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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Seitenpolmaschine - Sejanus
den Kiemendeckeln und am Kopf. Früher hielt man
alle diese Gebilde für Schleim produzierende Appa-
rate und nannte sie Schleimkanäle. Leydig wies
nach, daß es nervöse Endapparate sind, in die ein
besonderer vom Mittelhirn kommender Nerv, der
Seiten nerv Mervug latorHÜZ) endigt und zwar
in Gestalt knopfförmiger Anschwellungen, deren zur
Oberhaut gehörender Überzug im Innern kurze birn-
sörimgeZeUcn bergen, in deren jede von unten her ein
Nervenfäserchen tritt und die nach ausien ein feines
Haar tragen. Dieser Bau spricht dafür, daß man es
bei den Seitenorganen mit besondern Sinnesorga-
nen zu thun haben, über deren Funktion man sick
freilich keine richtige Vorstellung machen kann.
(S. Fische, Bd. 6, S. 828 d, und Tafel: Körper-
bedeckung der Tiere II, Fig. 1, 2, 3.)
Die Zahl der die S. bildenden Schuppen giebt
einen systematisch ausgenutzten Charakter ab, so
sagt man (mit einer Abkürzung) z. V. bei der Be-
schreibung des Barsches: 60-68 Schuppen, d. h.
dieser Fisch hat am Numpf eine Linie von 60 bis
68 durchbohrten Schuppen.
Während die Fische eineS. haben, finden sich bei
den betreffenden Amphibien drei, eine mittlere, die
der der Fifche entspricht, eine obere neben der Wirbel-
säule und eine weitere an den Seiten des Bauches.
Da die Amphibien keine Schuppen haben, liegen die
nervösen Endzellen unmittelbar in Hautgrübchen,
wie es auch bei schuppenlosen Fischen der Fall ist.
Seitenpolmaschine, s. Flachring.
Seitenriß, s. Projektion (Bd. 13, S,457d).
Seitenfprung, in der Statistik, s. ^cart.
Seitenstechen, Seiten st ich (rikuroävnia,
^wuralFia), stechende Schmerzen in der Nippen-
gegend, meist auf einer Seite, ein Symptom, das
von schv verschiedenen Zuständen abhängen kann:
so z. V. von Nervenkrankheit (Neuralgie, Spinal-
irritation), von Erkrankung oder Verletzung der Mus-
keln und Sehnen (z. B. nach großer Anstrengung
oder von Rheumatismen), von Rippenbrüchen, aber
auck von Entzündung des Brustfells und von Er-
trankung der Lunge selbst, wenigstens ihres serösen
Überzugs (Lungenfells). Die Bedeutung und Be-
handlung dieses Zufalls ist demnach sehr verschieden.
Bisweilen beruht das S. auch auf einer vorübergehen-
den Mutüberfüllung der Milz. (S. Milzstecken^)
Seitenstrangsklerose, eigentümliche Nücken-
markskrankhcit, f. Lähmung (Bd. 10, S. 896 a).
Seitentrum, s. Erzlagerstätten (Bd. 6, S. 339 d).
Seitenverwandte, diejenigen Verwandten,
welche, ohne daß einer von dem andern abstammt,
von demselben Dritten abstammen (s. Verwandt-
schaft). Man unterscheidet vollbürtige oder halb-
bürtige S., je nachdem die Verwandten von dem-
selben Elternpaare abstammen oder nur einen
gemeinschaftlichen Stammvater oder eine gemein-
schaftliche Stammmutter haben. Über das gesetz-
liche Erbrecht der S. s. Gesetzliche Erbfolge.
Seitlinge, drehkranke Schafe, s. Drehkrankheit.
Seitrohrkesfel, s.Dampfkessel (Bd. 4, S. 724 d).
Seitwärtsabschneiden, eine geodätische Me-
thode, s. Abschneiden.
