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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schwedisch-Polnisch-Brandenburgisch-Dänischer Krieg von 1655 bis 1660

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Schwedisch-Polnisch-Brandenburgisch-Dänischer Krieg von 1655 bis 1660

den schwed. Thron bestiegen hatte, trat ihm König Johann II. Kasimir von Polen entgegen und machte als letzter Wasa Ansprüche aus Schweden geltend. Darauf ließ Karl X. Gustav sofort die schwed. Truppen im Sommer 1655 von Pommern und Litauen aus in Polen einrücken. Ohne Widerstand zu leisten, öffneten die poln. Festungen ihre Thore, das Aufgebot von Großpolen ergab sich an der Netze, viele adlige Reiter gingen zum Feinde über; auch Warschau und Krakau ergaben sich, in kurzem war das ganze Land in der Hand der Schweden; Johann Kasimir entfloh nach Schlesien. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Ostpreußen von der poln. Krone zu Lehn trug und notwendig in den Streit mit verwickelt werden mußte, hatte das zuerst mit Schweden geplante Bündnis aufgegeben, da Karl Gustav bei den Stettiner Verhandlungen zu hohe Forderungen gestellt hatte, zog alle verfügbaren Truppen aus Cleve und Brandenburg nach Ostpreußen, ließ in dieser Provinz die Milizen, die sog. «Wybranzen», aufbieten und schloß im Nov. 1655 mit den Ständen des poln. Preußens in Rinsk einen Vertrag zu gemeinsamer Verteidigung. Dadurch im Rücken bedroht, wandte sich Karl Gustav nach Preußen, drängte die Brandenburger bis unter die Mauern von Königsberg und erzwang 17. Jan. 1656 den Vertrag von Königsberg, in welchem der Kurfürst Preußen als schwed. Lehn annahm, der Verbindung mit den westpreuß. Ständen entsagte, sein Land dem durchziehenden schwed. Kriegsvolk, seine Häfen den schwed. Kriegsschiffen öffnete und dem König die Hälfte der einträglichen Seezölle abtrat, dagegen das Bistum Ermland als schwed. Lehn erhielt. Als aber nun die poln. Adligen, die vor wenigen Monaten erst zu den Schweden abgefallen waren, ihre Eide brachen, der nach Schlesien geflüchtete König Johann Kasimir zurückkehrte und der religiöse und nationale Fanatismus der Polen in furchtbaren Greuelthaten gegen die feindlichen deutschen Grenzbewohner hervorbrach, sah sich Karl Gustav, dessen Heer durch den harten Winterfeldzug und durch die Besetzung der festen Plätze auf die Hälfte zusammengeschmolzen war, genötigt, die Hilfe des Brandenburgers zu suchen, der sich in Königsberg zur Neutralität, nicht aber zur Mitwirkung am Kriege gegen Polen verpflichtet hatte. Am 23. Juni 1656 wurde zu Marienburg ein Offensivbündnis abgeschlossen, in dem sich der Kurfürst verpflichtete, für Überlassung des Bistums Ermland und vier großer poln. Woiwodschaften mit seiner ganzen Macht, nicht als Lehnsmann, sondern als freier Bundesgenosse dem König zu Hilfe zu ziehen. Trotz der weit überlegenen Zahl der Polen und Tataren errangen die Brandenburger und Schweden 28. bis 30. Juli den glänzenden Sieg bei Warschau (s. d.). Doch die erwarteten Folgen blieben aus, das kleine schwed. Heer konnte, der Heimat fern, schwer ergänzt werden, den Polen zogen bald neue große Scharen zu, der Zar trat auf ihre Seite und drang in das schwed. Livland ein. Der brandenb. General Graf Waldeck erlitt im Oktober am Lyck eine Niederlage, König Kasimir eroberte Danzig. In dieser Not verstand sich Karl Gustav dazu, im Vertrage von Labiau (20. Nov. 1656) dem Kurfürsten, um ihn dauernd für sich zu gewinnen, die Souveränität über Preußen zuzugestehen. Noch einmal unternahm dann der Schwedenkönig einen Zug durch ganz Polen, um sich mit dem neuen Bundesgenossen, dem Fürsten von Siebenbürgen Georg II. Rakoczy (s. d.), zu vereinigen.

