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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schweden

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Schweden (Finanzen. Litteratur zur Geographie und Statistik. Geschichte)

wählte Abgeordnete (Nämndemän) beiwohnen. Verwerfen diese Beigeordneten einstimmig das Urteil des Richters, so gilt ihre Bestimmung als Urteil. Für Geistlichkeit und Militär bestehen eigene Gerichte.

Das Wappen für S. und Norwegen ist ein vertikal in zwei Hälften geteilter Schild mit einem Herzschild; die rechte Seite, horizontal in zwei Felder geteilt, zeigt oben drei goldene Kronen in Blau (Schweden), unten einen roten Löwen in blauem, von drei goldenen Schrägbalken durchzogenem Felde (Götaland); die linke Seite zeigt in Rot einen aufgerichteten goldenen Löwen mit der Hellebarde des heil. Olaf (Norwegen); das Herzschild enthält rechts das Wappen des Hauses Wasa, links das von Pontecorvo. Auf dem Schild zwei Kronen. Schildhalter sind zwei goldene Löwen. Landesfarben sind Blau, Gelb. Die Kriegsflagge ist nach innen ausgezackt, mit liegendem gelbem Kreuz, das in eine besondere Spitze ausläuft. Das obere Feld am Flaggstock wird in acht Dreiecke geteilt. (S. Tafel: Flaggen der Seestaaten, Bd. 6, S. 862.) An Ritterorden bestehen: der Seraphinenorden (s. d.), der Schwertorden (s. d.), der Nordsternorden (s. d.), der Wasaorden (s. d.) und der Orden Karls XIII. (s. Karlsorden); dazu kommt für Norwegen der Olaforden (s. d.).

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Über das Heer und die Flotte s. Schwedisches Heerwesen.

Die Finanzen sind in günstigem Zustande. Das Budget für 1895 enthält folgende Posten: Einnahmen: Überschüsse 172 000 Kronen, ordentliche Einnahmen 19416000 Kronen, darunter Grundsteuer 2,37, Verpachtung von Staatsländereien 2,5, Feuer- und Bakengeld 1,4, Eisenbahnen 7, Telegraph 1,4, Forsten 2,7 Mill. Kronen; außerordentliche 74973000 Kronen, darunter Zölle 30 Mill., Branntweinsteuer 14, Post 8,2, Stempel 5,3, Rüberzuckersteuer^[richtig: Rübenzuckersteuer] 6,8, Einkommensteuer 9,9 Mill.; Anteil an dem Gewinn der Reichsbank 2,5 Mill.; Summe der Einnahmen 97 Mill. Kronen. Die Ausgaben setzen sich zusammen aus: Civilliste 1,3 Mill. Kronen, Justiz 3,88, Auswärtiges 0,6, Landesverteidigung 24,8, Marine 6,98, Inneres 5,6, Finanzministerium 17,3, Kultus und Unterricht 13, Pensionen 3,1 Mill. Kronen; dazu kommen außerordentliche Ausgaben für Heer und Flotte 3,9 Mill., für Reichsschuldenverwaltung 11,3 Mill., für Baufonds 250000, für Arbeiterversicherung 100000 Kronen. Die Gesamtsumme der Ausgaben beträgt 97,04 Mill. Die Staatsschuld, die ausschließlich für Eisenbahnbauten aufgenommen wurde, besteht aus 4-, 3- und 3 1/2prozentigen Anleihen und Obligationen und betrug Jan. 1895: 278,67 Mill., darunter 26,7 Mill. 3,6prozentige innere Schuld. Die Münzeinheit ist die Krone (s. d.) = 100 Öre. Für Maße und Gewichte ist das metrische System seit Jan. 1889 obligatorisch. Die Reichsbank, 1656 gegründet, hat 55 Mill. Kronen Kapital, giebt Noten als gesetzliches Zahlungsmittel aus für den Betrag ihres Metallbestandes und ihres Guthabens im Auslande und darüber 45 Mill. für den Betrag ihrer Fonds und Wechsel. Daneben bestehen etwa 30 Privatnotenbanken.

