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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schwegel - Schweidnitz
lich. Alle Eulsite werden durch stärkere Säuren
unter Entwicklung von Schwefligsaureanhydrid zer-
legt. Von den Alkalibisulfiten benutzt man das
zweijachschwefligsaure Natrium (saure
schwefligsaure Natrium, Natriumbisulfit,
XHllsOg) in der Papierfabrikation unter dem Namen
Antich lor zurEntfernungdes überschüssigen Chlor-
gases, zum Waschen und Bleichen der Wolle und als
Konservierungsmittel. Eine Lösung von saurem
schwefligsaurem Calcium (f. Calciumbisulfit)
dient als Desinfektionsmittel und namentlich zur
Darstellung von Cellulose für die Papierfabrikation
(Mitscherlichs Verfahren). Das neutrale Na-
triumsulfit sindet in der Photographie Ver-
wendung, fter Echnabelflöte (s. d.).
Schwegel, Schwägel, Schwiege!, eine Art
Schlvegler, Albert, Theolog, Philosoph und
Historiker, geb. 10. Febr. 1819 zu Mickelbach im
Württembcrgischen, ward auf der Universität Tü-
bingen durch Vaur auf das Studium der histor.
Theologie hingeleitet, als dessen erste Fruckt der
"Montanismus" (Tüb. 1841) erschien. Diese Schrift
wie mehrere andere in Zellers "Theol. Jahrbüchern"
veröffentlichte Abhandlungen zogen S. die Ungunst
der württemb. Kirchenbehörden zu, weshalb er die
theol. Laufbahn verließ. Er gründete im Sommer
1843 die "Jahrbücher der Gegenwart", die bis Mitte
1848 erschienen, und habilitierte sich im Herbst 1843
als Privatdocent der Philosophie und klassischen
Philologie an der Tübinger Universität, wo er 1848
eine außerordentliche Prosessur der klassischen Philo-
logie, später die ordentliche Professur der Geschichte
erhielt und 5. Jan. 1857 starb. Die Ergebnisse sei-
ner theol. Forschungen hat S. in der Schrist "Das
nachapostolische Zeitalter" (2 Bde., Tüb. 1810) nie-
dergelegt, worin er die Entwicklung des Christen-
tums aus dem Judentum und die Entstehung der
kath. Kirche als einen rein histor. Prozeß nachzu-
weisen sucht. Von seinen übrigen kirchengeschicht-
lichen Werken sind noch zu erwähnen die Ausgaben
der Clementinischen Homilien (Stuttg. 184?) und
der "Kirchengeschichte" des Eusebius (2 Bde., ebd.
1852). Sehr verdienstlich sind S.s Arbeiten über
Geschichte der Philosophie. Dahin gehören die Aus-
gabe der "Metaphysik" des Aristoteles (mit Über-
setzung und Kommentar, 4 Bde., Tüb. 1847-48),
die "Geschichte der Philosophie im Umriß" (Stuttg.
1848; 14. Aufl. 1887; auch in Reclams "Universal-
bibliothek") und die nach seinem Tode von Köstlin
veröffentlichte "Geschichte der griech. Philosophie"
(Tüb. 1859'. 2. Ausg. der 3. Aufl., Freib. i. Vr.
1886). Wertvoll ist auch seine "Röm. Geschichte"
(Bd. 1-3, Tüb.; 2. Aufl. 1867-72; fortgesetzt von
Clason, Bd. 4 u. 5, Verl. und Halle 1873-76).
Schweich, Flecken im preuß. Reg.-Bez. und
Landkreis Trier, links an der Mosel, an der Linie
Koblenz-Trier der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890)
2500 kalh. E., Post, Telegraph, kath. Kirche, Kranken-
haus; Gerbereien, Branntweinbrennereien, Kalk-
brennerei, Steinbrüche, Noteisensteingrube, Wein-
und Obstbau und Viehzucht. Nahebei der 778 m
lange Meulenwaldtunnel der Moselbahn.
Schlveichel, Robert, Schriftsteller, geb. 12. Juli
1821 zu Königsberg i. Pr., studierte seit 1844 in
Königsberg Rechts- und Kameralwissenschaften, gab
1848 mit W. Sommerfeld die "Dorfzeitung für
Preußen" heraus und schrieb für liberale Blätter,
bis ihn der Druck der Reaktion zwang, nach Lau-
sanne überzusiedeln. Land und Leute der franz.