Seitz, Anton, Genremaler, geb. 23. Jan. 1829
zu Roth am Sand bei Nürnberg, besuchte die Kunst-
schule daselbst und begab sich 1850 zu dem Maler
Gisbcn Flüggen nach München. Er begann seit
1860 auf Ausstellungen mit seinen Werken hervor-
zutreten, erzielte besondere Erfolge aber erst seit
1863, wo er anfing, eine feine Klein- und Detail-
malerei zu kultivieren. Er malt meist Interieurs,
mit sorgfältiger Behandlung des Kostüms und in
einem warmen, oft von Helldunkel beherrschten
Kolorit. Von seinen Bildern, die meist in das Aus-
land gelangt sind, sind hervorzuheben: Der Geiz-
bals (1800), Der Bettelmusikant und seine Tochter,
Würfelspieler in einer Winkelkneipe (1862), Kegel-
bahn im Gebirge (1866), Dilettantenquartett, Fah-
rendes Volk (Neue Pinakothek in München), Kapu-
zinermönch im Bauernhause (1883; Museum in
Leipzig), Politische Erklärung (1891). S. ist Pro-
fessor und Ehrenmitglied der Münchener Akademie.
Seja (?^a), Dsjeja ooer Dseja, linker Neben-
fluß des Amur im russ.-sibir. Amurgebiet, entspringt
auf dem Stanowojgebirge und mündet nach 1159,
sckiffbar auf 690 km, bei Vlagowjeschtschensk.
Sejänus, Lucius Mus, Günstling des röm.
Kaisers Tiberius, war der Sohn des Ritters Sejus
Strabo aus der etrur. Stadt Volsinii, aber von
einem Älius (vermutlich dem unter Augustus als
Präfekt 'Ägyptens bekannten Gajus Alius Gallus)
adoptiert. Der Vater war schon unter Augustus Be-
fehlsbaber der Prätorianer. S. selbst befand sich im
Gefolge des jungen kaiserl. (schon 4 n. Chr. verstor-
benen) Prinzen Gajus Cäsar. Als Tiberius 14
n. Chr.denThron bestieg, übertrug erS. neben dessen
Vater das Kommando der Garde, und als Sejus
Strabo einige Jahre später Statthalter in Ägypten
wurde, erbielt S. das Kommando allein. In dieser
Stellung bestimmte er den Kaiser zu einer Maßregel,
die für die spätern Kaiser sehr verhängnisvoll wurde,
indem er der bessern Disciplin der Soldaten und
der bessern Sicherung des Kaisers halber nicht bloß
die gesamte Garde, die unter Augustus zum Teil
ausierbalb Noms auf einzelne Plätze verteilt war,
in Nom zusammenzog, sondern auch 23 n. Chr. für
diese Truppe am Viminalifchen Thore ein stark ver-
schanztes Lager errichtete. Seine Pflichttreue, Ener-
gie und Arbeitskraft erwarben ihm die Gunst und das
Vertrauen des Kaisers im höchsten Grade. Damit
erwachte aber in ibm die Herrschsucht, und nun räumte
er alles aus dem Wege, was ihm entgegenstand; sein
Streben ging nach dem Kaisertum. Den Kronprinzen
Drusus, der ihn schwer beleidigt hatte, beseitigte er
mit Hilfe von dessen ihm in ehebrecherischer Liebe
ergebenen eigenen Gemahlin, der Prinzessin Livia
(oder Livilla), 23 durch Gift; schlau trieb er die Ver-
hältnisse zwischen Tiberius und dessen Nichte Agrip-
pina (Witwe des Prinzen Germaniens) und ihren
Söhnen zum Bruch und veranlaßte dadurch die völ-
lige Ungnade und bald darauf den Tod dieser An-
gehörigen des Kaisers (mit alleiniger Ausnahme
des nachmaligen Kaisers Gajus Caligula). Als es
ibm dann gelungen war, den Tiberius zu bestimmen,
26 Nom für immer zu verlassen und seinen dauern-
den Aufenthalt auf der Insel Capri zu nehmen,
konnte S. als der Stellvertreter des Kaisers und als
künftiger Mitregent wenigstens des Nachfolgers
des Trberius angeschen werden. Doch begann 31
der Kaiser den Günstling zu durchschauen und
ihm seine Gunst zu entziehen. Und während S. sich
zu einem großen Schlage gegen Tiberius rüstete,
wußte ihn der Kaiser durch diplomat. Lift zu um-
spinnen und zu besiegen. S. ließ sich so überrum-
peln , daß er 18. Okt. 31 durch Tiberius' Agenten
im Senat zu Nom verhaftet werden konnte. Der
Senat ließ ihn sofort hinrichten. - Vgl. Iülg, Vita
pi-Hetoi-io (Innsbr. 1882).