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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Secco - Seckendorf

lich von Modena wird er schiffbar; sein Unterlauf ist mit dem Po di Volano durch Kanal verbunden.

Secco (ital.), trocken; in der Musik s. Recitativ.

Seccomalerei, Malerei al secco, im Gegensatz zur Freskomalerei die Wandmalerei auf trocknem Grund.

Seceders (engl., spr. ßißih-, "Abweichende"), die Anhänger einer von der schott. Staatskirche abgesonderten Kirchengemeinschaft, die auch Vereinigte presbyterianische Kirche heißt. Die 1712 erfolgte Wiederherstellung des Patronatsrechts veranlaßte 1732 mehrere presbyterianische Prediger, an deren Spitze Erskine stand, zur Absage an die Staatskirche. Mit ihren Gemeinden, die die freie Pfarrwahl wollten, bildeten sie eine neue Synodalgemeinschaft, die sich 1742 in die Burghers und Antiburghers trennte und zwar wegen der Frage, ob man mit gutem Gewissen den Bürgereid leisten könne, der das Bekenntnis zur Religion der Staatskirche enthielt. 1820 vereinigten sich die beiden Parteien wieder. Sie bilden etwa 600 Gemeinden.

Secentismus, s. Marini.

Secernieren (lat.), absondern.

Secessĭo (lat.), Secession, Absonderung, besonders der Auszug der Plebs aus Rom. Die erste S. (S. in mentem sacrum, «auf den heil. Berg» fand angeblich 449 v. Chr. statt, die zweite auf den Aventinus 449 v. Chr.; im ganzen zählte man vier. (S. Rom und Römisches Reich, Bd. 13, S. 950.) In der amerik. Geschichte nennt man Secession den Akt der Lossagung der Südstaatcn von der Union, die sich 1861 als Konföderierte Staaten von Amerika konstituierten. Diese Secession führte zum Bürgerkriege (1861-65), der mit der Niederlage der Konföderierten (Secessionisten) und der Wiederherstellung des Bundesstaates endete. (S. Vereinigte Staaten von Amerika.)

Secession, s. Secessio.

Secessionisten, Nebenbezeichnung der «Liberalen Vereinigung», einer parlamentarischen Gruppe des Deutschen Reichstags, die sich 30. Aug. 1880 von der Nationalliberalen Partei (s. d.) abzweigte, weil die Mehrheit der letztern der Bismarckschen Wirtschaftspolitik keinen entschiedenen Widerstand leisten wollte. Die S. gewannen bei den Reichstagswahlen von 1881 46 Mandate und vereinigten sich 5. März 1884 mit der Fortschrittspartei zu der Deutschen freisinnigen Partei (s. d.). (S. auch Secessio.)

Sechellen, Inseln, s. Seychellen.

Séchelles, Hérault de, s. Hérault de Séchelles.

Sechmet, ägypt. Göttin, s. Ägypten (Bd. 1, S. 242a).

Sechsbätzner, Münze, s. Batzen.

Sechseck, Heragon, ein Polygon mit sechs Ecken. Sind alle Seiten des S. gleich lang und zugleich alle Winkel von gleicher Größe, so heißt die Figur ein reguläres S. In einem solchen ist jeder Winkel gleich 120°, die Seite ist gleich dem Halbmesser des umgeschriebenen Kreises.

Sechsender, s. Geweih (Bd. 7, S. 972 b).

Sechser, im norddeutschen Thalergebiete früher das ½-Silbergroschen- oder 6-Pfennigstück, welches den 60. Teil des Thalers darstellte. (S. Dreier und Sechsling.) Im süddeutschen Guldengebiet und in Österreich nannte man S. das 6-Kreuzerstück von l/10 Gulden = 17 1/7 bez. 21 1/20 Pf. Reichswährung.

Sechsfüßer (Hexapoda), s. Insekten.

Sechshaus, westl. Vorort von Wien, zu dessen XIV. Bezirk (Rudolfsheim) er seit 1890 gehört, reicht im S. bis an das linke Ufer der Wien und ist im N. ^[Spaltenwechsel] durch die nach Schönbrunn führende Hauptstraße von den Vororten Fünfhaus und Nudolfsheim geschieden.

