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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sibirische Pest - Sibylle
diese Pläne verwirklicht. Durch Reskript des Kai-
sers Alexander III., der sich sür das Riesenwerk sehr
interessierte, vom 17. (29.) März 1891 wurde der
Bau der S. E. angeordnet, und nachdem im Mai
1891 von dem damaligen Thronfolger in Wladiwo-
stok, dem Endpunkt der Bahn, der erste Spatenstick
vollzogen war, noch im nämlichen Jahre in Angriff
genommen. Die S. E. wird eine Gesamtlänge von
7112 Werst erreichen; die.Herstellungskosten sind auf
350 Mill. Rubel veranschlagt. Sie bildet die Fort-
setzung der noch im europ. Rußland belegenen Staats-
bahn Samara - Ufa - Slatoust - Tscbeljabinsk. Von
Tscheljabinsk fübrt die Linie über Kurgan und Pe-
tropawlowsk nach Omsk am Irtysch, wo sie denselben
überschreitend in die Barabinsche Steppe eintritt,
um sodann über Kainsk das Dorf Kriwoscbtscbekow
am Ob zu erreichen. Hier überschreitet die S. E. den
Ob mittels einer 400 Faden langen Brücke und geht
dann über Mariinsk, die Stadt Kansk und Nisbne-
Udinsk nach der Stadt Irkutsk. Auf der Strecke Ma-
riinsk-Irkutsk ist das Gelände sehr gebirgig, auch
müsfen die Flüsse Uda, Ua und Oka überbrückt wer-
den. Die Stadt Tomsk bleibt 80 Werst nördlich von
der Bahn und soll mittels einer Etichbabn ange-
schlossen werden. Von Irkutsk führt die Linie am
Vaikalsee entlang bis zur Station Mvsowskaja an
der Südseite des Sees, worauf das Witimplatcau
überschritten wird- über dicDistriktsstadtTsckitaund
dann dem Schilkafluß folgend erreicht die S. E. die
der Stadt Srjetcnsk gegenüber liegende Ansiedelung
Matakan. Der nächste Abschnitt bis zur Stadt Cba-
barowka am rechten Ufer des Amur (2000 Werst) ist
noch nicht allgemein bearbeitet. (5s wird beabsichtigt,
die Bahn aus 600 Werst im Thal des Schilka- und
Amurflusses zu führen, dann den Amur zur Ab-
kürzung des Weges zu verlassen und erst nach wci-
tern 1400 Werst an der Mündung des Ussuri auf
einer Brücke von 1200 Faden zu überschreiten.
Dann geht die Linie 400 Werst am Nssuri entlang,
wobei die Flüsse Chor, Vikin und Iman überbrückt
werden. Der Ussuri bildet hier bis zum Chankasee
gleichzeitig die Reichsgrenze gegen China. Unter
Überschreitung des Ussuri (6755 Werst) geht die
Linie an den Gebirgslchnen des Chankasees und
im Thal des Lcfaflühcbens entlang nach der Station
Nikolskaja (6982 Werst), von hier aus am Sujfun-
flusse entlang nach Chabarowka, demnächst in der
Richtung auf die Stadt Wladiwostok, wo an der
Bucht des Solotoj Rog (goldenes Horn) die End-
station in 7083 Werst liegt. Die Länge und Bau-
kosten verteilen sich folgendermaßen:
Bezeichnung der Bahnen
Werst
Westsibir.Eisenbahn(Tscheljabinsk-Obfluß)
Mittt'Isibir. Eisenbahn (Ob-Irlutsk) . .
Baitaliee-Umgehungsbahn (Irkutsk-My-
sowskaja)..............
Transbailalsche Eisenbahn (Mysowskaja-
Srjrtcnsk).............
Amnr-Eisenbahn (Srjctensk-Chabarowka)
Ussuri-Eiscnbahn, und zwar:
a. Nordussnrische Sektion (Chabarowka-
Grafstaja)...........
d. Südnssnrische Sektion (Grafslaja-
Wladiwostok) .........
1328
1754
1009
2000
347
382
Nnbcl
47 361479
73 272 898
22 310 820
53 309 817
117 555 835
18 738 582
17 661 051
Zusammen j 7112 > 350 210-482
Außer diesen Beträgen sind noch 8 Mill. Rubel
zur Herstellung einer Verbindung der S. E. (von
Tscheljabinsk aus) mit der Station Ostrowskaja der
Uralbahn und ferner vorläufig 14 Mill. Rubel zur
Anlage von Häfen und Flußkorrektionen vorgesehen.
