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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schyn - Schynse
Ncgierungsrat (7 Mitglieder, deren Präsident den
Titel Landammann jührt) vollziehende Bcbördc.
Beider Mitglieder werden auf vier Jahre gewählt.
Das Referendum ist sür Gesetze und Finanzdckrctc,
welche eine einmalige außerordentliche Ausgabe über
50000 Frs. erfordern, obligatorisch' zur Initiative
sind 2000 stimmfähige Bürger erforderlich. Jede
Gemeinde hat ein Vermittleramt, jeder Bezirk ein
Bezirksgericht; höchste Instanz ist das Kantons-
gericht, dessen neun Mitglieder aus sechs Jahre ge-
wählt werden. Die Staatsausgaben betrugen (1890)
413 000, die Einnahmen 412 000, die Staatsschul-
den 2,^64 Mill., das Vermögen 351000 Frs. Vor
der Reformation dem Bistum Konstanz zugebörig,
steht nun der Kanton, welcher noch sieben Klöster
zählt, unter dem Bischof von Chur. Für den Unter-
richt sorgen 56 Primärschulen mit (1891) 7256
Schulkindern, 5 Kleinkinderschulen, 11 Sekundär-
schulen mit 9305 Schülern und Schülerinnen, 2
Mittelschulen mit Anschluß an das akademische Stu-
dium (Lyceen und Gymnasien zu S. und Einsiedeln),
1 Realschule (in S.), 1 Lehrerbildungsanstalt (in
Schwyz-Rickenbach) und 6 Fortbildungsschulen. Bei
den Rekrutenprüfungen (1892) hatten von 100 Re-
kruten 14 die beste Note in mehr als zwei Fächern,
27 die schlechteste Note in mehr als einem Jach. In
militär. Beziehung gehört die nördl. Hälfte des Kan-
tons (Einsiedcln, Höfe, March) zum Stammbezirk
der 6., die südliche (Gcrsau, Küßnacht, S.) zu dem
der 8. Division. Das Wappen hat im roten Felde
ein kleines weißes Kreuz.
2) Bezirk im Kanton S. (s. Tabelle S. 762d).
- 3) Flecken und Hauptort des Kantons und Be-
zirks S., in 514 m Höhe, am Fuß und Abhang des
Großen Mythen (1903 m) und des Kleinen Mythen
(1815 m), an der Gotthardbahn (Station S.-See-
wen), hat (1888) 6663 E., darunter 76 Evangelische,
Post, Telegraph, Fcrnsprccheinrichtung, schöne Pfarr-
kirche (1769-74), zwei Klöster, sehenswertes Rat-
haus mit Bildnissen von 43 Landammannern von
1534 an, alten Dcckenschnitzercien und schönen Fres-
ken aus der schweiz. Geschichte an der Außenseite,
1891 von F. Wagner in München hergestellt, alte
Herrenhäuser, Zeughaus, Gymnasium, Realschule,
Lehrerbildungsanstalt, Krankenhaus; Baumwollin-
dustrie, große Zicgcleieu, Obstbau, Viebzucht (Braun-
vieh) und Vichmärkte mit Viehausstellungen. -
Vgl. Marty und Waser, ^. und seine Umgebung
in Wort und Bild (Einsicdcln 1891).
Geschichte des Kantons und des Fleckens.
Die Schwyzer sind alamann. Stammes. Seit dem
frühesten Mittelalter bestand in S. eine Gemeinde
von freien Bauern unter der landgräst. Gewalt der
Habsburger: sie stritt 1114, 1144 und 1217 mit
dem Kloster Einsiedeln um die Landmart. Kaifer
Friedrich II. gewährte 1240 den Schwyzern Reichs-
freiheit, die jedoch von den Habsburgern nicht an-
erkannt wurde. Eine daraus folgende Erhebung
gegen Habsburg (1245-50) mißlang und führte
S. unter deren Herrfchaft zurück. 1291 fchlossen die
Schwyzer mit Uri und Unterwalden den Ewigen
Bund, der 1315 nach der Schlacht am Morgarten
zu Brunnen erneuert wurde. Seitdem nahm S. an der
Entwicklung der schweiz. Eidgenossenschaft und na-
mentlich an deren Kriegen, besonders dem "alten
Zürichkricge" 1436-50 (s. Schweiz, S. 731 a), so her-
vorragenden Anteil, daß fein Name auf die ganze
Eidgenossenschaft übertragen wurde. Die Refor-
mation fand in S. wenig Boden, der Protestantis-
mus wurde mit Gewalt erdrückt. In den Reli-
gionskriegen von 1531, 1656 und 1712 standen
die Schwyzer in den vordersten Reihen der Ka-
tholiken. Beim Einbruch der Franzosen 1798 ver-
teidigte sich ^). unter Aloys Reding tapfer, mußte
aber, durch Nbermackt gezwungen, die Helvetifche
Konstitution annehmen, welche die Unterthanen-
länder frei machte und sein Gebiet den Kantonen
Waldstätten und Linth zuwies. Durch die Media-
tionsakte 1803 erhielt S. das Verlorene zum Teil
zurück und erwarb die kleine Republik Gersau (s. d.).
