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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schweißschnur; Schweißstahl; Schweißsystem; Schweißtreibende Mittel; Schweißtuch; Schweitzer; Schweiz

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Schweißschnur - Schweiz (Oberflächengestaltung. Bewässerung)

Schweißschnur, Faischschnur, eine Schnur, die jetzt noch zur Verzierung des Hornfessels (s. d.) getragen wird, früher von größerer Bedeutung, weil der Jäger ein angeschossenes Wild über die Grenze verfolgen durfte, wenn der erste Schweiß vom Stande innerhalb der Schnurlänge sich befand.

Schweißstahl, im allgemeinen soviel wie härtbares Schweißeisen (s. Eisen, Bd. 5, S. 826 b); im besondern Sinne soviel wie Gärbstahl (s. Eisenerzeugung, Bd. 5, S. 930 b).

Schweißsystem (Schwitzsystem), s. Sweatingsystem.

Schweißtreibende Mittel, s. Diaphoretische Mittel.

Schweißtuch, bei den Juden das Tuch zur Umhüllung des Kopfes eines Leichnams oder auch des ganzen Leichnams. Die röm. Kirche verehrt einige heilige S. als kostbare Reliquien, wie z. B. das S. der Maria, besonders aber das der heiligen Veronika, das fünfmal vorhanden sein soll. Nach der Legende sah Veronika Jesus bei seinem letzten Gange in Schweiß und Blut und reichte ihm ein Tuch, um sich abzutrocknen. In das Tuch, das dreifach zusammengelegt gewesen sei, habe Jesus sein Gesicht gedrückt, und der dadurch erhaltene dreifache Abdruck sei nach Jerusalem, Rom und nach Spanien, nach andern nach Turin, Toulouse, Besançon, Compiègne und Sorlat gekommen. Als einer Wunder wirkenden Reliquie widmeten ihr die Päpste Johann VII. und Gregor XIII. besondere Verehrung. In Besançon entstand ein Orden, Brüderschaft des heiligen S., der jährlich 3. Mai der Reliquie eine feierliche Prozession widmete, weil sie (1544) die Stadt von einer pestartigen Seuche befreit haben sollte.

Schweitzer, Jean Baptista von, socialdemokratischer Agitator und dramat. Dichter, geb. 12. Juli 1834 zu Frankfurt a. M., studierte zu Berlin und Heidelberg die Rechte und ließ sich in Frankfurt a. M. als Advokat nieder. 1862 trat er der von Lassalle ins Leben gerufenen Arbeiterbewegung bei, siedelte 1863 nach Berlin über und wurde 1864 Präsident des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins und des Verbandes deutscher Gewerk- und Arbeiterschaften. In dieser Stellung begründete er das Agitationsorgan «Der Socialdemokrat». 1867 vom Wahlkreis Elberfeld-Barmen in den Norddeutschen Reichstag gewählt, gehörte er für diesen Wahlkreis auch dem Deutschen Zollparlament an. Beziehungen, die er mit offiziellen Kreisen der preuß. Regierung unterhielt, erschütterten das Vertrauen der Arbeiter auf die Unantastbarkeit seines polit. Charakters so sehr, daß er bei den Wahlen zum Deutschen Reichstage 1871 unterlag, worauf er das Präsidium des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins niederlegte. S. starb 28. Juli 1875 in der Villa Gießbach am Brienzer See. Seine Lustspiele zeigen eine zwar derbe, ins Possenhafte übergehende, aber wirksame Komik und geschickte Technik, so daß einige, namentlich «Epidemisch» und «Großstädtisch», sich dauernd auf dem Repertoire erhielten. S.s agitatorischer Zeit gehört der social-polit. Roman an: «Lucinde, oder: Kapital und Arbeit» (2 Bde., Frankf. a. M. 1864).

