Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

743
Schwellen - Schwenkguß
S. beim Fachwcrk s. d.; über die S. beim Schwcllrost
s. Grundbau' über die S. beim Eisenbahnbau s. d.
(Bd. 5, S. 834d fg.). Md. 11, S. 13a).
Schwellen, Operation der Lcdersabrikation (s. d.,
Schwellkörper, kavernöse oderschwamm-
förmige Körper, (^orpoi-a c^vei-no^, in der Ana-
tomie Gewebe, die einen wcitmaschigcnZcllcnbau (wie
der Badeschwamm) zeigen und zugleich auf eine io
eigentümliche Art von zahlreichen Bllltgcfäßcn durch-
webt sind, daß sie rasch eine Menge Blut aufnehmen
und in sich zurückhalten und dadurck steif werden
können (sich erigieren, daher ercktilc Gewebe). Die
bekanntesten sind die den Penis, die Harnröhre und
Eichel bildeudcn beim männlichen Geschlecht. Ähn-
liche finden sich beim weiblichen Geschleckt im Innern
neben der Mutterschcide und in der Klitoris sowie
in den Brustwarzen. (S. Erektion.) Auck bei Vögeln
kommen S. vor: hicrbcr gehören die Kämme und
Lappen auf Kopf und Hals mancher Hübnervögel.
Schwellungswerke, Schwcllwerke, s. Holz-
transyortwesen (Bd. 0, S. 323 a).
Schwelm. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Arns-
berg, hat 156,77 <ikm und (1890) 54 635 (27 817
männl., 26 818 weidl.) E., 2 Städte und 13 Land-
gemeinden. - 2) Kreisstadt im Kreis S., an den
Linien Schwerte-Gladbach und
Düsseldorf-Dortmund (Station
'5^^^!5^^ S.-Loh) der Preuß. Staatsbah-
^^.^^^ nen,mitBarmen durch elektrische
! ^ ^Ill Straßeubahn (im Bau) verbun-
den, Sitz des Landratsamtes,
eines Amtsgerichts (Landgericht
Hagen), Steuer-, Katastcramtes
und einer Reichsbanknebenstelle,
hat(1890) 13534 (6755männl.,
6779 wcibl.) E., darunter 2417 Katholiken und
51 Israeliten, Postamt erster Klasse, Telegraph,
Fernsprccheinrichtung, Nealprogymnasium, höhere
Mädchenschule, städtisches und tath. Krankenhaus,
Siechenhaus, Kanalisation, Gaswerk: Eisengieße-
reien,Drahtziehereien, Emaillicrwerk,Vernickelungs-
anstalt, Fabrikation von Holzschrauben, ^Naickinen,
Schlössern, eisernen Fässern, Pinseln, Klavieren,
Leinenwaren, Damast, Band und Litzen. In der Nabe
der Sckwclmer Brunnen, früherHeilquelle, jetzt Alls-
flugsort mit Kaltwasserheilanstalt. - Vgl. Tobicn,
Bilder aus der Geschichte von S. (Schwclm 1890>.
Schwemmbäche, s. Bach. ^S. 85 d".
Schwemmkanalifation,f.Kanalisatio^i(Bd.i0,
Schwemmsteine, s. Stcinmasse. j^^. 323 aj.
Schwemmteiche, s. Holztransportwesen (Bd. 9,
Schwendener, Simon, Botaniker, geb. 10.Fcbr.
1829 zu Buchs im Schweizer Kanton St. Gallen,
studierte in Genf und Zürich, wurde 1857 Assistent
Nägelis in München, 1867 ord. Professor der Bota-
nik in Basel, 1877 in Tübingen und 1878 in Berlin.
S. bat die botan. Litteratur durch eine Reihe epoche-
machender Werke bereichert. In seinen " Unter-
suchungen übcrdenFlcchtenthallus" (in Nägelis "Bei-
trägen zur wissenschaftlichen Botanik", Heft 2-4,
Lpz. 1860-68) und "Die Algcntypen der Flechtcn-
gonidcn" (Bas. 1869) führte er den Nachweis, daß
die Lichcncn als eine Vereinigung von Algen und
Pilzen zu betrachten seien. In Verbindung mit
Nägeli gab er 1867 heraus: "Das Mikroskop, Tbcoric
und Anwendung desselben" (2. Aufl., Lpz. 1877).
Fcrucr sind zu erwähnen: "Das mechan. Vnncip im
anatom.Vail derÄtonokotylen" (Lpz. 1874) und "Die
mechan. Theorie der Blattstellungen" (ebd. 1878).
