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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schweiz

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Schweiz (Klima. Flora und Fauna. Bevölkerung)

des Juras vereinigen. Das Gebiet der Rhône (16,1 Proz.) liegt im SW.; dasjenige des Po (9,7 Proz.), dem der Tessin zufließt, im S. Zum Gebiet der Donau gehört das Engadin (4,1 Proz.) mit seinem Hauptstrom, dem Inn; zum Etschgebiet das Münsterthal, beide im SO. des Kantons Graubünden. In der Länge des Flußlaufes stehen der Rhein mit 348 und die Aare mit 280 km obenan. Am Rhein und am Tessin beteiligen sich die Gletscher mit je 2, am Inn mit über 9 Proz., an der Rhône, dem ausgesprochensten Gletscherwasser der S., mit nahezu 13 Proz. Die meisten größern Flüsse entspringen aus Gletschern, haben ein starkes Gefälle und bilden im Oberlaufe Wasserfälle und Stromschnellen. Mit Ausnahme des Rheins (Stein-Schaffhausen) und der Broye (Murten-Neuenburger See) sind auch die größten, ihres reißenden Laufs und ihrer zahlreichen Kiesbänke wegen, nur für Kähne und Flöße teilweise schiffbar. Dagegen bieten die zahlreichen Seen (1343,2 qkm) gute Wasserstraßen. Große Seen von mehr als 500 qkm Oberfläche sind der Genfer See (577,84 qkm) und der Bodensee mit Untersee (538,52), mittlere von mehr als 100 qkm der Neuenburger See, der Lago Maggiore und der Vierwaldstätter See, kleinere von mehr als 20 qkm sind im Rheingebiet der Brienzer See und der Thuner See, der Bieler See und der Murtensee, der Zuger See, der Walensee und der Züricher See, im Gebiet des Po der Luganer See. Außerdem zählt die S. noch 14 Seen von 1 bis 20 qkm Fläche, 50 Seen von über 10 bis 100 ha. Die wenigen Kanäle dienen meist zur Regulierung der Flußläufe und zur Entsumpfung; die wichtigsten sind der Linthkanal zwischen dem Walensee und dem Züricher See, der Aarekanal, der die Aare in den Bieler See leitet, und die Korrektionskanäle der Rhône und des Rheins.

Klima. Die S. besitzt die gesamten klimatischen Stufen von der wärmern gemäßigten bis zur kalten Zone; oft finden sich die schroffsten Gegenlätze dicht neben- und übereinander. Die wärmsten Gegenden sind die Niederungen der ital. Schweiz (Jahresmittel 11-13° C.), das Unterwallis und der Ufersaum des obern Genfer Sees (Jahresmittel 10-10,5°). In der Hochebene stellt sich die Jahrestemperatur auf 7-10°; in den Alpen sinkt sie bei etwa 2000 m Höhe auf 0°. Das Klima des Juras ist etwas rauher als das der Alpengegenden gleicher Höhe. Die herrschenden Winde sind der Südwest, der Föhn (s. d.) und die Bise (Nordost). Die Regenmenge, welche in der Hochebene 0,8 bis 1,1 m beträgt, steigt in den Alpen stellenweise bis auf 1,7 m. Die Zahl der Regentage beträgt jährlich 130-160. Die S. ist ein gesundes Land: nur wenige Sumpfgegenden und enge, tiefe Thäler mit feuchtwarmem Klima machen eine Ausnahme. (S. Alpen, Bd. 1, S. 441.)

