Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

632

Schuhwarenfabrikation

Zuschneiden ihre Form nicht verlieren, werden sie auf einer besondern kleinen Maschine mit einer Drahteinfassunq versehen. Bei Massenfabrikation der einzelnen Schäfteteile werden nach der Schablone Ausstanzmesser gefertigt und mit diesem die Teile auf der Ausstanzmaschine (dieselbe Konstruktion, wie sie in der Buchbinderei gebraucht wird; s. Tafel: Buchbinderei II, Fig. 12) unter großer Zeitersparnis ausgestanzt. Auf die gleiche Weise werden auch die Kappen, Gelenkstücke und Sohlen hergestellt. Die ausgeschnittenen oder ausgestanzten Teile werden nun auf Spaltmaschinen egalisiert und auf einem Numerierapparat mit der Größennummer und sonstigen Bezeichnungen versehen. Diejenigen Teile, welche übereinandergelegt und gesteppt werden sollen, schärft man mittels der Abschärfmaschine (s.Tafel: Schuhwarenfabrikation I, Fig. 2) an den Kanten ab und biegt bei seiner Arbeit die Kanten mit der Umbugmaschine um. Nachdem noch die Hinterriemchen auf der Riemchenumbugmaschine gefaltet, die Kappen auf der Auslochmaschine perforiert und gewisse Zwischenteile auf der Auszackmaschine (Taf. I, Fig. 6) verziert worden sind, werden die Teile auf einer Steppmaschine zusammengesteppt. Schäfte für Knöpfstiefel werden noch auf der automatischen Knopflochschneid- und Ausnähmaschine mit Knopflöchern und auf der Knopfbefestigungsmaschine (Taf. I, Fig. 3) mit den Knöpfen versehen. Bei den Schäften für Schnürschuhe bewirkt die Loch- und Öseneinsetzmaschine (Taf. I, Fig. 4) das Einsetzen der Ösen. Für Schnürschuhe, bei welchen die Schnürsenkel um Häkchen (Agraffen) geschlungen werden, geschieht die Befestigung dieser Agraffen auf einer Agraffeneinsetzmaschine.

Die Bodenfabrikation beginnt mit dem Verdichten des Sohlenleders auf einer Walzmaschine (s. Tafel: Lederfabrikation, Fig. 6). Die gewünschte Dicke wird durch Spalten und die Form durch Ausstanzen, wie bei den Schäften, hergestellt. Die Naht, welche die Sohle später mit dem Oberleder verbinden soll, läuft in einer Rinne, die man auf der Rißmaschine erzeugt. Nachdem die Sohlenkante auf einer Sohlenegalisiermaschine abgeschrägt ist, erzeugt man die erforderliche Wölbung und Einsenkung (das Gelenk) der Sohle auf der Sohlenformpresse (s.Tafel: Schuhwarenfabrikation I, Fig. 5), welche eine Kniehebelpresse darstellt und mit dem Fuß in Thätigkeit gesetzt wird. Die vorläufige Verbindung der Sohle mit dem Oberteil geschieht durch das Aufzwicken, eine Arbeit, die bis jetzt nur durch Handarbeit in vollkommener Weise gelungen ist, obgleich zahlreiche Maschinen dafür konstruiert worden sind. Beim Aufzwicken zieht der Arbeiter mit der Zwickzange (Taf. I, Fig. 7a) das Oberleder stramm über den mit Eisen beschlagenen Leisten, der auf einem dreh- und umklappbaren Aufzwickständer (Taf. I, Fig. 7) angebracht ist, legt die innere Sohle ein, schiebt die Kappe an der Absatzseite zwischen Futter und Leder und heftet Sohle und Oberleder mit eisernen Zwickstiften (Tacks) zusammen, indem er die Stifte mit der an der Zange befindlichen Hammerbahn eintreibt. Die Außensohle wird dann mit der SohlenaufHeftmaschine (Taf. I, Fig. 8) befestigt. Zur innigen Vereinigung von Sohle und Oberleder dienen die Besohlmaschinen, von denen jetzt meist die Sohlendurchnähmaschine, wohl die wichtigste

