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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schwefelkopf - Schwefelsäure
brechende, sehr bewegliche Flüssigkeit vom spec. Ge-
wicht 1,272, die sich kaum in Wasser, leicht in Alkohol,
Äther und Älen löst, bei 46° 0. siedet und angezündet
mit blauer Flamme zu Kohlensäure und schwefliger
Säure verbrennt. Der S. wurde 1796 von Lam-
padius in Freiberg entdeckt, aber erst 1838 von
Anton Schrötter in Wien in größerer Menge dar-
gestellt, bis es Mitte der fünfziger Jahre gelang,
ihn in die Reihen der Produkte der chem. Groß-
industrie einzuführen. Man stellt ihn dar, indem
man Schwefeldampf durch in eisernen Gefäßen ent-
haltene glühende Kohlen leitet und den so gewon-
nenen rohen S. von beigemengtem Schwefel und
andern Verunreinigungen durch Destillation reinigt.
Im unreinen Zustande hat der S. einen höchst
widerwärtigen Geruch; gereinigt ist sein Geruch dem
des Chloroforms ähnlich. Man verwendet den S.
in kleiner Menge in der Zeilkunde, in großer da-
gegen in der Technik, wo er zur Extraktion der Fette
und Öle aus Ölsamen (chem. Olgewinnung), Oliven,
Mandeln, öl- und fetthaltiger Wolle, den Ölen der
Knochen u. s. w. dient. Da der S. von der Lösung
des Öls und Fettes mit Leichtigkeit abdestilliert
und wieder gewonnen werden kann, so ist diese
Anwendung wirtschaftlich wichtig geworden; sie ist
aber jetzt durch die des Venzins und Petrolenm-
äthers mehr und mehr verdrängt worden. Man
verwendet den S. ferner zur Bereitung des Phöni-
zifchen Feuers (s. d.). Mit Stickoxydgas verbrannt,
giebt der S. ein intensiv bläulichweihes Licht,
das in einer besondern, von E. Sell in Berlin
konstruierten Lampe gefahrlos erzeugt und für
photogr. Zwecke angewendet wird. Die Verbindung
des S. mit den Alkalimetallen (Sulf o carb onate)
sind mit Erfolg gegen die Reblaus angewendet
worden, ebenso auch die Salze der Xanthogensäure
(Lanthogenate), deren Kaliumverbindung man
erhält, indem man S. zu einer Lösung von Kali in
Alkohol setzt. 100 kF S. kosten (1895) 35 M.
Schwefelkopf, Vüschelschwamm (^FaricuZ
faLciculariZ li^s., s. Tafel Pilze II: Giftige
Pilze, Fig. 4), giftiger Pilz, dessen Hut 2-5 cm
und darüber breit wird, lebhaft gelbe Färbung zeigt
und in der Mitte eine Erhöhung besitzt. Der Stiel
ist ziemlich hoch, aber dünn, die Lamellen sind an-
fangs ebenfalls gelb, doch bald grünlich gefärbt,
das Fleisch ist grünlichgelb und besitzt einen ange-
nehmen Geruch. Er kommt gesellig an alten Baum-
stämmen vor und ist bei oberflächlicher Betrachtung
leicht mit dem eßbaren Stockschwamm (s.d. und Tafel
Pilze I: Eßbare Pilze, Fig. 4) zu verwechseln.
Schwefelkupfer, s. Kupferfulfide.
Schwefelleber (Kali- und Kalkschwefel-
leber), die in Wasser löslichen Polysulfide der
Alkali- und Erdmetalle, s. Kaliumsulfide und Cal-
ciumsulfid. (S. auch lleMr.)
Schwefelmangan, Einfach-und Zweifach-,
s. Mangansulfide. ^757 a).
Schwefelmännchen, f. Bergbau (Bd. 2, S.
Schwefelmetalle, die Verbindungen von Me-
tallen mit Schwefel. (S. die Einzelartikel unter den
betreffenden Metallsulfiden.)
Schwefelmilch (I^e Luilulis), feinst verteilter
Schwefel, wie man ihn bei Zersetzung von Super-
sulfiden der stark basischen Metalle durch allmählichen
Säurezusatz erhält: z. B. 0a8, -i- 2II01 ^ (^(^ ^
^3 ^ 43. Man erhält so ein fast weißes, äußerst
feines Pulver, das sich leicht in Schwefelkohlenstoff
löst und ohne Zweifel die rhombische Modifikation
des Schwefels in unkrystallinischem Zustande ist. S.
wird als Heilmittel angewendet.