Litteratur zur Geographie und Statistik. Sveriges officiela statistik (jährlich erscheinend); Agardh und Ljungberg, Försök till en statsekonomisk statistik öfver Sverige (4 Bde., Stockh. 1852-63); Sweden. Statistics (Philad. 1870); Sidenbladh, La Suède. Exposé statistique (Stockh. 1876): Höjer, Konungariket Sverige (ebd. 1872-84): Rosenberg, Geografiskt-statistiskt handlexikon öfver Sverige (ebd. 1883); ders., Ny resehandbok öfver Sverige (ebd. 1887); Jonas, S. und seine Entwicklung in volkswirtschaftlicher und geistiger Beziehung (Berl. 1875); Murray, Handbook for travellers in Sweden (Lond. 1883); Baedeker, S. und Norwegen (6. Aufl., Lpz. 1894).

Schwedische Könige seit der Lösung der Kalmarischen Union.

Das Haus Wasa.

Gustav I. Erikson, Reichsverweser 1521-23, König 1523-60.

Erich XIV. 1560-63.

Johann III. 1568-92.

Sigismund 1592-99.

Karl IX., regierender Erbfürst 1599-1604, König 1604-11.

Gustav II. Adolf 1611-32.

Christine 1632-54.

Das Haus Pfalz-Zweibrücken.

Karl X. Gustav 1654-60.

Karl XI. 1660-97.

Karl XII. 1697-1718.

Ulrike Eleonore 1719-20.

Das Haus Hessen-Cassel.

Friedrich I. 1720-51.

Das Haus Holstein-Gottorp.

Adolf Friedrich 1751-71.

Gustav III. 1771-92.

Gustav IV. Adolf 1792-1809.

Karl XIII. 1809-18.

Das Haus Bernadotte (Pontecorvo).

Karl XIV. Johann 1818-44.

Oskar I. 1844-59.

Karl XV. 1859-72.

Oskar II. seit 1872.

Geschichte. Die Urgeschichte S.s bildet ein Ganzes mit der des gesamten Skandinaviens und ist durchaus sagenhaft. Wie in den übrigen skandinav. Reichen gab es ursprünglich viele Stämme, die politisch getrennt waren. Zwei Hauptmassen sind unverkennbar, Goten im Süden und Schweden (Swear) im Norden. Aber gemeinschaftlich war das Nationalheiligtum, der Tempel zu Upsala, und hierin schon lag der Grund zu einer nähern Vereinigung. Die Upsala-Könige schwangen sich über die kleinen Häuptlinge, die Fylkes-(d. i. Provinz-)Könige empor, die allmählich ausgerottet wurden. Der letzte König aus dem alten Königsgeschlechte der Ynglinger, Ingiald Illråda, der eine Alleinherrschaft zu gründen suchte, fand in diesem Bestreben seinen Tod. Aus der folgenden Zeit bis zum Ende des 10. Jahrh. kennt man nur einzelne Königsnamen. Schon während dieser sagenhaften Zeit waren die Schweden mit ihren Nachbarn, den Norwegern und Dänen, häufig in Kriege verwickelt, während die östl. Küsten der Ostsee schon damals der Schauplatz für ihre Seeunternehmungen wurden, wo sie Staaten gründeten, wie die übrigen Normannen in England und Frankreich. Mit Einführung des Christentums fängt die Geschichte S.s an klarer zu werden. Schon der heil. Ansgar hatte um 830 einen Versuch gemacht, das Christentum in S. einzuführen, aber noch Jahrhunderte dauerte es, ehe es siegte. Olof Schooßkönig ließ sich zwar (um 1008) taufen; doch der Kampf des Heidentums gegen das Christentum dauerte fort, bis der Sieg des letztern durch das Verbrennen des Upsala-Tempels unter Inge dem ältern (Ende des 11. Jahrh.) entschieden wurde. Von da an bildete sich allmählich die kath. Hierarchie aus und wurden die Stifter errichtet. Auf der Kirchenversammlung zu Linköping (1152) machte sich das Volk verbindlich, eine jährliche Steuer an den Papst zu zahlen. 1164 wurde ein Erzbischof zu Upsala eingesetzt, aber erst 1248 auf einer Kirchen-^[folgende Seite]