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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schwäbischer Kreis - Schwaden (Grubenluft)
tm Weiden der Schafzucht günstig. Auch wird bier
eine dauerhafte Rasse von Pferden gezüchtet, und
einen besondern Erwerbszweig bildet das Einsam-
meln der Schnecken (ilßUx pomatia ^.), besonders
im tzardt. Charakteristisch für die Hochfläcke ist der
Wassermangel; der Kalkboden sangt alles Wasser
auf, was zu 5)öhlcnbildungcn Veranlassung giebt.
61 Orte mit ungefähr 40-50 000 E. auf etwa
1800 hkm werden jetzt durch Reservoire versorgt,
in die Wasser aus den Thälern hinaufgepumpt
wird. Was den geolog. Aufbau des Gebirges be-
trifft, so gehören die ältesten Schichten, welche in
dem sandigen Gestein überaus schöne Versteine-
rungen enthalten, dem sog. Braunen Jura an, zu
dem der technisch wichtige Eisenrogenstein gehört.
Auf den braunen folgt der weiße Jura, der mit
seinen Kalksteinen dem Nordwestrande seine maleri-
schen Formen verleiht, auf der tzochfläcke den Wasser-
mangel verschuldet, dagegen den Thälern einen
großen Reichtum an Quellen giebt. In ihm finden
sich die merkwürdigen .höhlen, deren über 30 gezählt
werden, darunter die.höhlen von Tuttlingen, Mün-
singen, Urach, Erpsingen, das Sibyllenloch auf der
Teck, die Grebenstetter Höhle, das Erdloch bei Sont-
deim, das Nebelloch bei Psullingcn, das Falken-
steiner Loch, die Friedrichshöhle und die Tropfstein-
höhle im Lautertyale bei dem Dorfe Gutenbcrg mit
fossilen Knochen- und Steinwerkzcugen. - Vgl.
G. Schwab, Die Schwäbische Alb (2. Aufl., von
Paulus, Stuttg. 1878); von Ehmann, Tie Versor-
gung der wasserarmen Alb (ebd. 1881); Wander-
bilder durch die Schwäbische Alb (Zür. 1894).
Schwäbischer Kreis, einer der zehn Kreise
des ehemaligen Deutschen Reichs, umfaßte den
größten Teil des alten Schwaben (s. d.) und wurde
begrenzt durch Frankreich, die Schweiz, Österreich,
Franken und die beiden rhein. Kreise. Sein Flächen-
inhalt betrug etwa 34 680 hkm, die Einwohnerzahl
gegen 2200000. Die zu Ulm 1503 begründete Krcis-
verfassung bestand mit wenig Abänderungen bis zur
Auflösung des Deutschen Reichs, nur dap, die Stadt
Donauwörth 1608 an Bayern und die am linken
Rheinufer gelegenen Kreislande später an die Re-
publik Frankreich abgetreten werden mußten. Kreis-
tage wurden jährlich zwei, meist zu Ulm abgedalten.
Die kreisausschreibenden Fürsten waren der herzog
von Württemberg, der Bischof von Augsburg, der
Markgraf von Baden und der Bischof von Konstanz,
vertreten durch Österreich. Das Direktorium fübrte
Württemberg. Die Stände teilten sich in fünf
Bänke: die der geistlichen und die der weltlichen
Fürsten, die der Prälaten, die der Grafen und
Herren und die der Städte. Die Bestandteile dieses
Kreises waren die .hochstifte Konstanz und Augs-
burg; die gefürsteten Abteien Kcmpten, Ellwangen,
Lindau und Bnckau; das Herzoqtnm Württemberg;
die Markgraffchaft Baden; die Fürstentümer Hoben-
zollern; die gefürstete Grafschaft Thcngcn; die
Lande des fürstl. und landgräfl. Hauses ^ttingen-,
die gcfürstete Landgrafschaf't Klettgau; das fürstl,
haus Liechtenstein; die Abteien Salmanswcilcr,
Weingarten, Ochsenhausen, Elchingen, Irsee, Ur^
sperg, Kaisersheim, Roggenburg, Rotb, Weißenau,
Schusscnried, Marckthal, Pctersbausen, Wetten-
hausen, Zwie^alten, Gengenbach, Heggbach, Guten-
zell, Rothmünster, Vaindt und Neresheim; die Kom-
turei des Deutschen Ordens Alschhausen; die Fürsten-
bergischen Landgrafschaften Stühlingen und Vaar;
die Herrschaft Wiesensteig; die Fürstenbergiscken,
Montfortschen, Waldburgischen und Fuggerschen
.Herrschaften und eine Reihe kleinerer; 31 Freie
Städte, darunter Augsburg, Ulm, Eßlingen, Reut-
lingen, Nördlingen, Heilbronn, Memmingen, Lindau,
Ravensburg, Kempten, Kaufbeuren, Weil, Wimpfen,
Vopfingen, Offenburg. Nachdem die Eäkularifation
von 1801 und 1803 die geistlichen Fürsten und die
Mediatisation alle die kleinen weltlichen Besitzungen
und sämtlicbe Freien Städte beseitigt hatte, wurden
von allen schwäb. Fürsten bei der Errichtung des
Rheinbundes nur Württemberg, Baden, Bayern,
Hohenzollern, Liechtenstein und von der Leyen (nur
bis 1815) souverän.