Flora und Fauna. Nach der Höhe, durch die das organische Leben des Landes bedingt ist, lassen sich in der S. fünf Stufen unterscheiden: 1) Die Hügelregion (bis 800 m), namentlich das Mittelland. Hier giebt es noch ziemlich viel Laubwald, namentlich Eichen und Buchen, gleichzeitig aber auch Waldungen von Rot- und Weißtannen, ferner Lärchen, seltener Föhren; die Hügelregion ist die Höhenstufe des Acker-, Obst- und Weinbaues; Mais und Weinrebe kommen in den mildesten Strichen vor, letztere bis 550, im Waadtlande bis 800 m (im Wallis selbst über 1000 m), ebenso Kastanien, zum Teil in ganzen Wäldern, in den tiefern Teilen des Tessin Feigen, Orangen, Granaten und Mandelbäume. 2) In der Bergregion (bis 1200 m), welche die Hochthäler und Plateaus des Juras, die Bergrücken und Kuppen der Hochebene und die mittlern Stufen der Alpenthäler umfaßt, überwiegt der Nadelwald. Obstbäume und Roggen verschwinden allmählich, Hafer, Gerste und Kartoffeln finden sich noch, die Bergweiden nehmen überhand. 3) Zu der untern Alpenregion (bis 1800 m) gehören die höchsten Kämme des Juras, die Voralpen und die großen Hochthäler der Alpen. Hier herrscht der Nadelwald und verliert sich der Bergahorn; vom Feldbau sind nur Spuren vorhanden. 4) Die obere Alpenregion (bis 2600 m) besitzt nur in Graubünden und Wallis noch Waldbestände, sonst Alpweiden. Fast das einzige Holzgewächs ist die Alpenrose; von Tieren kommen vor der Alpenhase, die Gemse, der Steinadler, Lämmergeier sowie einige Reptilien. 5) In der Schneeregion oberhalb der Schneegrenze (über 2600 m) beschränkt sich die Vegetation auf Steinbrech, Enzian, Krüppelweiden und einige blütenlose Pflanzen, Moose, Flechten und Schneealgen (roter Schnee). Aus der Alpenregion kommen noch hierher die Schneekrähe, das Schneehuhn, der Steinfink und das Murmeltier.

Bevölkerung. Die Wohnbevölkerung, d. h. diejenigen Personen, welche zur Zeit der Zählung ihren dauernden oder doch gewöhnlichen Aufenthalt in der S. hatten, betrug 1850: 2390116, 1860: 2510494, 1870: 2655001, 1880: 2831787, 1888: 2917754 (1417574 männl., 1500180 weibl.) E. Unter diesen waren 1782806 Ledige, 935632 Verheiratete, 187713 Verwitwete und 11603 Geschiedene. Dem Religionsbekenntnis nach waren 1716212 Protestanten, 1184164 Katholiken, 8069 Israeliten und 9309 andern Bekenntnisses oder ohne Bekenntnis. Im Kanton geboren waren 2394931, in einem andern Kanton 336806, im Ausland 186017; Bürger ihrer Wohngemeinde waren 1338595, Bürger einer andern Gemeinde des Kantons 909358, Bürger eines andern Kantons 440151, Ausländer 229650. Der Muttersprache nach waren 2082855 Deutsche (meist alamann. Mundart), 634855 Franzosen (frankoprovençal. Mundart), 155130 Italiener; 38357 sprachen romanisch und 6557 andere Sprachen. Das deutsche Sprachgebiet umfaßt die Mitte, den Norden und Osten der S.: die vier Waldstätte, Solothurn, Aargau, Basel, Zürich, Thurgau, Schaffhausen, St. Gallen, Appenzell, Glarus, fünf Sechstel von Bern, den östl. Grenzstrich von Freiburg, den Nordosten von Graubünden und mehrere Sprachinseln im roman. Gebiet. Zum franz. Sprachgebiet gehört der Westen: Neuenburg, Waadt, Genf, das Unterwallis, der größte Teil des Kantons Freiburg und des Berner Jura. Italienisch sind Tessin und die zum Pogebiet gehörenden Thäler Graubündens; das Romanische ist auf Graubünden beschränkt. Die Zahl der bewohnten Häuser betrug (1888) 400121, der Haushaltungen 637835. Die ortsanwesende (faktische) Bevölkerung betrug 1850: 2392740, 1860: 2507170, 1870: 2669147, 1880: 2846102, 1888: 2933334 (1426450 männl., 1506884 weibl.) E., d. i. eine Zunahme (1860-88) von 540594 Personen oder 22,6 Proz. und (1880-88) von 87232 Personen oder 3 Proz.

Die Bevölkerung ist in einzelnen Berghütten und Bauernhöfen, Weilern, Dörfern, Flecken, Städtchen und Städten sehr ungleich über das Land verteilt. Auf 1 qkm (Seen nicht mitgerechnet) treffen von der Wohnbevölkerung durchschnittlich 73, in Basel-Stadt