Von zahlreichen kleinern Schriften, die meist in den
Veröffentlichungen der königl. prcuß. Akademie der
Wissenschaften zu Berlin, deren Mitglied S. seit
1879 ist, erschienen, sind hervorzuheben: "Über
Bau und Mechanik der Spaltöffnungen" (1881),
"über das Winden der Pflanzen" (1881), "über
Schcitelwachstum der Phanerogamenwurzeln"
(1832), "Die Sckutzschciden und ibre Verstärkungen"
(1882), "Zur Theorie der Mattstellungen" (1883),
"Untersuchungen über das Saftsteigen" (1886),
"über Qucllung und Doppelbrechung vegetabilischer
Membranen" (1887).
Schweninger, Ernst, Mediziner, geb. 15. Juni
1350 zu ?<reistadt in der ^berpfalz, studierte seit
1866 zu Müncken Medizin; 1870 wurde er Assistent
von Buhl und blieb in dieser Stellung bis 1879,
nachdem er sich 1875 als Docent für pathol. Ana-
tomie an der Universität zu München habilitiert
batte. Erst 1879 trat er mehr in die ärztliche prak-
tisckc Tbätigkeit ein und wurde zunächst bekannt
durck die erfolgreiche Behandlung des Grafen Wil-
bclmBismarck, den er von einer hartnäckigen fchmerz-
baftcn Gicht befreite. Der ungewöhnliche Erfolg
dieser Kur war die Veranlassung, daß sich auch der
Reichskanzler sn'irst Vismarck seiner Behandlung
anvertraute. S. wurde 1884 zum Professor an der
Berliner Universität, zum außerordentlichen Mit-
glied des kaii'erl. Gesundheitsamtes sowie zum
Direktor der Abteilung für Hautkrankheiten an der
Ebarite ernannt. 1895 erhielt er den Titel Geh.
Mcdizinalrat. Ein Teil seiner Abhandlungen
pathol.-anatom., diagnostischen und therapeutischen
Iubalts ist u. d. T. "Gesammelte Arbeiten" (Bd. 1,
Berl. 1886) erschienen, ein anderer Teil befindet sich
in verschiedenen mediz. Zeitschriften und in der
"Bibliothek der gesamten mcdiz. Wissenschaften"
(Wien und Teschen 1893 fg.). Über die von ihm
angegebene Entfettungskur s. Fettsucht.
Schwenken, s. Drehen und Schwenkung.
Schwenkfeldianer, eine Sekte, die nach ihrem
Begründer Kaspar Schwenkfeld (Schwcnkfeldt)
den Namen crbielt. Schwenkfeld, geb. 1490, aus dem
altadligen Gefcklccht von Ossig, war zur Zeit der Re-
formation Rat Friedrichs II., Herzogs von Liegnitz.
Von mystischen Ideen berührt, suchte er die reforma-
torischcn Gedanken, denen er sich angeschlossen, in
schwärmerischcrWcisc auszubilden. Er verlangteAuf-
ricktung einer Kirchengemeinfchaft, in der nur wahr-
baft "Heilige" Zutritt fänden, verachtete alles äußere
Schrift- und Kirchentum und berief sich auf die un-
mittelbare innere Erleuchtung der Seele, auf das
Meuschwerden Christi in uns, als die einzigeNorm des
Glaubens und Lebens. Seine Lehren sprach er aus
in dem "Bekanndtnus und Rechenschaft von den
Hauptpunkten des christl. Glaubens" (1547). Schon
1528 verbannt, wanderte er unter Verfolgungen in
Schwaben und am Rhein umher. Nach seinem in
Ulm 10. Dez. 1561 erfolgten Tode bildeten sich zu-
erst in Schlesien besondere Gemeinden, die seinen
Ansicktcn folgten und strengere Kirchenzucht unter
sich einführten. Sie fanden 1733 eine Zuflucht in
Nordamerika, wo sie noch jetzt geschlossene Gemein-
! den mit eigenen Geistlichen und Vethäusern bilden
! und (1890) eine neue Ausgabe von Schwenkfclos
! Schriften veranstalteten, die zuerst 1564fg. erschienen
! waren. - Vgl. Kadelbach, Ausführliche Gefchichte
Kaspar von ^chwcukfclds u.s. w. (Lauban 1861).
Schwenkguß, Stürz guß, ein Gießverfahren
zur Herstellung hohler Gegenstände ohne Anwen-