Schwäbischer Merkur und Schwäbische
Chronik, 1785 gegründete, täglich zweimal in Stutt-
gart erscheinende nationalliberale Zeitung, seit ihrer
Gründung bis heute im Besitz der Familie Elben;
gegenwärtiger leitender Redacteur ist der frühere
Rcichstagsabgeordncte Otto Elben (s. d.), Enkel des
Gründers. Die Zeitung hat sich große Verdienste da-
durch erworben, daß sie von jeher in Süddeutschland
für die nationale Einigung unter preuh. Führung
eingetreten ist. Im 1.18-18 und später schrieben Dav.
Fricor. Strauß, Gust. Rümelin, Paul und Gust.
Pfizer für das Blatt. 1850 - 60 war Alb. Schäsfle
in der Redaktion mit thätig. - Vgl. Otto Elben,
Geschickte des S. M. 1785-1885 (Etuttg. 1885).
Schwäbisches Meer, s. Vooensee.
Schwäbisch-Gmünd, Stadt in Württemberg,
s. Gmünd. ^s. Hall.
Schwäbisch-Hatt, Stadt in Württemberg,
Schwäbisch Wörth, s. Donauwörtb.
Schwabmünchen, Marktflecken im Bezirksamt
Augsburg des bayr. Reg.-Vez. Schwaben, auf dem
Leckfeld, an der rechts zur Wertach gehenden Sinket
lSingold) und der Linie Augsburg-Vuchloe der
Bayr. Staatsbahncn, Sitz eines Amtsgerichts
(Landgericht Augsburg), hat (1890) 2930 E., dar-
unter 109 Evangelische, Post, Telegraph, restau-
rierte Pfarrkirche mit prächtigem Plafondgemälde
und Gemälden alt- und neuteftamcntlichen Inhalts,
eine got. Marienkirche mit flacher holzdecke, die zu
den schönsten Arbeiten der deutschen Tischlerei des
Mittclalters gehört, gewerbliche Iortbildungs-,
Madckenindustrieschule; mechan. Weberei, Strumpf-
und Baumwollwarenfabrikation, Ziegelei, Kunst-
Mühle, Malzfabrik und bedeutenden Getreidemarkt.
Etwa 5 kin östlich das Dorf Untermeitingen
mit 623 katb. E., einem Schloß und dem als Wall-
fahrtsort besuchten Franziskanertloster Lechfeld.
Schwab und Kubins rauchfchwaches Pul-
ver, in Österreich eingeführtes Pulver. Es soll reine
Nitrocellulose sein (ohne Nitroglycerin), der durch
besonderes Verfahren die Zellenstruktur benommen
wird; es besteht aus unregelmäßig geformten, schr
harten Körnern, welche zur Verminderung der Elet-
tricitätserregung graphitiert sind.
Schwächeanwandlung, s. Ohnmacht.
Schwächlichkeit, s. Disposition.
Schwachsichtigkeit, s. Sehschwache.
Schwachsinn, s. Geistesschwäche.
Schwachstromtechnik, Zweig der Elektrotechnik
(s. d., Bd. 0, S. 11 ll).
Schwaden, die durch Ausströmen von Kohlen-
säure verdorbene Grubenluft; über feurigeS. und
Nachschwadens. Schlagende Wetter.