Schwefelmoorbader, f. Moorbäder.
Schwefeln, Bezeichnung für verschiedene Ver-
fahren zur Tötung der Keime gewisser auf Pflanzen
und Tieren schmarotzenden oder Gärungs-, Fäulnis-
und Verwesungsvorgänge verursachenden niedern
Organismen durch Schwefelpräparate. Das S. be-
steht zuweilen darin, daß man Schwefel als feines
Pulver, als Schwefelblüte oder Schwefelmilch, auf-
streut, z. V. beim S. der Weinreben zur Unter-
drückung von schädigenden Pilzen; meist aber ge-
schieht es dnrch Anwendung schwefliger Säure in
Gasform oder in wässeriger Lösung. So z. B. besteht
das S. der Weinsässer (Einbrennen derselben)
darin, daß man in ihnen reinen Schwefel (Süß-
brand, s.d.) verbrennt, bis er wegen Sauerstoff-
mangel verlischt, und dann die Fässer längere Zeit
verschlossen stehen läßt. Hierdurch werden alle Pilz-
sporen, die meisten Bakterien u. s. w. getötet. Das
S. ist also eine Desinfektion (s. d., Bd. 4, S. 971 d).
Schwefelnaphtha, s. Äther, gewöhnlicher.
Schwefeloxyde, die Verbindungen des Sauer-
stoffs mit Schwefel, so das Schwefeldioxyd, 80.2,
das Anhydrid der fchwefligen Säure, und Schwe-
feltrioryd, 80g, das Schwefelsäureanhydrid.
Schwefelqueckfilber, f. Quecksilbersulsid.
Schwefelquellen, f. Schwefelwässer.
Schwefelregen, s. Schlammregen.
Schwefelfalbe, nach der Deutschen Phar-
makopöe von 1872 ofsizinell als einfache S. (IIn-
ßusntuin Luilui-^tuin äiinplex), bestehend aus 1 Teil
gereinigtem Schwefel und 2 Teilen Schweinefett,
und als zusammengesetzte S. (UnFuLnwm sui-
luratuiu coiup08ituin), bestehend aus 1 Teil gerei-
nigtem Schwefel, 1 Teil gepulvertem Zinksulfat
und 8 Teilen Schweinefett. Bcide Salben sind ver-
altete Mittel gegen Krätze und ähnliche Hautleiden.
Die neuern Auflagen der Pharmakopöe haben keine
dieser Vorschriften aufgenommen. ^und Salze.
Schwefelfalze, sovielwieSulfosalze,s.Schwefel
Schwefelsäure (lat. ^ciänin Zuiluricum), in
wasserfreiem Zustande 3O3 ,Schwefeltrioxyd oder
Schwefelfäureanhydrid genannt, kommt in
der Natur nur sehr selten als vulkanisches Produkt in
Wässern vor; dagegen bildet die S. in Form von
Salzen zahlreiche Mineralien, so den Gips (schwefel-
saures Calcium), Kieserit (schwefelsaures Magne-
sium), Kainit (schwefelsaures Kalium und schwefel-
faures Magnesium), Schwerspat (schwefelsaures Ba-
ryum), Cölestin (schwefelsaures Strontium) und
Vitriolbleierz (schwefelsaures Blei). Man erhält das
Anhydrid, wenn man ein Gemenge von schwefliger
Säure und Sauerstoff, wie man es durch Aui^op^en
von konzentrierter S. auf glühende Ziegelstücke nach
Absorption des gleichseitig gebildeten Wassers durch
S. erhält, über erhitzten platinierten Asbest leitet,
wobei beide Gase sich zu Schwefelsäureanhydrid ver-
einigen, oder durch gelindes Erhitzen von rauchender
S. oder durch Glühen von Natriumbisulfat mit oder
ohne Zusatz von Magnesiumsulfat. Das Anhydrid
bildet eine aus verfilzten, seideglänzenden, weißen
Nadeln bestehende Masse, die sich mit Wasser äußerst
heftig zu Hydrat verbindet und gegenwärtig in gro-
ßer Menge in der Teerfarbendarstellnng Anwen-
dung findet. Das Anhydrid kommt in Blechbüchsen
von 60 kF Inhalt in den Handel. Von den hydrati-
schen eigentlichen S. sind die beiden wichtigsten die
rauch end e S.(Nordh äuser S.,Vitrio löl,^ci-