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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Selbstzahler – Selen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Selbstverwaltung'

von Löning und G. Meyer, für Bayern das Staatsrecht von Max Seydel, ferner die monographischen Darstellungen des Verwaltungsrechts in Marquardsens «Handbuch des öffentlichen Rechts», Bd. 1–4 (Freib. i. Br. 1883 fg.).

Selbstzahler, s. Selbstschuldner.

Selbstzünder, soviel wie Pyrophor (s. d.).

Selbstzündungen, Zündungen, die Knallquecksilber oder ein Gemisch von chlorsaurem Kali und andern, Sauerstoff leicht aufnehmenden Verbindungen, z. B. Zucker, gelbes Blutlaugensalz u.s.w., als Bestandteile enthalten, und infolge dessen durch Schlag, Stich, Erschütterungen explodieren.

Selby, Stadt in der engl. Grafschaft York im West-Riding, rechts an der hier schiffbaren Ouse, Station der Linien Doncaster-York, Leeds-Hull und S.-Market-Weighton der North-Easternbahn, hat (1891) 6022 E., eine 1873 teilweise wiederhergestellte Abteikirche aus der Zeit Wilhelms I. in normann.-got. Stil; Eisengießerei und Schiffbau.

Selchwaren, in Süddeutschland soviel wie Geräucherte Fleischwaren.

Sel d'or (frz.), Goldsalz (s. d.) .

Seldschuken, türkisches, von Seldschuk, Sohn des Dekak, abstammendes Herrschergeschlecht aus der Bucharei, das im 11. und 12. Jahrh. mehrere Dynastien in Mesopotamien, Persien, Syrien und Kleinasien stiftete, nämlich:

1) Die iranische oder bagdadische Dynastie, die zu Bagdad und Ispahan herrschte. Sie war die mächtigste, und aus ihr gingen die berühmtesten seldschukischen Fürsten hervor. Ihr Stifter war der kriegerische Fürst Togril-Beg, der Enkel des Seldschuk, der zuerst im Dienste des Fürsten der Kirgisen stand, dann mit seinen Anhängern nach Buchara auswanderte, sich zum Islam bekehrte und mehrere Stämme seines Volks dem Islam zuführte. Togril-Beg eroberte Chorassan und das nördl. Persien, kämpfte mit Erfolg gegen die Byzantiner in Armenien, fiel in Irak ein, besetzte Bagdad, machte der Herrschaft der Bujiden ein Ende, erhielt vom Chalifen den Titel «König des Ostens und des Westens» und starb 1063 in einem Alter von 70 J. Von seinen Nachfolgern sind zu erwähnen: Alp-Arslan, 1063–72, der den griech. Kaiser Romanos IV. Diogenes bekriegte und gefangen nahm; Melik-Schah, 1072–92, der den um die wissenschaftlichen Studien hochverdienten Minister Nizâm al-mulk (s. d.) in seinem Dienste hatte; Barkijarok, 1092–1104, der fortwährend gegen Verwandte zu kämpfen hatte; Mohammed-Schah, 1105–18, dessen Feldherr Maudud gegen die Kreuzfahrer glückliche Kriege führte, und Sindschar, 1118–57. Die Dynastie endete mit Togril-Schah 1194, den der charismische Sultan Tekesch überwältigte.

2) Die kermanische Dynastie, die in der pers. Provinz Kerman herrschte und von geringerm Einflusse war, gestiftet durch Togril-Begs Neffen Kawerd, dem Togril-Beg 1039 die Verwaltung von Kerman übergab, bestand bis 1091.

3) Die syrische Dynastie, die mit der Unterwerfung von Haleb 1071 und von Damaskus 1075 durch Tutusch, einen Bruder Melik-Schahs, begann. Nach Tutuschs Tode (1095) fiel Syrien in die Gewalt seiner Söhne Dekak und Ridhwan, deren Nachkommen sich bis gegen die Mitte des 12. Jahrh. in einzelnen syr. Städten behaupteten.