Sechsling, frühere norddeutsche Silberscheidemünze, das Doppelte des Dreilings (s. d.) oder die Hälfte des Schillings.

Sechsstädte, die Städte Vautzen, Kamenz, Löbau, Zittau, Görlitz und Lauban, die 1346 ein Trutzbündnis gegen die Raubritter schlossen und auf den Landtagen der Oberlausitz als ein geschlossener Stand dem Adel (mit den Prälaten) gegenübertraten. Sie kamen 1635 mit der Oberlausitz an Sachsen. 1815 fielen Görlitz und Lauban an Preußen; die übrigen behaupteten unter dem Namen Vierstädte ihre alte Gemeinsamkeit auf dem Bautzener Landtage.

Sechsundsechzig, Kartenspiel, das zwischen zwei Personen mit 24 Karten (As bis zur Neun) gespielt wird. Jeder erhält 6 Blätter; der Rest wird verdeckt auf den Tisch gelegt, bis auf eine Karte, die Trumpf bildet. Nach jedem Stich nehmen die Spielenden eine neue Karte, bis diese zu Ende sind; doch kann auch vorher «gedeckt» werden, d. h. derjenige, welcher aus seiner Karte die Wahrscheinlichkeit des Gewinnens berechnen kann, hat das Recht, durch Umlegen der Trumpfkarte dem Weiternehmen ein Ende zu machen. Die Stiche werden nach dem Werte der Figuren gezählt; wer zuerst 66 hat, ist der Gewinner. König und Dame derselben Farbe gleichzeitig in einer Hand (Mariage) zählen, wenn man eine davon ausspielt, 20, in der Trumpffarbe 40. Hat der Verlierende unter 33, so ist er Schneider und zahlt doppelt; hat er gar keinen Stich, zahlt er dreifach. Bedient braucht nur bei den letzten 6 Stichen zu werden und ebenso, sobald gedeckt ist. Das Spiel kann auch von 4 Personen gespielt werden, von denen die sich gegenübersitzenden als Partner zusammenspielen; es werden dann sämtliche Karten ausgegeben, die unterste ist Trumpf.

Sechter, Simon, Musiktheoretiker, geb. 11. Okt. 1788 zu Friedberg in Böhmen, gest. 10. Sept. 1867 in Wien, wo er seit 1811 Musiklehrer, später auch Hoforganist war. Er schrieb: «Die Grundsätze der musikalischen Komposition» (3 Bde., Lpz. 1853-54).

Secieren (lat.), mit dem Messer zergliedern, anatomisch zerlegen, öffnen (Leichen, s. d., Bd. 11, S. 46 a, und Obduktion).

Seckenburger Kanal, Alter und Neuer, s. Friedrichsgraben und Tabelle I zur Karte: Die Schiffahrtsstraßen des Deutschen Reiches, beim Artikel Schiffahrtskanäle.

Seckendorf, Veit Ludw. von, Staatsmann und Geschichtschreiber, geb. 20. Dez. 1626 zu Herzogenaurach, studierte in Straßburg Rechtswissenschaft und Geschichte. Im Dienste des vortrefflichen Herzogs Ernst des Frommen von Gotha stieg er bis zu dem höchsten Amte eines Wirkl. Geheimrats und Kanzlers auf und nahm an fast allen wichtigen Reformen des Herzogs im Staats-, Kirchen- und Schulwesen hervorragenden Anteil. Durch ihn wurden unter anderm die langen Streitigkeiten über das Hennebergische Erbe geschlichtet: ebenso brachte er die Zerwürfnisse zwischen dem Kurfürsten von Mainz und der Stadt Erfurt zu vorläufigem Abschluß. 1664 trat S. als Kanzler in Sachsen-Zeitzsche Dienste über; 1682 zog er sich auf sein Gut Meuselwitz im Altenburgischen zurück, um dort ganz seinen schriftstellerischen Arbeiten zu leben, wurde aber 1692 als Kanzler an die neugegründete Universität Halle berufen, wo er bereits 18. Dez. desselben Jahres starb. S. war ein bedeutender Nationalökonom und der