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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sieben Wunder der Welt - Siebold (Karl Theodor Ernst von)
Verse ("I^i romHNL äs DolopatkoZ", hg. von Brunet
und Montaiglon, Par. 1856). Eine zweite verloren
gegangene lat. Bearbeitung, das "leider cle 86^t6m
8api6ntidu8", war die Quelle des franz. "Noman ä68
86pt 33,368" (in Versen, hg. von Keller, Tüb. 1836);
ferner verschiedener franz. Prosaversionen sowie
mittelbar zweier engl. Versversionen und einer ital.
Prosaübersetzung (hg. von D'Ancona, Pisa 1861).
Eine t>r'Me lat. Bearbeitung, die "IliLwriH 86pt6m
8lli)i6ntuin" (hg. nach der Innsbrucker Handschrift
von 1312 von Buchner, Erlangen 1889),ist in mehrern
Handschriften und Drucken erhalten. (Ein jüngerer
Druck u. d. T. "?0ntiHnu8. Oicta. a,ut tactg. 86i)win
L^ienwm", Strahb. 1512, bietet einen ältern Tert
als der älteste Druck.) Eine vierte lat. Bearbei-
tung endlich (hg. von Mussasia, "Beiträge zur Litte-
ratur der S. w. M.", Wien 1868) wurde vom
Herausgeber mit zwei ital. Versionen als besondere
(ältere) Gruppe ("VerLio it^lica") aufgestellt. Von
allen diesen Bearbeitungen war die verbreitetste die
"Iliätori". ZL^tkin sapieiitum", die vielen westeurop.
Bearbeitungen direkt oder indirekt als Quelle diente,
so dem deutschen Gedicht des Bühelcrs von 1112
("Diocletianus' Leben", hg. von Keller, Quedlinb.
1811) sowie einer andern Bearbeitung (in Kellers
"Altdeutschen Gedichten", Tüb. 1816) und verschie-
denen Prosaübersetzungen: deutsch, niederdeutsch
holländisch, französisch abgedruckt von G. Paris in
"Deux i'6(l3.ction8 du roman ä63 86pt 8ÄF68" (in
den Schriften der "8oci6t6 ^68 ancieng I^xtes
fi'Hn^i8", Par. 1876), spanisch, englisch und, auf
dem Englifchen beruhend, fchottisch, armenisch, böh-
misch, polnisch, russisch.
Vgl. K. Krumbacher, Geschichte der byzant. Litte-
ratur (Münch. 1891); M. Murko, Die Geschichte der
S. w. M. bei den Slawen (Wien 1890); ders., Bei-
träge zur Tertgeschichte der Historie LLptein 33.-
pientum (in der "Zeitschrift für vergleichende Litte-
raturgeschichte", Neue Folge, Bd. 5).
Sieben Wunder der Welt, im Altertum sie-
ben merkwürdige Bau- und Kunstwerke, die sich durch
ihre außerordentliche Größe sowie durch ihre Pracht
auszeichneten und zum Teil noch gegenwärtig in
ihren Trümmern Bewunderung erregen. Man rech-
nete dahin die ägypt. Pyramiden (s. d.), die sog.
Hängenden Gärten der Semiramis zu Babvlon, den
Tempel der Artemis zu Ephesus (s. d.), die Bildsäule
des Olympischen Zeus von Pbidias, das Mausoleum
(s. d.) zu Halikarnassos, den Koloß (s. d.) zu Rhodus
und den Leuchtturm (s. d.) auf der Insel Pharus.
Siebenzeit, Pflanzenart, s. NsiilowZ.
Sieblaufen, s. Erbschlüssel.
Siebmacherstuhl, Siebstuhl, ein Webstuhl,
auf welchem gewebte Siebböden (f. Sieb) hergestellt
Siebmuschel, s. Gießkanne. ^werden.
Siebold, eine deutsche Gelehrtenfamilie, deren
Glieder sich besonders auf dem Gebiete der Medizin,
Chirurgie und Geburtshilfe verdient gemacht baben:
Kcvrl Kaspar von S., geb. 4. Nov. 1736 zu
Nideck im Herzogtum Iülich, gab als Professor der
Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe zu Würzburg
diesen Lehrfächern eine angemessene Einrichtung
und erwarb sich namentlich den Nuf eines aus-
gezeichneten Chirurgen. In Anerkennung der Ver-
dienste, die er sich während des Krieges in den
Hospitälern erworben hatte, wurde er 1801 in den
Reichsadel erhoben. Er starb 3. April 1807.