Dock wurde die Untcrthanenschaft aufgehoben und
die Abhängigkeit der sog. äußern Bezirke von Alt-
oder Iungschwyz nicht wiederhergestellt. Indes
wußte S. seit 1815 thatsächlich die Vorherrschaft
wieder an sich zu bringen. Zur Zeit der Verfaffungs-
bewcgungcn nach der Iulirevolution erhoben sich die
äußern Bezirke und sagten sich 1832 von Inner-
schwyz los. Der Versuch der Altschwyzer, die ab-
getrennten Landesteile durch Waffengewalt wieder
zu unterwerfen (Juli 1833), scheiterte durch eid-
genössische Intervention (Aug. 1833), und 13. Okt.
dieses Jahres nahm die Landsgemeinde eine neue
Verfassung an, die unter Beseitigung der Vorrechte
des Bezirks S. beide Landesteilc wieder vereinigte.
1838 kam es zu einem förmlichen Kampfe zwifchen
der über Bewirtschaftung der Allmenden streitenden
"Hornpartci" (Konservativen) und den "Klauen-
männern", in dem erstere siegte. Seitdem hielt sich
S. entschieden zu den konservativ-ultramontanen
Kantonen und war 1845 eins der eifrigsten Glieder
des Sondcrbundes. Erst die Verfassung von 1848
brachte durch Beseitigung der gemeinsamen Lands-
gemeinde von Inner- und Außerschwyz und Einfüh-
rung der repräsentativen Demokratie den äußern
Bezirken die thatsächliche Gleichstellung mit Inner-
schwyz. Bei den Abstimmungen von 1872 und
1874 über die Revision der Bundesverfassung stand
S. beidemal auf der ^eite der Verwerfenden. Durch
die Verfassung von 1876 wurde mit der Einführung
des obligatorischen Referendums und der Initiative
die reine Demokratie hergestellt.
Litteratur. Faßbind, Geschichte des Kantons
S. (5 Bde., Schwyz 1832-38); Meyer von Knonau,
Der Kanton S. (St. Gallen 1835); Dettling,
Schweizer Chronik oder Denkwürdigkeiten des Kan-
tons S. (Sckwyz 1860); Steinauer, Geschichte des
Freistaates S. von 1798 bis zur Gegenwart (2 Bde.,
Einsiedeln 1861).
Schyn, die unterste Thalstufe der Albula (s. d.),
zwischen den Plessur- und den Oberhalbsteiner Alpen
im schweiz. Kanton Graubünden. Die 14,5 km lange
Schynstrahe zweigt bei Thusis von der Splü-
genstraße östlich ab, überschreitet den Hinterrhein,
tritt unweit Sils in die zwischen Schieferwänden
eingeschnittene Spalte des S., dessen schwierigste
stelle der Paßmal, mehrere Tunnel, bedeutende
Felssprengungen und gemauerte Gallerien not-
wendig machte, gelangt über die kühne Solisbrücke
auf die rechte Seite der Schlucht und mündet unweit
Tiefenkasten in die Iulierstraße.
Schynige Platte-Vahn, schmalspurige Zahn-
radbahn im Bern er Oberland (7,2 kin lang, 14. Juni
1893 eröffnet), zweigt von der Station Wilderswyl
der Berner Obcrlandbahnen ab und geht über Breit-
lauinen auf die Schynige Platte (1970 iu).
Tchynse, August Wilhelm, kath. Missionar und
Afrikareisendcr, geb. 21. Juni 1857 in Wallhausen
bei Kreuznach, studierte in Bonn Theologie, besuchte