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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sicilien (Königreich beider)

rend Trapani den Hauptplatz für die Beziehungen zu Afrika bildete; die Entwicklung der Seiden-, Sammet-, Brokat-, Woll- und Zuckerindustrie wetteiferte mit der der Landwirtschaft. Vom Hof begünstigt erhob sich eine nationale Dichtung und Geschichtschreibung; die Baukunst und Gärtnerei schwangen sich empor. Die normann. Gesetze und Verordnungen wurden 1231 gesammelt und ergänzt zum Gesetzbuch der "Konstitutionen des Königreichs S."; diese machten das Reich zum ersten der modernen Beamten- und Parlamentsstaaten; hier zuerst wurde neben dem Klerus und Adel seit 1232 auch dem steuerkräftigen Bürgertum eine polit. Bedeutung eingeräumt, während gleichzeitig die Macht des Adels durch Erweiterung der Rechte der Krone in betreff der Lehen eingedämmt wurde. Dabei blieb die municipale Selbstverwaltung und die eigene Verfassung der Ritterschaft bestehen. So erhielt sich denn auch trotz Friedrichs II. vieler und schwerer Kriege die Blüte des Landes, ja das wohlausgebildete Finanzwesen lieferte sogar die Mittel zur Aufstellung einer stattlichen Marine und eines starken Söldnerheers neben den Lehnstruppen. Verbunden mit der Kraft Deutschlands drohte diese gewaltige südital. Macht die Unabhängigkeit der Städte Mittel- und Oberitaliens ebenso wie die des Papsttums zu erdrücken, weshalb sich diese zur verzweifelten Gegenwehr verbanden. Mitten in diesem Kampf starb Friedrich II. und schon nach vier Jahren erlag dessen Mühen auch sein Sohn Konrad IV. (s. d.). Aber auch Manfred (s. d.), der sich 1254 zum Regenten, 1258 zum König von S. erheben ließ und so dasselbe vom deutschen Erbe der Hohenstaufen abtrennte, vermochte keine Versöhnung mit dem Papst zu erzielen; vielmehr verhandelte dieser zuerst mit dem englischen, dann mit dem franz. König, um die südital. Staufer zu vernichten, und endlich gelang es Urban IV., Karl I. von Anjou zum Zug gegen Manfred zu bewegen. Als eben dessen Macht nach Mittelitalien sich auszudehnen begann, krönte Urban Karl im Vatikan zum König von S. (6. Jan. 1266). Ihm erlag 1266 Manfred bei Benevent und 1268 der letzte Hohenstaufe Konradin (s. d.) bei Scurcola.

Unter den Anjou. Die staufischen Erbansprüche gingen nach Konradins Hinrichtung durch Konstanze, Manfreds Tochter, auf die schon mit Friedrich II. verschwägerten Aragonier über. Da die Anjou in Italien alle Ansprüche der Hohenstaufen aufnahmen, so hatte das Papsttum nichts durch diesen Wechsel gewonnen, und Nikolaus III. hatte denn auch alsbald Peter III. von Aragonien zu einem Angriff ermutigt. Aber ehe dieser noch entscheidende Schritte gethan, brach auf S., am zweiten Osterfeiertag 1282, ein blutiger Volksaufstand, die Sicilianische Vesper (s. d.), aus. Palermo erklärte sich zur Republik und zog die Reichsfahne auf. Schon im August aber landete Peter III. in Trapani; Karl, der Messina belagerte, trieb die Insel durch seine Härte in die Hand seines Gegners, und seine Flotte wurde durch dessen Admiral Ruggiero di Lauria nach Verlassen S.s bei Reggio, dann bei Malta empfindlich geschlagen; ein Versuch von Karls I. Sohn, Karl II., die Ehre der Flotte herzustellen, führte zu seiner Gefangennahme bei Neapel 28. Juni 1283. An seiner Stelle übernahm nach Karls I. Tode (7. Jan. 1284) Graf Robert von Artois die Regentschaft. Die Loslösung S.s von Aragonien nach dem Tode Peters (1285) schwächte zunächst dessen