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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Servola - Sessilität
Servöla, Ortschaft bei Trieft (s. d.). !
Servoz (spr. -woh), Ort im Thal der Arve (s. d.).
Servus (lat.), Knecht, Diener, auch Vegrüßungs-
form ("Ihr Diener"); 86rvu8 Lervörum äei, Knecht
der Knechte Gottes, Titel der röm. Päpste.
Sesam, Pflanzengattung, s. 368knnim.
Sefambeine oder Sesamknöchelchen (0883.
868Hui0iäoll.), erbsengroße Knöchclchen in den Eeh-
nen gewisser Gelenke (Daumen, große Zehe), die
deren Bewegung erleichtern. An der Hand finden
sich deren süns, am Fuß vier; auch die Kniescheibe
tann man als ein großes Sesambein auffassen.
Sefamkuchen, die Rückstände bei Bereitung des
Sesamöls. Sie enthalten durchschnittlich an ver-
daulichen Nährstoffen 33,5 Proz. Eiweiß, 13,2 Proz.
stickstofffreie Extraktstoffe, 2,3 Proz. Nobfaser und
11,5 Proz. Fett. Als Mast- und Milchfutter sind
sie zu empfehlen (größere Gaben sollen die Butter
weich machen), verlangen aber eine trockne Auf-
bewahrung, da sie leicht schimmeln.
Sesamöl, aus den Samen zweier Arten des Se-
sams (s. 868kmum) gewonnenes ^)l. Kalt gepreßtes S.
ist blaßgelblich, geruchlos und angenehm schmeckend.
Die mittels Wärme gewonnenen Nachpressungen
sehen dunkler aus. Das specifische Gewicht des S.
beträgt 0,922 bei 15" ().; es erstarrt erst bei - 5° 0.
und gehört zu den nicht trocknenden Ölen. Man
benutzt es zum Verschneiden des Olivenöls und als
direkten Ersatz desselben zu Speisezwccken und in
der Kosmetik: die geringern Sorten als Brennöl
und zur Eoifcnfabrikation. Haupthandelsplatz für
den europ. Markt ist Marseille, dessen jährliche Aus-
suhr gegen 2 Mill. kF (aus ind. und afrik. Samen ge-
preßt) betrügt. Im Großhandel kosten (1895) 100'kx
100 M. Der beim Verbrennen des S. gewonnene
Nuß soll in China zur Herstellung von Tusche dienen.
Die Prchrückstünde geben den Sesamkuchen (s. d.).
3s8Hinnm /v., Sesam, Pflanzengattung aus
der Familie der Vignoniaceen (s. d.) mit gegen
10 Arten, größtenteils im tropischen und südl. Afrika,
krautartige Gewächse mit meist wechselständigen,
ungeteilten Blättern und ansehnlichen weiß oder
rötlich gefärbten zweilippigen Blüten. Die Frucbt
ist eine längliche zweifächerige Kapsel und enthält
zahlreiche Samen. Die bekanntesten Arten sind der
orientalische (Kuntschut) und indische Se-
sam, 8. oriontalo ^v. und 8. inäicum />. (s. Tafel'
Lab i a tifl oren, Fig. 1), wohl nur Varietäten eincr
Art; als ihre Heimat wird gewöbnlich Ostindien
angegeben, doch sind sie wahrscheinlich schon vor
langer Zeit aus Afrika dorthin gebracht worden und
haben jetzt als Kulturpflanze eine ausgedehnte Ver-
breitung fast in allen wärmern Ländern. Schon im
Altertum wurden sie im südl. China, im Orient und
in Ägypten wegen ihrer stark (40-50 Proz.) öl-
haltigen (s. Sesamöl) Samen angebaut. Das sür
die Ausfuhr wichtigste Produktionsland ist Ostindien,
daneben kommen noch Palästina, wo der beste Se-
sam gewonnen wird, Siam, Sansibar und Mozam-
bique, Lagos und Senegambien sowie Vorderasicn
in Betracht. In China ist die Produktion zwar so
groß wie in Ostindien, doch ist der Selbstverbrauch so
dedeutend, daß nichts ausgeführt wird. Verhältnis-
mäßig noch stärker ist der Verbrauch in Vorderasien,
wo der Scfam mehr Brot- als Ölfrucht ist; er dient
hier besonders zur Vereitung der bekannten Fasten-
speise Chalba. Haupteinfuhrhafen für Europa ist
Marseille, wo auch die Auspressung der Samen er-
folgt. Trieft importiert fast nur aus den Mittel-
meerhäfen. Der Sesam kann überall in der tropi-
schen und subtropischen Zone gebaut werden, wo
drei Monate im Jahre eine von schroffen Wechseln
freie warme Temperatur herrscht. In Europa ist
eine erfolgreiche Kultur nur möglich auf Malta, in
Griechenland und am Marmarameer. Der Boden
soll möglichst kalkhaltig sein, wird vor der durch
Drillen zu bewerkstelligenden Aussaat fein pulveri-
siert und mit Kompost gedüngt, nachher geschleift.