Über den Stand der Sauarbeiten Ende 1894 be-
richtete der Minister der Verkehrsanstalten in der
Sitzung des Sibirischen Eisenbahnkomitecs, welche
unter dem Präsidium des Kaisers Nikolaus II. als
erste nach dessen Thronbesteigung stattfand. Auf
der ersten Teilstrecke der Westsibir. Bahn (von
Tscheljabinsk bis Omsk am Irtyschfluh) sind 742
Werst nebst Telegraphenverbindung und 60 Proz.
aller Oberbauten fertig gestellt und dem Verkehr
übergeben, von der zweiten Teilstrecke der Westsibir.
Bahn (von Omsk bis zum Obfluße) sind 100 Werst
bereits bcfabrbar, sonst die Arbeiten in vollem
Gange, auch Schienen und Wagen teilweise an-
geliefert. Auf der ersten Teilstrecke der Mittelsibir.
Bahn vom Ob bis zur Stadt Krasnojarsk werden
300 Werst vollendet sein bei fertig gestellter Tele-
graphenlinie und genügend vorhandenem Material
für den Weitcrbcm der Bahn; die zweite Teilstrecke
von Krasnojarsk bis Irkutsk mit der Zweiglinie
nach Tomsk befindet sich im Bau. Von der Ussuri-
bahn ist die südl. Sektion bis 1 Werst vor der Sta-
tion Grafskaja, dem Endpunkt dieser Sektion, fertig
gestellt. Im ganzen waren Ende 1894 gegen 1518
Werst von der Gesamtstrecke der S. E. fertig, etwa
100 Werst mehr als der fünfte Teil der ganzen
Länge der Hauptlinien. In Regierungskreisen ist
die Frage neuerdings angeregt, die S. E. mit Tur-
kestan in Verbinduug zu bringen, und sind zwei Li-
nien hierfür in Vorschlag gebracht: Tscheljabinsk-
Turgaj - Turkestan und Petropawlowsk - Atbassar-
Turkestan. - Vgl. Encyklopädie des gesamten
Eisenbahnwesens, bg. von Roll, Bd. 6 (Wien 1894).
Sibirische Pest, s. Milzbrand.
Sibirische Tataren, s. Irtysch-Tataren.
Sibirtt, Mineral, s. Turmalin.
chibkapaß, s. Schipkapah.
F"'bl/i., binter lat. Pflanzennamen Abkürzung
für John Sibthorp, geb. 28. Okt. 1758 zu Or-
ford, Professor der Botanik daselbst, gest. 7. Febr.
1796 zu Bath', seine "^lora 31-^602." wurde von Smith
und Lindlcy fortgefctzt (10 Bde., Lond. 1806-40).
Sibylla, der 168. Planetoid.
Sibylle, bei den Griechen der Name für Frauen,
welche, von Begeisterung ergriffen, geweissagt haben
sollten. Ansätze zu den Sagen von S. finden sich zu-
erst in der Sage von Kassandra. Lange Zeit sprach
man nur von einer S.; später nahm man bis zu
12 E. an, die in verschiedenen Orten und Ländern
heimisch gewesen sein sollten. In Italien erzählte
man von den S. von Cumä und Tibur. Die Cu-
mäischc S. (uach Virgil De'iphobe, s. d.) bot der
Sage nach dem röm. König Tarauinius Superbus
neun Rollen (^ibyllinische Bücher) ihrer Weis-
sagungen zum Kauf an und warf, als dieser den
geforderten Preis zu hoch fand, drei und wiederum
drei Rollen ins Feuer, bis der König für die drei
letzten die anfangs für alle neun verlangte Summe
zahlte. Diese "I^idi-i 8idMini" wurden in Rom
als heiliges Gut im Kapitolinischen Tempel unter
Aussicht einer eigenen, anfangs aus 2, seit dem
I. 367 v. Chr. aus 10, seit Sulla aus 15 Mit-
gliedern bestehenden priesterlichen Behörde (s. De-
cemvirn) aufbewahrt und durften nur auf ausdrück-
lichen Vefebl des Senats befragt werden. 83 v. Chr.
wurde die ältere Sammlung mit dem Tempel ein
Raub der Flammen. Man sandte deshalb Voten
aus, besonders nach Kleinasien, um das, was in
Tempeln des Apollo oder sonst an sibyllinischen