Als die Schweden und ihre Verbündeten sich den ungar. Grenzen näherten, schloß Kaiser Ferdinand mit dem Polenkönige die längst geplante Allianz. Auch Friedrich III. von Dänemark erklärte jetzt an Schweden den Krieg, um die ihm auferlegten drückenden Bedingungen des Friedens von Brömsebro abzuschütteln. Diese feindliche Liga niederzukämpfen, wandte sich Karl Gustav zuerst gegen Dänemark, unbekümmert um den Kurfürsten Friedrich Wilhelm, der, in Preußen allein gelassen, der Übermacht der Gegner preisgegeben war. Unter solchen Umständen entschloß sich Friedrich Wilhelm, unter Vermittelung des österr. Gesandten Lisola, 19. Sept. 1657 zu dem Vertrag von Wehlau (s. d.). Diesem Friedensvertrage folgte 6. Nov. zu Bromberg ein Schutz- und Trutzbündnis mit Polen. Brandenburg erhielt für die Teilnahme am Kriege gegen Schweden die Herrschaften Lauenburg und Bütow; außerdem sollte ihm die Stadt Elbing als Pfandbesitz zukommen. Indessen hatte Karl Gustav in einem glänzenden Feldzuge Dänemark zu Boden geworfen und rüstete sich nun gegen Brandenburg. Der drohenden Gefahr zu begegnen, hatte sich Friedrich Wilhelm im Febr. 1658 in Kölln an der Spree mit dem Wiener Hofe verbunden. Karl Gustav erschien, als Dänemark sich seiner Forderung, den Sund, den Eingang zur Ostsee, allen fremden Kriegsschiffen zu sperren, nicht unterwerfen wollte, im Aug. 1658 plötzlich mit einer Flotte von neuem vor Kopenhagen, das jedoch die wiederholten heftigen Stürme der Schweden heldenmütig zurückschlug und bald auch von einer holländ. Flotte unter Admiral Wassenaar Hilfe erhielt. Der Große Kurfürst drang an der Spitze eines österr.-poln.-brandenb. Heers in Holstein vor, in der Nacht vom 15. zum 16. Dez. gingen die Brandenburger nach Alsen über und verjagten die Schweden von der Insel. 1659 wurde ganz Jütland besetzt, die Festung Friedrichsödde und die Insel Fanö erobert. Die Niederlagen der Schweden erregten lebhafte Besorgnis in Paris und London. Mazarin wußte auch die Generalstaaten auf seine Seite zu ziehen. Im Mai 1659 einigten sich die drei Westmächte durch das Haager Konzert und unternahmen es, Schweden und Dänemark auf Grund der Roeskilder Bedingungen zum Frieden zu bewegen; die Sundschiffahrt sollte frei bleiben. Doch Karl Gustav widersetzte sick hartnäckig den Vermittlern. Infolgedessen beteiligte sich ein niederländ. Geschwader unter Admiral Ruyter an einem Angriff auf Fünen. Brandenb., dän. und holländ. Truppen gingen nach der Insel über und vernichteten ein schwed. Heer bei Nyborg (24. Nov. 1659). Friedrich Wilhelm selbst hatte sich nach Pommern begeben, wo die österr. Armee unter de Souches erfolgreich vorgedrungen war. Bald war Schwedisch-Pommern mit Ausnahme weniger Städte von den Verbündeten erobert. Auch in Livland, Kurland und Preußen fielen nacheinander fast sämtliche Stützpunkte der schwed. Macht. Da aber griff zu Gunsten Schwedens Frankreich rettend ein, das nach dem Pyrenäischen Frieden (Nov. 1659) jetzt freie Hand erhalten hatte. Unter franz. Vermittelung begannen im Kloster Oliva die Friedensunterhandlungen, sie wurden erleichtert durch den plötzlichen Tod Karl Gustavs (23. Febr. 1660). Am 3. Mai wurde in Oliva (s. d.) der Friede unterzeichnet. - Vgl. Erdmannsdörffer, Deutsche Geschichte vom Westphälischen Frieden bis zum Regierungsantritt Friedrichs d. Gr. 1648-1740, Bd. 1 (Berl. 1892).