Angriffskraft nicht; vielmehr schritt der Febr. 1286 zu Palermo gekrönte zweite Sohn Peters, Jakob (Jayme), alsbald zur Belagerung Gaetas. Der daraufhin mit Karl II. vereinbarte Vertrag fand von seiten Nikolaus' IV. keine Bestätigung; vielmehr krönte dieser 1289 Karl II. zum König von S., während er gleichzeitig die Erbfolge Karl Martells, des ältesten Sohnes Karls II. und Marias, der Tochter König Wladislaws, für Ungarn bestätigte, damit aber unwissentlich dem Verderben der Anjou den Weg bahnte. Jakob, der sich in S. mit Ausdauer verteidigt hatte, auch nachdem ihn sein Bruder Alfons fallen gelassen, folgte diesem 1291 in Aragonien und ernannte seinen Bruder Friedrich zum Statthalter in S., suchte aber nach Bonifacius' VIII. Erhebung zum Papst ein Abkommen mit Karl II. zu erzielen, indem dieser S. zurückerhalten sollte gegen Überweisung von Sardinien und Corsica an Aragonien. Allein Friedrich, welcher durch eine Heirat mit der Tochter des lat. Kaisers Balduin II. abgefunden werden sollte, stellte sich nun selbst an die Spitze der Sicilianer und nahm 24. März 1296 die Krone. Es kam nun zwar 19. Aug. 1302 zu einem Vertrag, welcher Friedrich S. auf Lebzeiten zusicherte und seiner Nachkommenschaft aus einer mit Karls II. Tochter Eleonore einzugehenden Ehe das freilich erst noch zu erobernde Sardinien zusprach; allein die Fehde brach bald von neuem los. Nachdem nach Karls II. Tode (5. Mai 1309), dank der Hilfe des Papstes, sein jüngerer Sohn Robert Neapel erhalten hatte, auf welches auch Karl Martells Sohn Karobert von Ungarn Ansprüche erhob, sah sich Friedrich bald aufs neue bedroht, da Robert in kurzem von den Welfen ganz Italiens als Haupt betrachtet wurde. Friedrich nahm deshalb sofort Partei für den anrückenden Heinrich VII., mit welchem er Febr. 1312 ein Bündnis abschloß. So begann der Krieg zwischen S. und Neapel aufs neue, um sich bis zu Roberts Tode (16. Aug. 1343) hinzuziehen. Als Friedrich 25. Juni 1337 starb, folgte ihm sein vom sicil. Parlament als Mitregent schon 1322 anerkannter Sohn Pietro, unter welchem die von Friedrich mit starker Hand niedergehaltenen Adelsunruhen zum Ausbruch kamen, nachdem schon früher die Inseln Zerbi und Kerkeri an die Sarazenen verloren gegangen waren. Aber auch in Neapel hatte Roberts häufige Abwesenheit in Frankreich und im obern Italien und der fortgesetzte Kampf gegen S. und die ital. Ghibellinen innere Wirren vorbereitet. Den Anstoß zur innern Auflösung gab der Umstand, daß Robert starb, ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen. Um seine Tochter Giovanna I. gegen Ansprüche von seiten der ungar. Anjou zu sichern, hatte er sie mit Andreas, dem jüngern Sohne Karl Martells, verheiratet. Als Andreas ermordet wurde und Giovanna sich mit Ludwig von Tarent vermählte, sah sie sich alsbald genötigt, mit diesem nach der Provence zu fliehen vor ihrem Schwager Ludwig von Ungarn. Nach schwankenden Kämpfen vermittelte endlich Clemens VI. 1352 ein Abkommen zwischen Ludwig von Ungarn und Ludwig von Tarent, ohne daß aber damit das Land zu wirklicher Ruhe gekommen wäre, weder unter Ludwigs von Tarent schwacher Regierung, noch unter der Jakobs von Mallorca, mit dem Giovanna 1362-74 in dritter Ehe vermählt war. Nach Jakobs Tode sicherte Giovanna die Thronfolge zuerst Karl III. von Durazzo zu, welchen sie mit Margarete, der Nichte Filippos, des letzten Anjou von Tarent, verehelichte, heiratete aber dann selbst 1376 in vierter Ehe Otto von Braunschweig. Wäh-^[folgende Seite]