Sein Sohn, Adam Elias von S., geb. 5. März
1775 zu Würzburg, studierte zu Jena, Göttingen
und Würzburg Medizin, wurde 1799 außerord.
Professor der Medizin zu Würzburg und, nach-
dem er eine Reise nach Wien unternommen, bei
seiner Rückkehr Medizinalrat und ord. Professor.
Er folgte 1816 einem Rufe nach Berlin, wo er die
Entbindungsanstalt bei der Universität gründete
und 12. Juli 1828 starb. Sein Hauptwerk ist das
"Handbuch zur Erkenntnis und Heilung der Frauen-
zimmerkrantheiten" (2 Bde., Frankf. 1811; 2. Aufl.,
ebd. 1821-23). Außerdem schrieb er: "Lehrbuch der
theoretisch-praktischen Entbindungskunde" (2 Bde.,
Lpz.1803-4; 4. Aufl., Nürnb.1821) und "Lehrbuch
der Geburtshilfe" (5. Aufl., Würzb. 1831).
Dessen Sohn, Eduard Kaspar Jakob von
S., geb. 19. März 1801 zu Würzburg, studierte
zu Berlin und Göttingen und wurde 1827 Assistent
bei der Entbindungsanstalt daselbst, deren einst-
weilige Direktion nach dem Tode seines Vaters ihm
übertragen wurde. 1829 wurde er Prosessor der
Geburtsbilfe in Marburg, 1833 in Göttingen, wo
er 27. Okt. 1861 starb. Seit des Vaters Tode setzte
er das von diesem 1813 begonnene "Journal für
Geburtsbilfe" fort. Auch schrieb er "Versuch einer
Geschichte der Geburtshilfe" (2 Bde., Verl. 1839
-15), "Lehrbuch der Geburtshilfe" (ebd. 1811), "Zur
Lehre von der künstlichen Frühgeburt" (Gott. 1812),
"Lebrbuch der gerichtlichen Medizin" (Berl. 1816).
Regine Josephe von S., die Gattin Johann
Theodor Damian von S.s, geb. 14. Dez. 1771, war
die Tochter des kurfürstl. mainzischen Regicrungs-
beamten Henning zu Hciligenstadt. Nachdem sie in
erster Ehe mit dem Mainzer Regierungsrat Heiland
vermählt gewesen, studierte sie 1806^7 die Geburts-
dilfe unter Anleitung ihres Schwiegervaters Karl
Kaspar von S. und erhielt 1815 von der mediz.
Fakultät zu Gießen die Doktorwürde. Sie wirkte
bis in ihr hohes Alter zu Darmstadt als Geburts-
helferin und starb daselbst 28. Febr. 1819.
Ihre Tochter aus erster Ehe, Marianne Theo-
dore Charlotte Heiland, genannt von S.
ldurch Adoption ihres Etiesvaters), geb. 12. Sept.
1788 zu Heiligenstadt, erhielt durch ihre Eltern
praktischen Unterricht in der Geburtshilfe und stu-
dierte dieselbe dann 1811-12 in Göttingen unter
Osianders und Langenbecks Leitung. Nach bestan-
dener Prüfung erhielt sie 1814 die Erlaubnis zur
Ausübung der Geburtshilfe und 1817 durch öffent-
liche Promotion zu Gießen die Doktorwürde. Bei
diefer Gelegenheit fchrieb sie: "Über die Schwanger-
schaft außerhalb der Gebärmutter und über Bauch-
höhlenschwangerschaft insbesondere" (Darmst. 1817).
Seitdem lebte sie zu Darmstadt, wo sie sich 1829
mit dem nachmaligen Oberstabsarzt Heidenreich ver-
mählte. Sie starb 8. Juli 1859.
Hiebolt/, hinter lat. naturwissenschaftl. Namen
Bezeichnung für Philipp Franz von Siebold (s. 0.).
Siebold, Karl Theodor Ernst von, Physiolog
und Zoolog, geb. 16. Febr. 1804 zu Würzburg als
Sohn von Adam Elias von S., studierte in Göt-
tingen und Berlin und ward 1831 Kreisphysikus
zu Heilsberg in Preußen, 1835 Direktor der Heb-
ammen- und Entbindungsanstalt in Danzig, wo er
1839 auch das Stadtphysikat übernahm. 1840
wurde S. Prosessor der Physiologie und vergleichen-
den Anatomie in Erlangen, 1845 in Freiburg i. Br.,
1850 in Vrcslau, wo er zugleich die Direktion des
Physiologischen Instituts übernahm. Zur Gründung
eines ähnlicbcn Instituts wurde er 1853 als Pro-
sessor der Physiologie und vergleichenden Anatomie