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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schweiz

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Schweiz (Münze, Maß und Gewicht. Kirchenwesen. Unterrichtswesen)

Das Post- und Telegraphenwesen steht unter der Leitung des Bundes. Die S. zerfällt in 11 Postkreise mit (1893) 1491 Postbureaus, 1795 Ablagen und 13 Agenturen im Auslande. Die Länge der Kursstrecken betrug 5678 km, der beförderten Reisenden 817 570. Der Postverkehr war 1893 (Anzahl in 1000 Stück, Wert in 1000 Frs.):

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Verkehr Briefe Postkarten Drucksachen u. Warenproben Fahrpostsendungen Anzahl Wert bez. Betrag Geldanweisungen Zahl Wert Nachnahmesendungen Anzahl Betrag Einzugsmandate Anzahl Betrag

Innerer 73329 14766 28723 12082 1499494 3676 398750 4593 29807 413 45580

Äußerer 30148 7934 18516 2790 163434 738 35403 214 4197 85 3624

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Hierzu kommen noch 82865 Zeitungen im innern Verkehr. 1875 trat die S. der internationalen Postunion bei, deren Centralbureau wie das des internationalen Telegraphenwesens sich in Bern befindet. Die Zahl der Telegraphenbureaus betrug (1893) in sieben Telegraphenkreisen 1501, die Länge der Staatstelegraphenlinien 7271 km mit 19740 km Leitungen; befördert wurden 3838323 Depeschen, darunter 1263459 internationale, 519511 Transit- und 137984 Dienstdepeschen. Das Fernsprechwesen ist außerordentlich entwickelt; 1893 bestanden 6773 km Linien mit 33266 km Leitungen, 16929 Stationen und 14675 Abonnenten.

Die Zahl der dem Touristenverkehr dienenden Gasthöfe, Pensionen u. s. w. betrug (Anfang 1894) 1383 mit 79265 Betten, einer Gesamteinnahme von 98,138, einer Gesamtausgabe von 64,542 und einem Überschuß von 33,596 Mill. Frs., gleich 6,8 Proz. des im Hotelwesen angelegten Kapitals. Am lebhaftesten ist der Fremdenverkehr am Vierwaldstätter See (Luzern), im Berner Oberland (Interlaken), am Genfer See (Montreux) und in einigen Hochthälern von Wallis und Graubünden (Zermatt, Davos, Engadin).

Münze, Maß und Gewicht. Um dem frühern Wirrwarr verschiedener kantonaler und ausländischer Münzsysteme ein Ende zu machen, führte die S. 1850 den franz. Münzfuß ein, und 1865 trat sie der Lateinischen Münzkonvention bei. Eigene Goldmünzen (20-Frankenstücke) werden erst seit 1883 geprägt. Staatspapiergeld giebt es nicht, dagegen Banknoten der konzessionierten Emissionsbanken (s. oben). Ein einheitliches, auf dem metrischen beruhendes Maß- und Gewichtssystem wurde 1851 eingeführt und 1877 durch das eigentliche Metersystem ersetzt.

Kirchenwesen. Die Verfassung der reform. Kirche, ebenso wie Wahlakt und Besoldungsverhältnisse der Geistlichen sind in den einzelnen Kantonen verschieden. Die röm. Katholiken stehen unter den Bischöfen von Sion (Sitten), Lausanne und Genf, Basel und Lugano, Chur und St. Gallen sowie dem apostolischen Administrator in Lugano. Der Bischof von Lausanne und Genf residiert in Freiburg; derjenige von Basel und Lugano in Solothurn. Die fünf Bistümer stehen unmittelbar unter dem Papst und gehören keinem Erzbistum an. Die Stelle eines päpstl. Geschäftsträgers, der in Luzern residierte und teilweise erzbischöfl. Rechte besaß, besteht seit 1873 nicht mehr. Die alt- oder christl.-kath. Kirche, für welche 1874 an der Universität Bern eine besondere theol. Fakultät gestiftet wurde, hat 1876 durch ihren Synodalrat einen Nationalbischof erwählt, der in Bern residiert. Die Zahl der Klöster, die schon bei der Reformation und seither mehrmals durch Säkularisation bedeutend verringert wurde, betrug 1871: 88, darunter 33 Mönchsklöster mit 546 Konventualen und 45 Nonnenklöster mit 2020 Konventualen. Die bekanntesten sind die Benediktinerabteien Einsiedeln, Engelberg und Disentis, das Augustinerstift von St. Maurice sowie die Hospize auf dem Großen St. Bernhard (Augustiner) und auf dem Simplon. Durch die Bundesverfassung von 1874 ist die Gründung neuer Klöster untersagt.

Unterrichtswesen. Obwohl schon seit 1460 in Basel eine Hochschule und namentlich seit der Reformation verschiedene Gelehrtenschulen bestanden, wurde doch in den meisten Kantonen bis in das 19. Jahrh. von Staats wegen für das Schulwesen und besonders für die Volksschule wenig gethan, und die Bemühungen der Salis von Marschlins, Planta von Reichenau, Fellenberg von Hofwyl und namentlich des berühmten Pädagogen Pestalozzi blieben lange Zeit vereinzelte Erscheinungen. Nach den Staatsumwälzungen aber, welche unter dem Eindruck der franz. Julirevolution in manchen Kantonen von 1830 bis 1833 stattfanden, nahm das Unterrichtswesen in den sog. regenerierten, meist prot. und paritätischen Kantonen des Landes einen raschen Aufschwung.

Die Entwicklung des Schulwesens ist nicht nach einheitlichen, von einer Centralbehörde überwachten Gesichtspunkten geregelt, doch sind die Kantone verpflichtet, für genügenden Primärunterricht zu sorgen, der ausschließlich unter staatlicher Leitung stehen, obligatorisch und in den öffentlichen Schulen unentgeltlich sein soll. Dazu kommen die durch die Ortslage bedingten Verhältnisse, welche die Errichtung von Schulhäusern erschweren; mußten doch 1881/82: 17132 Schüler einen Schulweg von mehr als 3, 3325 sogar einen solchen von über 5 km zurücklegen. Im Hochgebirge ruht zudem im Sommer meist der Schulunterricht, und es kommt vor, daß Lehrer wie Schüler mit dem Vieh zur Alp ziehen oder aus dem Fremdenverkehr als Fremdenführer u. s. w. Nutzen ziehen. Ein Bild über die Leistungen der einzelnen Kantone geben die alljährlich stattfindenden Rekrutenprüfungen; 1893 ergaben dieselben (nach der Häufigkeit der guten Leistungen dargestellt) folgende Rangordnung der Kantone: 1) Basel-Stadt, 2) Thurgau, 3) Schaffhausen, 4) Genf, 5) Neuenburg, 6) Zürich, 7) Obwalden, 8) Glarus, 9) Waadt, 10) St. Gallen, 11) Zug, 12) Luzern und Graubünden, 13) Freiburg und Appenzell-Außerrhoden, 14) Aargau, 15) Bern und Solothurn, 16) Schwyz, 17) Nidwalden, 18) Basel-Land, Wallis und Tessin, 19) Appenzell-Innerrhoden, 20) Uri. Im allgemeinen stehen im Schulwesen die Kantone mit vorherrschender Landwirtschaft hinter denen mit Industrie, die Gebirgsgegenden hinter den Ländern des Juras und der Hochebene zurück.

Von den 1893 eingestellten Rekruten (25949) haben 5073 eine höhere als die Primärschule besucht. Der Schulunterricht beginnt im allgemeinen