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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Semper; Semper aliquid haeret; Semper idem; Semper Idem; Semperfreie; Semperhöfe

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Semper (Karl) - Semper idem

S. als Abschluß der noch unverbundenen Hauptanlagen des Zwingers errichtete. Die Möglichkeit eigener Vollendung dieses Monumentalwerkes verscherzte sich S. durch seine Beteiligung an dem Maiaufstande 1849. Er wendete sich zunächst nach Paris, dann nach England, wo er 1851 eine Stelle bei der Akademie zu Marlboroughhouse erhielt. Sein Rat war wesentlich mitbestimmend bei der seit 1851 in England beginnenden Reform des kunstgewerblichen Unterrichts und besonders bei der Anlage des South-Kensington-Museums. Damals entstand seine Schrift «Über die vier Elemente der Baukunst» (Braunschw. 1851) und verschiedene andere kunstgewerbliche Abhandlungen, die ihre systematische Weiterführung in dem epochemachenden Buche «Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten» (2 Bde., Münch. 1860‒63; 2. Aufl. 1878-79) erhielten. 1855 folgte er dem Ruf an das neuerrichtete Polytechnikum in Zürich, um nun den großartig schlichten Bau für diese Anstalt, zugleich aber auch die Leitung des Baufaches an der Schule in die Hand zu nehmen (1859‒64). Gleichzeitig entstand die Sternwarte in Zürich, das Stadthaus zu Winterthur (1805‒66), der Bahnhof zu Zürich und in monumentalem Sinne gehaltene Privathäuser, sowie die Entwürfe für ein großartiges Theater für Rio de Janeiro. Der große Plan der Errichtung eines zunächst für Richard Wagners Operndramen bestimmten Theaters in München zerschlug sich zwar, doch wurde S. bald danach die Gelegenheit geboten, an Stelle seines 21. Sept. 1869 abgebrannten Theaters in Dresden ein neues und größeres zu bauen, das 1877 zum Abschluß kam. 1869 wurde S. zuerst als Juror, später als Leiter der Bauten der k. k. Hofmuseen, der Hofburg und des Hofburgtheaters nach Wien berufen, wohin er 1871 übersiedelte. Hier hat S. zunächst in den Museen, welche durch Hasenauer nach teilweise verändertem Plane gebaut wurden (s. Tafel: Museen Ⅰ, Fig. 4), seine Gestaltungskraft in neuer Frische bewährt. (Vgl. Die k. k. Hofmuseen in Wien und Gottfried S. Drei Denkschriften G. S.s, hg. von seinen Söhnen, Innsbr. 1892.) Die letzten Jahre seines Lebens verlebte er in Italien und starb 15. Mai 1879 in Rom. Sein Bronzestandbild (von Schilling) wurde 1. Sept. 1892 auf der Brühlschen Terrasse in Dresden enthüllt.

Von S.s Schriften sind noch zu erwähnen: «Über die formelle Gesetzmäßigkeit des Schmucks und dessen Bedeutung als Kunstsymbol» (Zür. 1856), «Wissenschaft, Industrie und Kunst» (Braunschw. 1852), «Über die bleiernen Schleudergeschosse der Alten» (Frankf. 1859). Alle Einzelschriften S.s finden sich zusammengestellt in der von seinen Söhnen Manfred und Hans S. herausgegebenen Sammlung «Kleine Schriften» (Berl. 1884). – Vgl. Hans Semper, Gottfried S. Ein Bild seines Lebens und Wirkens (Berl. 1880); Lipsius, Gottfried S. in seiner Bedeutung als Architekt (ebd. 1880); Sommer, Gottfried S. (ebd. 1886).

Von seinen Söhnen wirkt der älteste, Manfred, geb. 3. Mai 1837 zu Dresden, als Architekt in Hamburg. Er baute nach den Plänen seines Vaters das neue Dresdener Theater und 1886‒88 gemeinsam mit Krutisch das Naturhistorische Museum zu Hamburg. – Hans S., geb. 6. Dez. 1845 zu Dresden, ist Professor der Kunstgeschichte in Innsbruck. Er schrieb: «Hervorragende Bildhauer-Architekten der Renaissance» (mit Wilh. Barth, Dresd. 1880), «Carpi, ein Fürstensitz der Renaissance» (mit F. O. Schulze und Wilh. Barth, ebd. 1882), «Donatellos Leben und Werke» (Innsbr. 1887), «Die Brixener Malerschulen des 15. und 16. Jahrh.» (ebd. 1892).

