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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schuefe - Schuhwarenfabrikation
abgeführt und später zu Heidelberg interniert. Beim
Friedensschluß vergessen, erhielt er erst 1808 seine
Freiheit zurück. S. wurde 1810 zum Geh. Staats-
rat und Chef der Abteilungen für den Handel und
die Gewerbe sowie für Kultus und Unterricht im
Ministerium des Innern ernannt. Unter seiner for-
mellen Leitung erfolgte die Herstellung der Univer-
sitäten zu Berlin und Vreslau. Bei hervorragender
Geschüftstüchtigkeit stand er doch den Anschauungen
der preuß. Nesormpartei ziemlich kühl gegenüber.
181-1 wurde er zum Minister des Innern mit Bei-
behaltung der Kultus- und Unterrichtsangelegen-
heiten ernannt. 1817 wurde ihm das geistliche und
Unterrichtsdepartement abgenommen, dagegen 1819
das Polizeiministerium übertragen, so daß nun auch
die Verfolgung der sog. Demagogen zu seinen Ob-
liegenheiten gehörte. 1830 gab er die Polizeiange-
legenheiten wieder ab, trat Ansang 183-1 gänzlich
zurück und wurde in den Freiherrenstand erhoben; er
starb 17. Sept. 1834 in Berlin. - Vgl. von Lütt-
witz, Echuckmann (Lpz. 1835); I. von Schuckmann,
Nachrichten über die Familie S. von 1582 bis 1888
(als Handschrift gedruckt, Verl. 1888).
Schuefe, s. Käse (Bd. 10, S. 212 d).
Schufu, ägypt. K^nig, s. Cheops.
Schuh, mit fester ^ohle versehene Fußbekleidung
aus Leder, verschiedenen Geweben, Filz, Kautschuk,
Holz u. s. w. (S. Schuhwarenfabrikation.) über
Gummischuhe s. Gummiwarenfabrikation (Bd. 8,
Schuh, Längenmaß, f. Fuß. ^E. 558 a).
Schuhkord, s. Stramin.
Schuhmacher, ein Handwerker, welcher die
Fußbekleidung herstellt. Die erste Nachricht über
eine korporative Vereinigung der S. bildet eine Ur-
kunde des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg
von 1157. Gegenwärtig besteht (seit 1883, mit
dem Sitz in Berlin) ein Schuhmacher-Innungs-
verband, ferner für Gesellen ein Unterstützungs-
verein Deutscher S. (seit 1883, Sitz in Nürnberg)
mit socialistischer Tendenz; im Zusammenhange mit
letzterm Verein ist eine freie Hilfskasse, die Central-
krankenkasse der S. Deutschlands errichtet worden.
Der 1894 ins Leben getretene Verein der Schuh-
macher-Innungsgesellen (Sitz in Lübeck) will, wie
auch die erstgenannte Gesellenvereinigung, seinen
Mitgliedern technische und wirtschaftliche Vorteile
leickt zugänglich machen, bekämpft aber socia-
listische Bestrebungen. Für die Ausbildung zum
Meister existieren außer den Innungsfachschnlen
noch private Schuhmacherfachschulen (s. d.). Von
Fachzeitschriften in deutscher Sprache erscheinen 9
in Deutschland, 4 in Österreich, 1 in der Schweiz.
Das Schuhmacherhandwerk wird in der neuern Zeit
von der als Großindustrie betriebenen Schuhwaren-
fabrikation (s. d.) hart bedrängt; die zur Abwehr
dieses Einflusses gegründeten Rohstoff- und Produk-
Nvgenossenschaften haben sich meist nicht halten kön-
nen, und es ist zu befürchten, daß in Zukunft dem
Handwerk mehr und mehr nur die Arbeit für abnorm
gestaltete Füße übrigbleibt. - Vgl. Nodegast, Hand-
buch der Fuhbekleidungskunst. Mit Atlas (Weim.
1888); Ziegenbalg, Zeichenvorlagen für Schuh-
macher (Dresd. 1890); von Flotow, das Schuh-
macherhandwerkin seiner Entwicklung (Münch.1890).
