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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Selenblei - Seleuciden

Selenblei, Claustbalit, ein reguläres bleigraues mildes Erz; deutliche Krystalle finden sich nicht, wohl aber klein- und feinkörnige Aggregate, deren Individuen hexaedrisch spalten. Chemisch ist es PbSe, wobei ein Teil des Bleis durch Silber vertreten werden kann. Man kennt das S. von Orten des Harzes (Tilkerode, Zorge, Lerbach, Clausthal), auch von Mendoza in Argentinien.

Selene, auch Mene, Phoibe, lat. Luna genannt, der griech. Name für den weiblich aufgefaßten Mond und gleichzeitig für die Mondgöttin. Man dachte sich S. als eine fackeltragende, auf einem Wagen fahrende, durch große, schöne, alles sehende Augen, überhaupt durch Schönheit des Antlitzes ausgezeichnete Göttin, welche auf dem Haupte entweder eine Strahlenkrone oder eine Mondsichel (Stierhörner) trägt. Letztere erscheint anf Bildwerken auch nicht selten hinter den Schultern der Göttin. Wenn S. auf einem Wagen fährt, so ziehen diesen entweder Stiere oder Rosse, auch wird sie nicht selten auf einem Stier, oder Roß, oder Maultier reitend dargestellt. Gleich ihrem Bruder Helios (s. d.) taucht sie bei ihrem Aufgange aus dem Okeanos auf und sinkt in denselben hinab, oder verbirgt sich in einer Höhle. S. ist Spenderin des namentlich in mondhellen Nächten fallenden Taues, sodann eine Göttin der Menstruation und Entbindung (vgl. Juno und Hera), da beides nach allgemeiner Vorstellung des Altertums dem Wirken des Mondes zugeschrieben wurde; sie hat großen Einfluß auf das Wachsen und Gedeihen von Pflanzen sowie auf die Gesundheit und Krankheit von Menschen und Tieren; insbesondere faßte man die Epilepsie als eine verderbliche Wirkung der S. auf. Endlich ist S. auch eine Göttin der Liebe, namentlich des in stillen Mondnächten geübten Liebeszaubers und überhaupt der Magie geworden, ebenso wie die ihr nahe verwandte Hekate (s. d.). S. galt nach der gewöhnlichen Sage als Tochter des Hyperion und der Theia (oder Euryphaessa) und als Schwester des Helios und der Eos, seltener als Tochter des Helios oder des Pallas. Als ihr Ehegatte gilt der Sonnengott, oder Zeus, oder Endymion (s. d.). - Vgl. Röscher S. und Verwandtes (Lpz. 1890; Nachträge 1895).

Selengá (spr. ße-), Fluß in Ostasien, entspringt auf dem Changaigebirge und mit seinem linken Zufluß Eke-gol auch im See Kossogol und tritt, nachdem er sich noch anf chines. Gebiet mit dem Orchon vereinigt hat, bereits als großer und schiffbarer Fluß in das russ.-sibir. Gebiet Transbaikalien, wo er nach einem nördl., zuletzt östl. Lauf von 1205 km (329 auf russ. Gebiet) in vielen Armen in den südl. Teil des Baikalsees mündet. Hauptnebenflüsse sind: Tschikoj, Chilok, Dschida, Uda.

Selenitmörtel, soviel wie Gipsmörtel (s. Mörtel).

Selenka, Emil, Zoolog, geb. 27. Febr. 1842 in Braunschweig, studierte 1863-66 in Gottingen Naturwissenschaften und wurde im Sept. 1868 ord. Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie in Leiden, im April 1874 in Erlangen. Von seinen Schriften sind die über Entwicklungsgeschichte, namentlich der Echinodermen und Wirbeltiere, hervorzuheben.

Selenkupfer, Berzelin, ein sehr seltenes Erz von Skrikerum in Smaland (Schweden) und Lerbach am Harz, das nur dünne dendritische Anflüge auf Klüften von Kalkspat bildet, weich und geschmeidig, silberweiß, aber bald schwarz anlaufend. Chemisch ist es Cu2Se.

