespondenten der bedeutendern auswärtigen Blätter zusammenfinden.
In Paris hat die "Association littéraire et artistique internationale" ihren Sitz; sie wurde 1878 von Victor Hugo begründet. Alljährlich hält sie an wechselnden Orten einen Kongreß ab. Dieser tagte 1891 in Neuenburg, 1892 in Mailand, 1893 in Barcelona, 1894 in Amsterdam. Der 17. Kongreß der "Association" tritt im Herbst 1895 in Dresden (zum erstenmal in Deutschland) unter dem Protektorat des Königs Albert von Sachsen zusammen. Zu Ehrenpräsidenten des Kongresses wurden Johannes Brahms, Gustav Freytag, Adolf Menzel, Johannes Schilling und Paul Wallot als Vertreter der durch sie repräsentierten Künste und Eduard Brockhaus als Vertreter des Buchhandels gewählt. Den Vorstand des Arbeitsausschusses bilden Rechtsanwalt Paul Schmidt (Leipzig), Albert Osterrieth (Heidelberg) und Rechtsanwalt E. Eisenmann (Paris). Der Dresdener Kongreß beschäftigt sich hauptsächlich mit der Revision der Verner Konvention, mit den Organisationen im In- und Auslande auf dem Gebiete des Urheber- und Verlagsrechts zur Wahrnehmung der gemeinschaftlichen Interessen, mit den gemeinsamen Grundsätzen der Urheberrechtsgesetze, den Rechtsbeziehungen zwischen Autor und Verleger, dem unlautern Wettbewerb auf dem Gebiete der geistigen Produktion u. s. w. - Vgl. Association littéraire et artistique internationale, son histoire, ses travaux (Par. 1889).
Schriftvergleichung (Comparatio litterarum), im Prozeß die zum Zwecke des Beweises vorzunehmende Vergleichung einer Urkunde, deren Echtheit oder Unechtheit bewiesen werden soll, mit Urkunden, welche anerkannter- oder erwiesenermaßen von dem angeblichen Aussteller jener Urkunde herrühren. Die S. ist erfahrungsgemäß eine unsichere Art der Beweisführung. Die frühere gemeinrechtliche Theorie nahm daher an, daß sie nie vollen, sondern nur halben Beweis liefere. Die Civil- und die Strafprozeßordnung für das Deutsche Reich lassen den Beweis durch S. zu, bestimmen jedoch systemgemäß, daß über das Ergebnis derselben das Gericht nach freier Überzeugung, geeignetenfalls nach Anhörung von Sachverständigen (Schreibverständigen), zu entscheiden hat. (Vgl. Civilprozeßordnung §§. 406, 407; Strafprozeßordnung §. 93.)
Schriftzeug, s. Letternmetall.
Schrimm. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Posen, hat 928,26 qkm und (1890) 52790 (24970 männl., 27820 weibl.) E., 6 Städte, 136 Landgemeinden und 68 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis S., an der Warthe und der Nebenlinie Czempin-S. (19,7 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Posen), bat (1890) 6095 E., darunter 1438 Evangelische und 737 Israeliten, Postamt erster Klasse mit Zweigstelle, Telegraph, zwei kath., eine evang. Kirche, Synagoge, Gymnasium, höhere Mädchenschule, ehemaliges Jesuitenkloster, jetzt Landarmenhaus; Handel mit Getreide, Spiritus und häuten.
Schritt, die beim Gehen (s. d.) durch das Weitersetzen eines Fußes gewonnene Raumdurchmessung. Je nach der Körperbeschaffenheit (namentlich der der Beine) und der Charaktereigentümlichkeit des einzelnen ist der S. von verschiedener Länge und Zeitdauer. Der militärische S. hat in Deutschland 0,80 cm Länge; beim gewöhnlichen Marsch sind 114 S., beim beschleunigten Marsch 120 S. in der Minute zurückzulegen. Von den verschiedenen Schrittarten legt daher der Laufschritt (s. d.) der Infanterie 1 km in etwa 7 Minuten, der Geschwind schritt (gewöhnlicher Marsch schritt der Infanterie) 1 km in 11 Minuten, der Touristen schritt 1 km in 12 Minuten (also 5 km in 1 Stunde, daher 5 km = Wegstunde), der bequemere Spazierschritt 1 km in 15 Minuten (also 4 km in 1 Stunde) zurück. Zur Einübung des militärischen S. (Gleichschrittes, s. d.) dient ein besonders langsamer S. - Durch Zusammenstellung von ganzen und halben S., durch Hinzufügung von Hüpfen, Hopsen und Drehungen haben sich eine Anzahl künstlicher Schrittarten herausgebildet, die im neuern Schul-, namentlich Mädchenturnen ihre eingebende Pflege finden. Auch basieren die jetzigen Rundtänze auf derartigen künstlichen Schrittweisen. - Zum Messen von Entfernungen galt sonst neben dem Fuße auch der S. als natürlicher Maßstab, wonach auf die deutsche Meile (7,5 km) gewöhnlich 10000 E. gerechnet wurden.
Schrittschuhe, s. Schlittschuhe.
Schrittzähler, s. Wegmesser.
Schrk., hinter lat. naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Franz de Paula von Schrank, geb. 21. Aug. 1747 zu Farrnbach am Inn (Bayern), Vorstand des Botanischen Gartens in München, gest. 23. Dez. 1835 daselbst. Von ihm "Fauna boica" (3 Bde., Nürnb. und Ingolst. 1798-1803), "Naturhistor. Briefe über Österreich, Salzburg u. s. w." (mit von Moll, 2 Bde., Salzb. 1785) u. a. m.
Schrobenhausen. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez. Oberbayern, hat 399,95 qkm und (1890) 19513 (9207 männl., 10276 weibl.) E. in 39 Gemeinden mit 210 Ortschaften, darunter 1 Stadt. - 2) Bezirksstadt im Bezirksamt S., am linken Ufer der Paar, gegenüber der Weilachmündung, an der Linie Regensburg-Ingolstadt-Augsburg der Bayr. Staatsbahnen, Sitz des Bezirksamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Neuburg), Reut- und Forstamtes, bat (1890) 2918 E., darunter 51 Evangelische, Postexpedition, Telegraph, Reste der ehemaligen Befestigungen (Türme, Bastione), spätgot. Pfarrkirche, Frauenkirche mit Kloster, Rathaus mit schönem Saal, Institut der Englischen Fräulein, gewerbliche Fortbildungsschule, Filiale der Armen Franziskanerinnen, Distriktskrankenhaus, 2 Wasserleitungen, Kanalisation, Kreditverein, Sparkasse;