Schuhmacherfachfchulen, Anstalten, die jün-
aere Schuhmacher in den wichtigern Arbeiten ihres
Berufs vollständig ausbilden sollen. Die Schulen
sind entweder Privatanstalten, wie die von H. Franke
in Artern, Johann Boshof in Heinsberg (Rhein-
land), H. Busch in Erfurt, Frohn, Brink & Co. in
Berlin u. s. w., oder Innungsschulen, von denen es
in Preußen 24 giebt, so zu Aachen, Breslau, Frank-
furt a. O., Hildesheim, Köln, Königsberg, Liegnitz,
Magdeburg, Merseburg u. s. w.; in Bayern 4 zu
München, Nürnberg, Passau, Würzburg; in Sachsen
2 zu Dresden und Oichatz. Während bei den In-
nungsschulen der allgemeine Fortbildungsschulunter-
richt event, erweitert ist durch besondern Unterricht
über Fach- und Musterzeichnen, und nur selten noch
darüber hinausgehende sachliche Unterweisungen
geboten werden, bilden an den Privatlehranstalten
die praktisckcn Unterweisungen und Übungen den
Schwerpunkt neben den theoretischen Fächern. An
den Privatanstalten existieren Kurse von 14tägiger
bis ^monatigcr Dauer, dementsprechend ändert
sich das Schulgeld von 30 bis 10 M. pro Monat.
Der Eintritt kann zumeist jeden 1. und 15. eines
jeden Monats erfolgen.
Schuhplattler, ein namentlich in den bayr.
Alpen beliebter Volkstanz, ein Ländler, bei dem das
Mädchen mit gesenkten Augen still sich sortdreht,
während der Bursche sie umkreisend, mit den Füßen
stampfend, mit den Händen den Takt der Musik auf
Schenkel, Waden, Knie und Schuhabsätze patschend,
auch ein Rad schlagend, seiner Freude Ausdruck
giebt und um ihre Liebe wirbt. Er springt über das
Mädel hinweg, dreht sich unter ihrem Arme, sie
unter dem seinigen hinweg, schließt sie selten, aber
um so feuriger laut aufjauchzend in seine Arme, in-
dem er sie kräftig in die Höhe schwingt. Das Balzen
des Auerhahns soll das Vorbild dieses Tanzes sein.
Schuhschnabel (LHlaenicspZ rex <?onici, s. Ta-
sel: Stelzvögel III, Fig. 6), einer der merkwür-
digsten Stelzvögel (s. d.) und den Schattenvögeln
(s. d.) am nächsten verwandt. Der S. ist 1,40 m
lang, klaftert 2,62 m, hat hohe Beine und einen
gewaltigen, breiten, wie bei den Pelikanen vorn
in eine übergreifende Hakenspitze ausgezogenen
Schnabel. Das Gefieder ist aschgrau mit einem
Stich ins Violette. Die Heimat ist das innere
i Asrika, namentlich das Sumpsgebiet am Weißen
Nil; die Nabrung besteht aus Fischen.
Schuhstifte, s. Holzstifte.
Schuhstramin, s. Stramin.
Schuhu, Eulenart, s. Uhu.
Schuhwarenfabrikation, die fabrikmäßige
Herstellung von Schuhwerk, die gegenwärtig einen
! stetig wachsenden Industriezweig bildet und in dem-
! gelben Maße die handwerksmäßige Schuhmacherei
! (s. Schuhmacher) verdrängt. Die S. arbeitet zum
^ Teil mit ganz eigenartigen Specialmaschinen und
mit weitgehender Arbeitsteilung, so daß in großen
Schuhfabriken etwa 40 vcrfchiedene Maschinen ge-
braucht werden. Die erste Vorarbeit der Schäfte-
fabrik a t i o n ist die Anfertigung derModelle, die
von gefchickten Modelleuren entworfen und in Gestalt
von Schablonen den Zuschneidern übergeben wer-
den. Während früher diese Schablonen für jede
Größennummer aus Blech geschnitten wurden und
dazu ein Modelleur mehrere Tage brauchte, ist man
heute durch Einführung der Pantographen
(f.Tafel: SchuhwarenfabrikationI, Fig. 1) im
stände, einen ganzen Satz Modelle in 10 Minuten
zu schneiden, welche Arbeit überdies von einem
Knaben oder Mädchen besorgt werden kann; der
Pantograph schneidet nach einer vom Modelleur
entworfenen Grundschablone die übrigen Gröben-
nummern aus Pappe, und damit dieselben beim