Selenodónten, s. Anoplotherium.

Selenographie (grch.), Mondbeschreibung, Darstellung der Physik. Verhältnisse des Mondes.

Selensilber, ein schwarzes, stark glänzendes Erz von Tilkerode am Harz, derb und in dünnen Platten von körniger Zusammensetzung vorkommend; die Körner zeigen hexaedrische Spaltbarkeit, ausgebildete Krystalle haben sich nicht gefunden. Chemisch ist es Ag2Se.

Seleucia, Name mehrerer fast ohne Ausnahme von Seleucus I. (s. d.) Nikator gegründeter Städte in Asien. Die wichtigste, eine der größten Städte des Altertums, war S. am Tigris, 45 km südlich von Bagdad. Seleucus gründete die Stadt in der Form eines die Flügel ausbreitenden Adlers; das Baumaterial wurde zum Teil dem verlassenen Babylon entnommen. Durch ihre Lage am Tigris, der hier mit dem Euphrat durch einen Kanal verbunden war, erhob sich S. rasch zu einer ungeahnten Größe; es soll in der Blütezeit 600000 E. gezählt baben; gegenüber lag Ktesiphon (s. d.). Seit 140 v. Chr. im Besitz der Parther, wurde die Stadt bei dem Feldzuge Trajans geplündert und 162 durch Lucius Verus zerstört. Obgleich fast ganz verödet, ward sie noch später der Mittelpunkt des christl. Glaubens in Mesopotamien. - Ferner gab es unter anderm ein S. in Syrien, auch Pieria genannt, nördlich von der Mündung des Orontes, unweit des heutigen Sueidieh, eine starke Festung mit gutem Hafen, ein S. am Taurus in Pisidien, und ein anderes in Cilicien, auch Seleucia-Trachea genannt, heute Selevkeh.

Seleuciden, die nach ihrem Ahnherrn, Seleucus I. (s. d.) Nikator, benannte Herrscherfamilie des Syrischen Reichs, das unter derselben 248 Jahre (312-64) bestand. Der große fast das ganze asiat. Reich Alexanders umfassende Länderbesitz, den Seleucus I. bei seinem Tode 281 hinterlassen hatte, wurde schon unter seinem Sohne und Nachfolger Antiochus I. (s. d.) Soter (281-261), namentlich aber unter Antiochus II. Theos (261-246) verringert, da sich die Parther 256 losrissen und sich auch im fernen Osten unabhängige Königreiche bildeten, namentlich das baktrische und das indische. (S. die Karte: Diadochenreiche, Bd. 5, S. 240). Die Bruderkriege zwischen Seleucus II. Callinicus (246-226) und Antiochus Hierax sowie die kurze Regierung Seleucus' III. Ceraunus (226-222) hätten das Reich bald ins Verderben gebracht, wenn nicht die zum Teil erfolgreiche Wirksamkeit Antiochus' III. (s. d.) d. Gr. (222-187) dem syr. Einfluß neue Kraft verliehen hätte. Seleucus IV. Philopator (187-175), der Usurpator Heliodor 174, vor allem die Unternehmungen Antiochus' IV. (s. d.) Epiphanes (175-164) brachten eine Periode der Zerrüttung bervor, die gleich nach dem Tode des jungen Antiochus V. Eupator (164-162) ihren Anfang nahm. Von nun an begann während 40 Jahre ein Kampf zwischen den Kronprätendenten Demetrius I. Soter (162-150), Alexander Valas (152-145), Demetrius II. Nikator (145-139), Antiochus VI. Dionysos Epiphanes (145-142), Tryphon oder Diodotus (142-138), Antiochus VII. Sidetes (138-129), nochmals Demetrius II. (130-125), dem dann für kurze Zeit Alexander II. Zebinas (128-123) und Demetrius' Sohn Eeleucus V. (126-125) folgten. Von hier ab beherrschte niemals wieder ein Seleucide allein Syrien. Antiockus VIII. Grypus (125-96) teilte die Herrschaft mit Antiochus IX. Cyzicenus (116-95). Auf ihn folgten seine