und schwierigste Erfindung der S., in Anwendung kommt. die erste derartige Maschine wurde 1851 London von James Drew ausgestellt. Große Verbreitung fand in neuerer Zeit die von MacKay 1862 konstruierte Maschine. Alle heutigen Durchnähmaschinen arbeiten entweder auf Kettelstich oder auf Steppstich. Eine Sohlendurchnähmaschine für Doppelsteppstich zeigt Taf. I, Fig. 9. Die Maschine arbeitet mit Pechfäden. Die Stichplatte ruht aus einem drehbaren Horn A, über welches der Schuh oder Stiefel geschoben wird. Im obern Teil B sind die Hakennadel, der Transporteur und der rotierende Greifer enthalten. Die Spitze des Horns A und das Oberteil B werden beim Nähen mit Gasoder Spiritusflammen erhitzt, um die Pechfäden geschmeidig zu machen. Während ein Handarbeiter in einem Tag die Sohlen zu höchstens drei Paar Schuhen befestigen kann, leistet die Sohlendurchnähmaschine 2-300 oder 5-600 Paar pro Tag, je nachdem sie für Fuß- oder Kraftbetrieb eingerichtet ist. Die aufgenähte Sohle wird auf der Sohlenglättmaschine (Taf. I, Fig. 10) geglättet, die Kanten mit der Kantenfräsmaschine sauber gefräst und mit der Kanten- und Gelenkpoliermaschine poliert. Das Polieren geschieht, indem die Schwärze mittels erhitzter Eisen eingebrannt wird. Zur Erlangung weiterer Glätte wird die Sohle noch gegen die mit 2000 Touren pro Minuts rotierende, mit Sandpapier übergezogene Walze der Bodenabglasmaschine gehalten, wobei sich alles Rauhe abschleift; endlich erhält die Sohle durch das rotierende Schmirgelkissen der Bodenputz- und Bürstmaschine (Taf. II, Fig. 1) die letzte Vollendung, indem sie dann weih und sammetartig geworden ist; die an der letztgenannten Maschine befindliche Bürste dient zum Säubern des ganzen Schuhes vom Staub. Die Herstellung des Absatzes beginnt mit dem Ausstanzen von Lederflecken, die auf einem einfachen Apparat mit einem Stift zusammengeheftet werden; auf der Absatzaufbaumaschine (Taf. II, Fig. 2) werden diese Flecke gepreßt und zusammengenagelt, die Oberstecke aufgestiftet (wozu man auch besondere Maschinen hat) und der Absatz auf den Schuh aufgenagelt, worauf die Front des Absatzes auf einem einfachen Frontbeschneideapparat beschnitten wird. Die meist geschweiften Seitenflächen des Absatzes werden dann auf einer mit entsprechend gestalteter Fräse versehenen Absatzfräsmaschine egalisiert und auf einer Absatzausglasmaschine geglättet. Auch der Oberfleck wird auf einer besondern Maschine abgeschliffen, worauf das Polieren der Absätze erfolgt. Während früher diese Arbeit auf kostspieligen Maschinen vorgenommen wurde, deren Poliereisen geheizt werden mußte, wendet man heute das Kaltpolieren an. Die dazu dienende Absatzpoliermaschine (Taf. II, Fig. 3) besitzt eine mit 1000 Touren pro Minute rotierende Welle mit entsprechend gestalteten Filzscheiben und Bürsten, gegen welche der mit der Poliertinte Quick Black in Verbindung mit einer Wachsart bestrichene Absatz und auch die Gelenke gehalten werden, worauf der tiefschwarze Glanz erscheint. Nach Vollendung des Absatzes werden die Schuhe an der Aufblock- und Aufputzmaschine (Taf.II,Fig.4) noch einmal auf den Leisten aufgeblockt, damit sie die etwa verloren gegangene Fa^[c]on wiedererlangen, und dann auf derselben Maschine mittels der ersichtlichen rotierenden Bürste blank geputzt. Die