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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Seeversicherungsbedingungen - Seewarte
jedoch in solchem Falle frei, seinerseits den Beweis
des Gegenteils zu erbringen. Über das Recht des
Versicherten, unter Umständen die Prämie vorbe-
haltlich eines dem Versicherer gebührenden Abzugs
(Ristorno)' zurückfordern zu dürfen, 1'. Ristorno.
Zu beachten ist übrigens, daß an die stelle der Be-
stimmungen des Handelsgesetzbuchs über die S. in
Teutschland praktisch die sog. Secversichcrungsbe-
dingungen (s. d.) getreten sind, weil sich thatsächlich
die Parteien denselben bei allen Seeversicherungs-
verträgen vertragsmäßig unterwerfen. Wie Deutsch-
land, so besitzen auch die meisten andern civilisicrtcn
Staaten ein in mehr oder weniger eingehender
Weise kodifiziertes Ecevcrsicherungsrecht. Die S.
wird übrigens nicht nur von Versicherungsgesell-
schaften, sondern vielfach, namentlich in England,
von einzelnen .Handelshäusern, sog. Privatassc-
kuradcuren, übernommen. Easeovcrsichcrungen auf
Gegenseitigkeit erfolgen dort durch sog. Klubs und
in den deutschen Küstengewässern durch besondere
Vereine (s. Kompakt), deren Satzungen sür die Rechts-
vcrhältnisse der Versicherung maßgebend sind. <S.
auch Havcrei.) - Vgl. Lcwis, Das Deutsche Sec-
reckt (2 Bde., 2. Aufl., Lvz. 1883-84): dcrf., Lehr-
buch des Versicherungsrechts (Stuttg.1889); Voigt,
Das Teutsche Se'evcrsichcrungsrecht (Jena 1887);
Arnould, '1'Q6 Ilnv ok MÜI-W6 w3U1'HUC6 (6. Aufl.,
Lond. 1887): Weil, 1)03 HLLurauoeZ in^ritim03 6t
ä68 Hva.rio8 (Par. 1879).
Seeversicherungsbedingungen. Ehe das
deutsche Sceversicherungsrecht im Deutschen Han-
delsgesetzbuch kodifiziert worden war, legten die
Assekuradeure des deutschen Nordens und zum Teil
auch Skandinaviens (mit Ausnahme jedoch von
Bremen) allen von ihnen abgeschlossenen Seever-
sicherungsverträgen die Bestimmungen des auf Ver-
anlassung der hamburgischen Kommcrzdeputation
von Sachverständigen ausgearbeiteten, auf der
Grundlage der hamburgischen Assekuranz- und Ha-
verei-Ordnung von 1731 fußenden, 1852 revidierten
"Allgemeinen Planes hamburgifchcr Seeversiche-
rungen vom I. 1847" zu Grunde. Bremen hatte
eigene, dem "Plane" in Form und Inhalt verwandte
Bedingungen ausgearbeitet und in praktischer An-
wendung. Der Erlaß des Deutschen Handelsgesetz-
buchs gab Veranlassung zu einer Revision und Um-
arbeitung des Allgemeinen Planes, welche auf Er-
suchen der hamburgischcn Kommerzdcputation der
spätere Reichsobcrbandclsgerichtsrat Dr. I. Fr.