4) Die ikonische oder kleinasiatische Dynastie, die zu Iconium oder Konia (s. d.) in Kleinasien ↔ ihren Sitz aufschlug. Sie wurde gegründet durch Suleiman ben-Kutulmisch, einen Urenkel Seldschuks, dem der Sultan Melik-Schah 1075 ein Gebiet in Kleinasien einräumte, und erhielt sich am längsten, bis in den Anfang des 14. Jahrh. Auf den Trümmern dieses Reichs entstanden 10 Emirate, von denen das der Osmanen die größte Bedeutung erlangte. - Vgl. Mirchond, Geschichte der S. (aus dem Persischen von Bullers, Gieß. 1838).

Sele, im Altertum Silarus, Fluß in der ital. Provinz Salerno, nimmt links den Tanagro und Calore auf und mündet in den Golf von Salerno.

Selekta (lat., «auserwählte», zu ergänzen: Klasse), an manchen höhern Lehranstalten eine besondere Klasse, in die die ausgezeichnetsten Schüler der obersten Klasse gesetzt werden.

Selektionstheorie, s. Darwinismus und Zuchtwahl.

Selen (chem. Zeichen Se; Atomgewicht 79), ein von Berzelius 1817 entdecktes Element, das in seinen chem. Eigenschaften dem Schwefel und Tellur sehr nahe steht. Das S. ist bis jetzt nur selten als Selenblei, Selenquecksilber, Selensilber, Selensilberblei, häufiger in geringen Mengen in natürlichen Sulfiden, z.B. in vielen Schwefelkiesen, gefunden worden, von denen aus es bei ihrer Verwendung zur Darstellung von engl. Schwefelsäure in den Schlamm der Bleikammern gelangt. Seinen Namen (vom grch. selēnē, der Mond) hat es erhalten, um seine Zugehörigkeit zu dem schon früher entdeckten Tellur (von tellus, die Erde), mit dem es eine große Ähnlichkeit hat, anzudeuten. Das S. tritt in mehrern allotropen Modifikationen auf. Das gewöhnliche S. ist ein amorpher, dunkelbrauner, glasglänzender Körper, der muscheligen Bruch hat, bei 100° erweicht und bei etwa 200° schmilzt. Durch Reduktion einer Lösung von seleniger Säure mit Hilfe von Schwefeldioxyd erhält man es als roten flockigen Niederschlag. Sein spec. Gewicht ist 4,28. In dieser Form ist das S. in Schwefelkohlenstoff löslich. Erwärmt man es auf 97°, so steigert sich seine Temperatur plötzlich auf 220°, und es verwandelt sich das S. in die metallische krystallinische, die Elektricität leitende Modifikation von 4,5 spec. Gewicht und 217° Schmelzpunkt. In dieser Form ist es in Schwefelkohlenstoff unlöslich. In einer dritten Modifikation erhält man es, wenn man das amorphe S. aus seiner Schwefelkohlenstofflösung krystallisieren läßt; in einer vierten, schwarzen, krystallinischen mit Schwefel isomorphen und unlöslichen, wenn man es aus einer Lösung von Selenkalium durch Oxydation an der Luft abscheiden läßt. In letzterer besitzt es das spec. Gewicht 4,8. Der Siedepunkt liegt bei 700°. Von großem Interesse ist es, daß das elektrische Leitungsvermögen des krystallisierten S. durch Wärme und Belichtung stark beeinflußt wird, worauf seine Benutzung zu photometrischen Zwecken beruht. Amorphes S. leitet die Elektricität nicht. Das S. verbrennt an der Luft mit blauer Flamme unter Verbreitung eines höchst widrigen Geruchs nach faulem Rettich. In konzentrierter Schwefelsäure löst sich das S. mit grüner Farbe. Bezüglich seiner chem. Verbindungen zeigt das S. große Ähnlichkeit mit dem Schwefel; dem Schwefelwasserstoff entspricht der Selenwasserstoff, der schwefligen Säure die selenige Säure, der Schwefelsäure die Selensäure, den Sulfobasen, Sulfosäuren und Sulfosalzen die analog zusammengesetzten Selenobasen, Selenosäuren und Selenosalze.