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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sforzato - Shaftesbury (erster Graf von)
herzog über Mailand erlangte. 1-46-1 unterwarf sich
auch GenuaseinerOberherrschaft.-Vgl. Simonetta,
^ommkutNi-ii reruiu H I'. 3. ZLätarum (bei Mu-
ratori, "I^erum ItHlicarum 8cript0r68 XXI");
F. Steger, Geschickte F. S.s und der ital. Condot-
tieri (Lpz. 1853: neue Ausg. 1805); Tb. Sickel, Bei-
träge und Berichtigungen zur Geschichte der Er-
werbung Mailands durch F. S. (Wien 1855); dazu
^i-cinvio Ltorico italiano, 1862 u. 1878, sowie ^r-
cliivio 8t0i-ic0 lomdaräo, 1874,1880,1881 u. 1885;
Rubieri, ^ranc63c0 I. 3. ^arra^ions Lwricg.
(2 Bde., Flor. 1879).
Giangaleazzo(Maria)S., geb. 1468, Enkel
des vorigen, Eohn des 1476 ermordeten Galeazzo
Ataria S., war nur dem Namen nach Herzog von
Mailand seit 1476. Die Vormundschaft über ihn
entwand seiner Mutter Bona von Eavoyen sein
Oheim Lodovico il Moro (geb. 1451, gest. 17. Mai
1508), der, um sich auf dem widerrechtlich einge-
nommenen Platze zu behaupten, Rückhalt zu ge-
winnen suchte durch Bündnisse mit Alexander VI.,
Venedig und Kaiser Maximilian I., welckem er
seine Nickte Bianca S. zur Ehe gab. Er rief end-
lich Karl VIII. über die Alpen, um der steten Be-
drohung durch die Aragonier von Neapel, die An-
gehörigen der Frau seines Neffen, Isabclla, los zu
werden. Unmittelbar nach Karls VIII. Durchzug
durch Oberitalien starb Giangaleazzo, vielleicht an
Gift, und Moro brachte nun einen Bund gegen
Frankreich zu Wege. Ein Angriff König Lud-
wigs XII. von Frankreich zwang ihn 1499 zur
Flucht: beim Versuche, sein Land wiederzugewin-
nen, siel er 9. April 1500 in Ludwigs Hände, der
ihn nach Loches in der Touraine abführen lies; und
das Herzogtum Mailand mit der Krone von Frank-
reich vereinigte. Um Kunst und Wissenschaft hat
sich Moro verdient gemacht, namentlich auch durch
prächtige Bauten zu Mailand, Pavia und Vigevano.
- Vgl. Rusconi, 1^. il Noi-o 6 sua catwi-a (Novara
1878): da;u ^rcliivio 8toi'ico lomdaräo, 1874 u.
1886: A. Dina, 1^. il Noro prima äelia sua veiinta
ai ssoverno; E. Müntz, Hi^6 cour äe 1a r6nai38knc^
"n 15^ äiecls. I^uäovie 8. (in der "Hsvus äes I)6ux
5Ioiiä68", 1890): Kindt, Die Katastrophe L. Moros
im April 1500 (Greifsw. 1890).
Massimiliano, Sohn des Lodovico il Moro,
geb. 1491, gest. 1530, kehrte 1512 in sein Herzog-
tum zurück, überließ es jedoch an Franz I. von Frank-
reich nach dessen Sieg bei Marignano (1515) gegen
Bezahlung seiner Schulden und ein Jahrgehalt von
30000 Dukaten.
Dessen Bruder, Francesco II. Maria,
geb. 1492, gest. 24. Okt. 1535, entkam 1515 nach
Deutschland und gewann Mailand wieder nach dem
Siege Karls V. bei Bicocca (1522): er starb kinder-
los, worauf Karl V. Mailand zuerst als Statthalter-
schaft an Marino Caracciolo gab, dann 1540 als
erledigtes Neichslehn seinem Sohne Philipp II. zu-
wandte. (S. auch Pescara.)
Vgl. Litta, ^ami^ie celelli-i ä' Iwlia, Bd. 1
(Mail. 1819): Magenta, I Visconti 6 xli 8. nei
ca8t6ilo cli l'avi'H s2 Bde., ebd. 1883): Natti,v6il2.
tami^ia 8. (Rom 1794).
3lor2A.t<>, Lfoi-^anäo, auch foi-^ato, lor^ndo
(ital.), abgekürzt 8f., 8^., t?., musikalische Vortrags-
bezeichnung: stark betont.
sluniUto <ital., "rauchig", "wolkig"), in der
Malerei ein Bild mit weichen, verschwommenen Um-
rissen, ähnlich wird Vaporozo gebraucht.