Kantone der Schweiz und Savoyens schilderte er in
mehrern Novellensammlungen und Erzählungen.
Im Herbst 1861 ging S. nach Berlin, lebte dann
in Hannover und Leipzig und kehrte schließlich nach
Berlin zurück, um die Redaktion der "Deutschen
Romanzeitung" zu übernehmen, die er von 1869 bis
1883 führte. Für dieses Journal schrieb er den Ro-
man aus den preuß. Hinterwäldern "Der Axtsckwin-
aer" (4. Aufl., Berl. 1894), den Roman "Der Bild-
schnitzer vom Achensee" (3. Aufl., 3 Bde., ebd. 1876)
und "Die Falkner von St. Virgil" (3 Bde., ebd.
1881). Die Frucht einer Reise durch Italien waren
die "Ital. Blätter" (Berl. 1877) und "Camilla", eine
röm. Novelle (ebd. 1886; 2. Aufl. 1887). Außerdem
veröffentlichte erdie Erzählungen: "Verloren" (1891),
"Der Schmuggler" (2. Aufl. 1892), "Heimatlos"
(2. Aufl. 1892), und die Romane: "Der Ubrmacher
vom Lac de Ioux" (2. Aufl. 1892), "Der Krämer
von Illiez" (3. Aufl. 1892), "Das weiße Kreuz
in Ormont" (2. Aufl. 1893), "Die Wildheuerin"
(2. Aufl. 1893), "Sein oder Nichtsein" (1894).
Schweickhardt, Katharine Wilhelmine, nieder-
länd. Dichterin, s. Vilderdijk.
Schweidnitz. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez.
Vreslau, bat 590,5? ^m und (1890) 96023 (46178
männl., 49 845 weibl.) E., 3 Städte, 112 Land-
gemeinden und 78 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt
im Kreis S., früher Hauptstadt des Fürstentums
S., an der Weistritz, am Fuß
des Eulengebirges und an der
Linie Camenz - Raudten dei
Preuh. Staatsbahnen, Sitz
des Landratsamtes, eines
Landgerichts (Oberlandesge-
richt Breslau) mit 10 Amts-
gerichten (Freiburg i. Schl.,
Friedland i. Schl., Gottes-
berg, Niederwüstegiersdorf,
Nimptsch,Neickenbachi. Schl.,
S., Striegau, Waldenburg i. Schl., Zobten am
Berge), eines Amtsgerichts und einer Handels-
kammer, hat (1890) 24 725 (12 261 männl., 12 464
weibl.) E., darunter 9372 Katholiken und 273 Is-
raeliten, in Garnison das Füsilierbataillon des
Grenadierregiments König Friedrich Wilhelm II.
Nr. 10, das 2. Bataillon des Füsilierregiments
Generalfeldmarschall Graf Moltke Nr. 38 und die
3. und reitende Abteilung des Feldartillerieregi-
ments von Peucker Nr. 6, Postamt erster Klasse,
Telegraph, schöne Promenaden an Stelle der Fe-
stungswerke, vier Kirchen, darunter die evang. Kirche
zur Dreieinigkeit, eine der drei Friedenskirchen (s.d.)
und die kath. Pfarrkirche mit 103 m hohem Turm,
dem höcbsten in Schlesien, evang. Gymnasium,
höhere Mädchenschule, Korrektions- und Landarmen-
haus, Stadtarmenhaus, Vürgerhospital, Waisen-
häuser, Schlachthaus; Fabrikation von Wolle, Leder,
Holzstisten, landwirtschaftlichen Geräten, Maschinen,
Nadeln und Handschuhen, Getreide, Vieh- und Garn-
märkte. Das Schweidnitzer Bier ist seit langer Zeit
(unter dem Namen Schöps) weithin berühmt und
wurde im 16. Jahrh, selbst nach Italien ausgeführt.
Die Stadt, bis 1867 Festung, hatte im Siebenjähri-
gen Kriege vier Belagerungen, zwei durch die Öster-
reicher und zwei durch die Preußen zu bestehen,
unter denen die von 1762 durch die Preußen die
denkwürdigste war. 1807 wurde S. von den Fran-
zosen erobert. - Vgl. F. I. Schmidt, Geschichte
der Stadt S. (2 Bde., Schweidn. 1846-48).