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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schwedische Litteratur

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Schwedische Litteratur

in Versen verfaßt sind. So haben wir die «Erikskrönika» (bis 1320) und ihre Fortsetzung, die «Nya Krönikan» (bis 1496), die «Lille rimkrönikan» u. a. (hg. von Klemming, «Svenska medeltidens rimkrönikor», 3 Bde., Stockh. 1865-68). Auch lateinisch geschriebene Chroniken wurden verfaßt, so namentlich des Ericus Olai «Chronica Gothorum» (1470) und des Johannes Magnus «Historia de omnibus Gothorum Sveonumque Regibus» (Rom 1554). Unter den didaktischen Werken ist hervorzuheben der schwed. Königsspiegel «Um Styrilsi Kununga ok Höfdinga», um 1350 verfaßt nach Egidius Romanus' «De regimine principum» (hg. von Geete, 1878).

Die Stiftung der Universität in Upsala (1477) trug anfangs wenig zur Belebung der höhern Gelehrsamkeit bei, weil sie damals wenig mehr als eine Kapitelschule war. Die Apostel der Reformation, die Brüder Olaus und Laurentius Petri, Melanchthons Schüler, vertreten beinahe die ganze Litteratur ihres Zeitalters, weil sie zugleich Bibelübersetzer, Chronikschreiber (Reichsgeschichte des Olaus Petri) und Dichter (Kirchengesangbuch) waren. Gleichzeitig schrieben die vertriebenen katholischen, in Rom lebenden Brüder Johannes Magnus, vormals Erzbischof zu Upsala (gest. 1541) und Olaus Magnus (gest. 1558) jeder eine abenteuerliche Historie der nordischen Völkerschaften, aber lateinisch, von denen des letztern Werk reich an Volksüberlieferung ist.

Die allgemeine wissenschaftliche Bildung stand bei Gustav II. Adolfs Regierungsantritt auf keiner hohen Stufe. Die Litteratur war sehr dürftig; die wichtigste Rolle in der Poesie spielte die Schulkomödie. Auch sie war aus Deutschland nach Schweden gekommen. Jetzt traten in Upsala zwei gelehrte Professoren auf, die miteinander um die Gunst der Jugend so hesftig wetteiferten, daß der König, um der Unruhe ein Ende zu machen, beide abberufen mußte. Der erste, Joh. Messenius (gest. 1637), schrieb Geschichtskomödien, die er von Studenten aufführen ließ; später verfaßte er während seiner 20jährigen harten Gefangenschaft zu Cajaneborg in 14 Bänden ein großes histor. Werk: «Scandia illustrata», das, wiewohl sehr unkritisch, doch für die spätern Zeiten von Wichtigkeit ist, da es vielfach als Quelle benutzt wurde. Unter seinen Schülern ist namentlich Andreas Prytz hervorzuheben («En lustigh comoedia om Konung Gustaf I.», hg. von Lundell, 1882). Des Messenius Nebenbuhler, Joh. Rudbeckius, erhielt den Bischofsstuhl zu Westerås und organisierte die Schulen, das Gymnasium und die theol. Studien in seinem Stift auf eine Art, die seitdem zum Vorbilde gedient hat. Gustav II. Adolf, der selbst als Historiker auftrat, begründete viele Schulen und die ersten Gymnasien, legte jeder Familie eine Abgabe auf, die zur Unterstützung armer Bauernsöhne auf den Schulen bestimmt war, und unterstützte die Universität Upsala in außerordentlich reicher Weise. Mehrere Staatsmänner, besonders Diplomaten, zeichneten sich als Gelehrte aus, wie Axel Oxenstjerna, unter dessen Mitwirkung die Universitäten zu Åbo und Dorpat und viele neue Gymnasien und Schulen errichtet wurden. Eine große Rolle spielten der Hof und die Universität zu Upsala unter der Königin Christine, die aus Deutschland, Holland und Frankreich zahlreiche berühmte Gelehrte, wie Descartes u. a., berief.