3k2., s. Zfor^ato.
3. V., in England Abkürzung für 3oUcitoi'-
ß6N6i-a! (Generalanwalt, Obersachwalter der Krone).
3. Q. D. <3>., auf Waren, die in Frankreich paten-
tiert sind, eine meist hinter dem Worte ä6po3e oder
drevets stehende Abkürzung für sang Fin-anti? äu.
30uv6lU6iii6nt (ohne Gewähr der Regierung).
Sgerfh, auch Sgersch, poln. ^Fier?, Stadt
im Kreis Lodz des russ.-poln. Gouvernements Petri-
kau, 4 km nördlick von Lodz, an der Bzura, hat
(1894) 18 495 E.; Baumwollspinnereien und Woll-
fabriken mit 1 Mill. Rubel Produktion.
Sgrafflto (vom ital. 8^raküai-6, kratzen), auch
Graffito, eine im 16. Jahrh, in Italien auf-
gekommene Art der Ausschmückung des Äußern von
Bauwerken, welche wegen der Leichtigkeit und Billig-
keit der Ausführung fowie wegen ihrer größern
Haltbarkeit im Freien vielfach der Malerei vor-
gezogen wird. Die Technik des S. besteht darin, daß
man die zu dekorierende Wand mit einem dunkeln,
gewöhnlich mit Kohle gefärbten Putz überzieht und
auf demselben, während er noch frifch ist, einen
dünnen bellen Putz aufträgt. Auf letztern wird die
beabsichtigte Zeichnung aufgepaust und hierauf mit
einem spitzen Eisen ausgeschabt oder ausgekratzt, so
daß der dunkle Untergrund sichtbar wird. Man hat
dann eine dunkle Zeichnung auf hellem Grunde.
Doch kann man auch umgekehrt eine weiße Zeichnung
auf dunklem Grunde herstellen, auch mehrere und
andere Farben anwenden. Sie wurde in alter Zeit
in Italien und Deutschland häusig geübt: Reste der-
selben sind in beiden Ländern noch erhalten. Neuer-
dings brachte Scmper das S. am Dresdener (1869
abgebrannten) Hoftheater und am Polytechnikum zu
Zürich zuerst wieder in Anwendung. Weiter nahm
sie Lohde beim Bau des Sophien-Gymnasiums in
Berlin, Gnauth beim Generalstabsgebäude in Stutt-
gart wieder auf. Das größte Werk in S. dürfte
W. Walthers Fürstenzug am Johanneum zu Dres-
den sein (1874). Gegenwärtig erfreut diese Teko-
rationsweise sich wieder großer Beliebtheit. - Vgl.
Lange und Bühlmann, Die Anwendung des S.
für Facadendekoration (Münch. 1876). ^Comte.
'sG'raven-Brakel, belg. Stadt, s. Braine-le-
'sGravenhage, niederländ. Stadt, s. Haag.
8k., Abkürzung für den engl. Schilling (s. d.).
s. k., Abkürzung für 8a1vo konors (lat., d. h.
unbeschadet der Ehre).
Shad (engl., spr. schädd), s. Maifisch.
Shaftesbury (spr. schäfftsbörri), Municipal-
borough in der engl. Grafschaft Dorfetshire, im
WSW. von Salisbury, hat (1891) 2122 E. und
eine Lateinschule. In der Nähe St. Giles, der Sitz
des Earl von S.
Shaftesbury (spr. schafftsbörrl), Anthony
Afhley Cooper, erster Graf von, engl. Staats-
mann, geb. 22. Juli 1621 in Dorfetshire, bildete
sich zum Rechtsgelehrten aus, wurde Mitglied des
Langen Parlaments (s. d.) und trat im Bürgerkrieg
gegen Karl I. von der Seite des Königs über zu der
des Parlaments. Unter dem Protektorat gehörte er
zur parlamentarischen Opposition gegen Cromwell
und war nachher mit Monk eifriger Mitarbeiter an der
Restauration. Dafür kam er in den ersten Staats-
rat unter Karl II., saß auch im Gericht über die
Königsmörder und wurde 1661 zum Lord Ashley
erhoben. Er bekämpfte den Lordkanzler Clarendon
und wurde hernach mit dessen übrigen Hauptgegnern
Mitglied des Cabalministeriums (s. d.). 1672 gab