Von den zahlreichen Spielarten soll die weiße indi-
sche das meiste, die schwarze indische aber das beste
Ol liefern. Wenn die Pflanzen abgestorben sind,
aber bevor die Kapseln ausspringen, werden die
Stengel hart über dem Boden abgeschnitten und in
kleinen Haufen zum Trocknen auf das Feld gelegt;
sobald die Kapseln dürr genug sind, wird gedroschen.
Da die Entwicklung des Sesams nur 3-4 Monate
dauert, wird zweimal im Jahre geerntet.
Seschellen, Inselgruppe, s. Seychellen.
Sesenheim (Sessen heim), Dorf im Kanton
Bischweiler, Kreis Hagenau des Bezirks Unterelsaß,
an der Linie Straßburg-Lauterburg der Elsaß-Lothr.
Eisenbahnen, hat (1890) 996 E., darunter 328 Ka-
tholiken, Postagentur, Telegraph und eine evang.
Kirche (15. Jahrh.). S. (758 Sehsinhaim) ist bekannt
durch dieVezichungenGoethes zu der Pfarrerstochter
Friederike Brion (s. d.). Der kleine Hügel "Friede-
rikensruhe" wurde neuerdings wieder hergerichtet.
- Vgl. G. A. Müller, S. wie es ist (Bühl 1894);
ders., Führer durch S. und Umgebung (Straßb. 1894).
gosia, Schmetterlinge, s. Glasschwärmer.
Sesm, im Altertum 368it68, linker Nebenfluß
des Po in der ital. Provinz Novara, entspringt am
Südostabhange des Monte-Rosa, tritt bei Ro-
magnano in die Tiefebene Piemonts, nimmt ober-
halb Vercelli rechts den ebenfalls von den Pcnnini-
fchen Alpen kommenden Cervo auf und mündet,
150 km lang, östlich von Casale. Ihn durchschneidet
der Cavourkanal. Wd. 1, S. 240a).
Sesonchis, Name ägypt. Könige, s. Ägypten
Sesostris oder Sesoosis, Name eines sagen-
haften ägypt. Königs, dem die griech. Schriftsteller
große Erobcrungszüge nach Asien und Europa,
die Unterwerfung Äthiopiens, die administrative
Einteilung Ägyptens u. a. m. zuschreiben. Bei
Manetho steht er an der Stelle Usertesms II. und
III., zweier Könige der 12. Dynastie, und möglicher-
weise liegt deren Name dem S. zu Grunde. Jeden-
falls sind aber dem S. auch Thaten anderer späterer
Könige (z. B. Ramses' II. aus der 19. Dynastie) zu-
geschrieben, und die weitere Ausführung dieser
Königsgestalt, des Repräsentanten aller ägypt.Groß-
thatcn, gebort nur der Sage an.
Sesquisilikäte, s. Schlacke.
Sessa Auruuca, Stadt im Kreis Gae.ta der ital.
Proviuz Caserta, auf einem vulkanischen südwestl.
Vorsprung der Nocca Monsina, ist Bischofssitz, hat
(1881) 5980, als Gemeinde 19920 E., eine 1103
begonnene, im 18. Jahrh, renovierte dreischisnge
Basilika. - S. A., im Altertum 8u688a ^urunca,
313 v. Chr. röm. Kolonie, baute schon zur Nömer-
zeit einen trefflichen Wein auf dem südlich von S. A.
sich hinziehenden Monte-Massico (Non8 NH88ieu8).
Von der antiken Stadt sind noch Neste vorhanden.
Sessel, s. Stuhl.
Sessenheim, Ort im Elsaß, s. Sesenheim.
Sessilität (spätlat.8688iM9,8), Seßhaftigkeit,
d. h. die Eigentümlichkeit, den größten Teil des
Lebens sest sitz end zu verbringen, findet sich bei sehr