Voigt übernahm. Das Resultat war, daß dessen
schließlich vorgelegter Entwurf unter dem Titel "All-
gemeine S. von 1867" von allen Asfekuradcuren
fämtlichcr norddeutscher Seeplätze mit Ausnahme
wiederum Bremens angenommen wurde und vom
1. Jan. 1868 an zu praktischer Wirksamkeit gelangte.
Die Allgemeinen S. von 1867 schließen sich in
ibrem System und Inhalt vollständig den seever-
sicherungsrechtlichen Bestimmungen des Handels-
gesetzbuchs an, enthalten jedoch im einzelnen man-
cherlei Abweichungen und vielfache Zusätze. Im
Laufe der Jahre haben die Bedingungen nachträg-
liche Abänderungen und Zusätze erfahren. Die
neueste Ausgabe ist die als 4. Auflage 1888 in
Hamburg erschienene. Die Bremer Bedingungen
sind 1875 revidiert und unter der Bezeichnung
"Versicherungsbedingungcn der bremischen Sccver-
sicherungsgesellschaften, revidiert 1875" in Bremen
herausgegeben. Thatsächlich werden alle in Dcutsch-
land geschlossenen Seeversicherungsverträge ent-
weder auf Grund der Allgemeinen S. von 1867 ab-
geschlossen (und das ist die erheblich überwiegende
Mehrzahl) oder aber (nämlich nur die in Bremen
abgeschlossenen Verträge) auf Grund der Ver-
sicherungsbedingungcn der bremischen ^eeversiche-
rungsgesellschaften, so daß die seeversicherungsrecht-
lichen Bestimmungen des Deutschen Handelsgesetz-
buchs sich thatsächlich außerhalb unmittelbarer An-
wendbarkeit befinden. Einen Kommentar zu den All-
gemeinen ^. von 1867 giebt das Buch von Voigt,
Das deutfcke Sceversichcrungsrecht (Jena 1887).
Seewache, soviel wie Schiffswache (s. d.).
Seewalzen, s. Holothurien.
Scewarte, Deutsche, eine Anstalt, welche die
Aufgabe hat, die nautischen Wissenschaften, die
! Kenntnis der Naturverhältnissc des Meers, so-
! weit diese für die Schisfahrt von Intereffe sind, so-
z wie die Kenntnis der Witterungscrscheinungcn an
> den deutschen Küsten zu fördern und zur Sicherung
und Erleichterung der Schiffahrt zu verwerten. Sie
wurde als "Norddeutsche S." von W. von Frceden
(s. d.) als Privatinstitut 1868 gegründet und bis
1874 geleitet, durch Rcichsgcsctz vom 9. Jan. 1875
aber in eine Reichsochörde verwandelt, ihr Ge-
schäftskreis bedeutend erweitert und ihre Einrichtung
und Verwaltung durch Verordnung vom 26. Dez.
1875 (abgeändert durch Verordnung vom 4. Febr.
1895) geregelt. Die S. ist dem Neichsmarineamt
unterstellt und wird aus dem Marincetat unter-
balten. Jährliches Budget rund 250000 M. Der
Sitz dieses Reichsinstituts ist Hamburg, sein erster
Tirettor der Wirkl. Geh. Admiralitätsrat G. New
maner (s. d.). Als Direktionsmitglied ist seit 1892
der Kapitän zur See z. D. Chüoen ernannt, dem
mehrere Abteilungen unterstellt sind; er soll außer-
dem die Interessen der Kriegsmarine fördern und den
Direltor in dessen Abwesenheit vertreten. Die S. hat
vier Abtcilnngen; der ersten liegt die Bearbeitung
der Aufgaben der maritimen Meteorologie ob. Sie
hat die Instrumente zu Meteorolog. Beobachtungen
und die Journale, nebst Instruktion zu deren Füh-
rung, an die Kapitäne der deutschen Handelsmarine
zu geben, sodann hat sie die gemachten Beobachtun-
gen einzufordern und die für die Schiffahrt wichtigen
Refultate daraus abzuleiten, die in der Bearbeitung
von Segelhandbüchern über alle Meere der Erde
gipfeln. Vorsteher ist der Kapitän Dinklage. Die
zweite Abteilung hat sich mit der Weiterentwicklung
der theoretischen Nautik und mit der Untersuchung
der in der praktischen Nautik verwendeten Instru-
mente, als: Sertanten, Kompasse, Logapparate, Ba-
rometer, Thermometer, Aräometer sowie der Nacht-
und Nebelsignalapparate der Schisse u. s. w. zu be-
fassen. Auch liegt ihr die Bearbeitung der Frage
der Abweichung (Deviation) der Kompasse an Bord
eiserner Schisse ob sowie die Ausführung magneti-
scher Beobachtungen an den deutschen Küsten zur
Anfertigung magnctifcher Karten. Vorsteher ist der
Admiralitä'tsrat Koldewey ls.d.). Die dritte Abtei-
lung befaßt sich mit der ausübenden Wittcrungs-
kunde sür das Gebiet des Deutschen Reichs, insbe-
sondere der deutschen Küste; sie ist die Ecntralstelle
für die Wittenmgsmittcilung.cn und Sturmwarnun-
gen. Hier werden alle telegraphischen Wittcrungs-
bcrichte von Europa gesammelt und von hier gehen
solche Berichte wieder aus an die Zwcigorgane der S.
an der Küste, an die Tagespresse und die Schwester-
institute in Europa. Vorsteher ist der Professor van
Bebber. Die vierte Abteilung ist der Prüfung der