Schweiz, als Staat gewöhnlich Schweizerische Eidgenossenschaft genannt, liegt zwischen 45° 49' und 47° 49' nördl. Br. und zwischen 5° 57' und 10° 29' östl. L. von Greenwich, grenzt im N. an Elsaß-Lothringen und Baden, im NO. an den Bodensee, im O. an Österreich und Liechtenstein, im S. an Italien und Frankreich, im W. an Frankreich und hat einen Flächenraum von 41419,1 qkm, darunter 29684,7 qkm (71,7 Proz.) produktives Land. (Hierzu eine Karte: Die Schweiz.) Die Grenzlinie, von der ein Fünftel durch Gewässer, fast drei Fünftel durch Gebirge gebildet werden, ist 1737 km lang. Die Gestalt des Landes ist ein unregelmäßiges Oval; der Längendurchmesser von W. nach O. mißt von der südwestlichsten Ecke im Kanton Genf bis zur östlichsten Spitze im Kanton Graubünden (Münsterthal) 340 km, der Querdurchmesser von N. nach S., von der Landesgrenze bei Bargen im Kanton Schaffhausen bis Pedrinate im Kanton Tessin (Bezirk Mendrisio) 221 km. Der höchste Punkt ist der Gipfel des Montblanc (4810 m), der niedrigste der Spiegel des Lago Maggiore (197 m). Die S. ist mit ihrer mittlern Erhebung von 1300 m das höchste Land Europas.

Oberflächengestaltung. Die S. ist zum größten Teil ein Bergland, und zwar namentlich in den Alpen, die mit ihrer centralen Abteilung, der gewaltigsten und formenreichsten des ganzen Baues, der S. angehören. Diese nehmen den Süden, Südosten und Osten, etwa 68 Proz. des Landes, ein und gliedern sich in mehrere große, durch Flußthäler und Einsattelungen abgegrenzte Gruppen und Ketten (s. Westalpen), die ihren Knotenpunkt im Sankt Gotthard (s. d.) haben. Ihre Gipfel erreichen im Voralpenland 1200-2500 m, in den Hochalpen bis über 4600 m Höhe. Die Schneegrenze liegt durchschnittlich 2700 m hoch. Weit tiefer hinab (bis 1080 m, unterer Grindelwaldgletscher) steigen aber die Gletscher (s. d.), deren die S. über 600 mit einer berechneten Fläche von 1838,3 qkm (d. i. 4,5 Proz. der Gesamtoberfläche) zählt. Den Alpen gegenüber liegt ein schwächerer Gebirgszug, der Jura, der den Westen, Nordwesten und Norden, etwa 12 Proz. der Oberfläche, erfüllt. Seine Eigenart besteht in dem schmächtigern Aufbau schmaler, lang hingezogener Kämme, die schroff und steil mit wenigen Vorsprüngen und ohne Vermittelung aus der Ebene aufsteigen; sie erreichen 700-1500, selten über 1600 m Höhe. Nach Nordosten schließen sich flache Tafelländer an. An der Rhone unterhalb Genfs vereinigt, divergieren die beiden Gebirge in ihrem weitern Verlauf; sie sind Glieder eines Gebirgssystems. Der Raum zwischen Alpen und Jura ist eine verhältnismäßig flache Mulde, das Mittelland oder die Hochebene genannt, die sich vom Genfer See bis zum Bodensee erstreckt; sie lehnt sich an die Voralpen ohne scharfe Abgrenzung an und flacht sich gegen den Jura hin allmählich zu einer durchschnittlich 440 m hohen Ebene ab. Die breiten Rücken und Bergplatten dieses Landstriches, der ungefähr 20 Proz. des Landes ausmacht, übersteigen selten 1000 m. Tiefland von weniger als 300 m Höhe findet sich nur an den Rheinufern unterhalb der Aaremündung, am Tessin unterhalb Biasca und in den Ufergeländen des Luganer Sees.

Bewässerung. Der St. Gotthard ist die centrale Wasserscheide des Landes. Von ihm gehen die bedeutendsten schweiz. Flüsse aus und fallen nach allen vier Himmelsgegenden: der Rhein nach O., die Reuß nach N., die Rhône nach W. und der Tessin zum Po nach S. Die Gewässer der S. fließen der Nordsee, dem Mittel- und dem Schwarzen Meere zu und gehören fünf Stromgebieten an. Das Gebiet des Rheins, etwa 70 Proz. des Flächenraums, umfaßt die nördl. Abdachung; die größten schweiz. Nebenflüsse desselben sind die Thur und die Aare mit der Limmat und der Reuß, ferner die Thièle (deutsch Zihl), in deren Seen sich die Gewässer der Alpen und