Semper, Karl, Zoolog und Reisender, Neffe von Gottfried S., geb. 6. Juli 1832 zu Altona, besuchte die Seekadettenschule zu Kiel und die Polytechnische Schule zu Hannover und bezog dann die Universität Würzburg, wo er Naturwissenschaften, speciell Zoologie studierte. Von 1859 bis 1861 bereiste er den größten Teil der Philippinen, 1862 die Palau-Inseln. 1863 ging er für einige Zeit nach der zur Gruppe der Visayas gehörenden Insel Bohol. Nachdem er 1864 von hier noch eine Reise nach Mindanao unternommen hatte, kehrte er 1865 nach Europa zurück, habilitierte sich 1866 an der Universität Würzburg als Docent für Zoologie und wurde 1868 zum außerord., 1869 zum ord. Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie daselbst ernannt. 1872 erhielt er das Direktorium des neugegründeten Zoologisch-zootomischen Institus. 1877 begab er sich nach den Vereinigten Staaten von Amerika, um in Boston eine Reihe wissenschaftlicher Vorträge zu halten, und bereiste dann Nordamerika bis zum Stillen Ocean. 1888 wurde unter seiner Leitung der Neubau eines Zoologisch-zootomischen Instituts begonnen und dasselbe 2. Nov. 1889 eröffnet. Er starb 30. Mai 1893 zu Würzburg. Von S.s größern Schriften sind zu nennen: «Entwicklungsgeschichte der Ampullaria polita Deshayes nebst Mitteilungen über die Entwicklungsgeschichte einiger andern Gastropoden aus den Tropen» (Utr. 1862), «Reisen im Archipel der Philippinen» (Tl. 2: «Wissenschaftliche Resultate», Bd. 1: «Holothurien», Lpz. 1868; Bd. 2: «Malakologische Untersuchungen», 18 Hefte und 4 Supplementhefte, Wiesb. 1870‒92; Bd. 3: «Landmollusken», Heft 1‒7, ebd. 1872‒85), «Die Philippinen und ihre Bewohner» (Würzb. 1869), «Die Palau-Inseln im Stillen Ocean» (Lpz. 1873), «Die natürlichen Existenzbedingungen der Tiere» (2 Bde., ebd. 1880), «Die Verwandtschaftsbeziehungen der gegliederten Tiere» (Würzb. 1875). Die unter seiner Leitung im Zoologisch-zootomischen Institut zu Würzburg angestellten Untersuchungen haben seit 1872 die Herausgabe eines wissenschaftlichen Journals: «Arbeiten aus dem Zoologisch-zootomischen Institut», möglich gemacht, von welchem bis 1891 9 Bände und vom 10. Bande das 1. Heft erschienen sind. – Vgl. Schuberg, Karl S. (Würzb. 1893).

Semper aliquid haeret (lat.), s. Audacter calumniare, semper aliquid haeret.

Semperfreie, eigentlich «sendbar Freie» (sentbere Vrimannen, Homines synodales), im Mittelalter die Vollfreien, die dem alten Grafengericht unterstanden und im Sendgericht des Bischofs erschienen. Nur der Adel war dem bischöfl. Gericht in der Diöcesansynode, das für ihn die Stelle der Sendgerichte der Archidiakone vertrat, unterstellt, daher erhielt sich für ihn die Bezeichnung S. Der Schwabenspiegel begreift unter S. nicht sämtliche Reichsunmittelbaren, sondern nur die Fürsten und freien Herren. Diese willkürliche Deutung erlangte allmählich das Übergewicht, so daß bis in neuere Zeit adlige Geschlechter, wie die Herren von Limburg und die Grafen Schaffgotsch, den Titel S. führten und damit ihre erbliche Reichsfreiheit hervorhoben. – Vgl. Ficker, Vom Heerschild (Innsbr. 1862).

Semperhöfe, s. Lecksucht.

Semper idem (lat., «immer derselbe»), Citat aus Cicero (Tusc. 3, 15, 31), wo von Xanthippe erzählt