Der Vater der schwed. Dichtkunst wird Georg Stjernhelm (gest. 1672) genannt, von dem u. a. ein Lehrgedicht in Hexametern «Hercules» erhalten ist. Die Dichter dieser Periode waren zum Teil Vertreter der Zweiten Schlesischen Schule. Die bekanntesten Dichter dieser Zeit waren der unglückliche Lucidor, eigentlich Lars Johansson (erstochen 1674), und Runius (gest. 1713), beide nachlässige und regellose Gelegenheitsdichter, aber voll von Mutterwitz; ferner Samuel Columbus (gest. 1679), den die Zeitgenossen «den schwed. Flaccus» nannten; Dahlstjerna (gest. 1709), ein patriotischer Sänger; der Erzbischof Spegel, dessen großes geistliches Epos «Guds Werk och Hvila» («Gottes Werk und Ruhe» nach Du Bartas und Arreboe) erhabener Schilderungen voll ist; Frau Brenner (gest. 1730), die, wiewohl trocken und pedantisch, doch von den Zeitgenossen als die zehnte Muse gepriesen wurde; endlich Frese (gest. 1729), ein liebenswürdiger Elegiker, und Triewald (gest. 1743), «der schwed. Boileau», durch welchen die neue franz.-klassische Richtung angebahnt wurde. Fast alle diese Werke sind herausgegeben von Hanselli in den «Samlade vitterhetsarbeten af svenska författere från Stjernhjelm till Dalin» (Upsala 1856 fg.).

Als der eigentliche Vater der neuern schönen Litteratur Schwedens ist Dalin (s. d.) zu betrachten. Zuerst trat er als Herausgeber einer im Geiste des engl. «Spectator» redigierten Zeitschrift «Argus» auf (1732-34). Großes Verdienst haben seine Gedichte, meist Gelegenheitsgedichte, während die Prosa in seiner Reichsgeschichte noch heute durch ihre Reinheit und edle Würde anspricht. Neben ihm stand Frau Nordenflycht; aus ihren Liedern spricht ein tiefes Gefühl. Um diese Frau versammelte sich ein Dichterkreis, der sich später «Utile dulci» benannte. Aus diesem gingen hervor der ernste Gyllenborg (gest. 1808), der Fabeln, Oden und das epische Gedicht «Tåget öfver Bält», eine Nachahmung von Voltaires «Henriade», schrieb, und sein Freund Creutz, der durch die Idylle «Atis och Camilla» die Nation hinriß. Noch mehr wurde die Sprache ausgebildet durch Kellgren (s. d.), durch den die «Aufklärung» in Schweden zur Herrschaft kam und der als lyrischer Dichter und Satiriker den ersten Rang gewann. Mit ihm wetteiferte Leopold (gest. 1829), der jedoch wie Pope, sein Vorbild, mehr rhetorisch als poetisch war. Hochgeschätzt wurden auch Frau Lenngren und der Graf Oxenstjerna (s. o.). Alle die bisher Genannten gehörten der sog. klassischen, nach franz. Muster gebildeten Schule an. Begünstigt wurde diese ganze Zeitströmung von König Gustav III., der selbst Schauspiele entwarf, ein tüchtiger Redner war und 1786 die Schwedische Akademie gründete. Eigene Bahnen verfolgte der sentimentale Lidner und der geniale Bellmann (s. d.). Nicht weniger originell innerhalb seiner Sphäre war Graf Karl Aug. Ehrensvärd (gest. 1800). Sein Geistesverwandter Thorild geriet in hitzigen Streit mit den Koryphäen des herrschenden Geschmacks, Kellgren und Leopold. Einige Jahre danach fingen der Philosoph B. Höijer und G. A. Silfverstolpe an, in ihren beiden Journalen für vaterländische und ausländische Litteratur eine tiefere Kritik einzuführen und auf die wichtigsten Erscheinungen des Auslandes, namentlich Deutschlands, die Aufmerksamkeit zu lenken.

Mit dem Anfange des 19. Jahrh. beginnt die neueste Epoche der S. L. Erst seit der Revolution von 1809 datiert der Beginn einer schwed. Nationallitteratur im eigentlichen Sinne des Wortes. Außer dem schon erwähnten Thorild, der die Befreiung vom geisttötenden Formalismus ernstlich anstrebte und fremde Muster empfahl, waren es die Lyriker Franzén und Wallin, welche die neue Richtung anbahnten. Neben