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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Sieder; Siederohrkessel; Siedeverzug; Sǐedlce; Sieg; Siegburg; Siegel

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Sieder - Siegel

Flüssigkeit. Gewöhnlich versteht man unter Siedepunkt die Siedetemperatur bei dem Druck von 760 mm Quecksilber. Auf Bergen findet man, wegen der Abnahme des Luftdrucks nach oben, den Siedepunkt um so niedriger, je höher man kommt, so daß man ein genau und fein eingeteiltes Thermometer, ähnlich wie das Barometer, zur Höhenmessung benutzen kann. (S. Hypsothermometer.) Bei der Kritischen Temperatur (s. d.) kann das S. durch Druckvermehrung nicht mehr gehindert werden. Der Siedepunkt ist je nach der chem. Beschaffenheit der Flüssigkeiten sehr verschieden; so z. B. beträgt er für Schwefeläther 35° C., für Alkohol 78° C., Leinöl 316° C., Quecksilber 360° C. Im allgemeinen verdunsten die Flüssigkeiten um so leichter, je tiefer ihr Siedepunkt liegt. So wie beim Schmelzen (s. d.) bleibt auch beim S. die Temperatur trotz Zuführung von Wärme unveränderlich, so lange nicht alle Flüssigkeit verdampft ist. Black erkannte, daß auch bei der Bildung von 1 kg Dampf eine bestimmte Wärmemenge (in Kilogrammkalorien) verschwindet, latent wird, verbraucht wird, die man Dampfwärme nennt. (S. Dampf, Bd. 4, S. 717 b.)

Es kommt auch vor, daß die Flüssigkeit erst bei einer höhern Temperatur als dem Siedepunkt zu sieden beginnt, wie es bei ruhig stehendem, in glattwandigen Gefäßen erhitztem Wasser der Fall sein kann. Diese Erscheinung bezeichnet man als Siedeverzug. Die später eintretende Dampfbildung ist dann weit stürmischer als beim gewöhnlichen S. und kann bei Dampfkesseln zu Explosionen (s. Dampfkesselexplosionen) führen. Durch beständige Bewegung des Wassers oder Anbringen von Spitzen an den innern Gefäßwänden, Einbringen von Sand u. dgl. in das Wasser sucht man den Siedeverzug zu verhindern. – Vgl. Kahlbaum, Siedetemperatur und Druck in ihren Wechselbeziehungen (Lpz.1885); Nernst und Hesse, Siede- und Schmelzpunkt, ihre Theorie und praktische Verwertung (Braunschw. 1893).

Sieder, eine Klasse der Halloren (s. d.).

Siederohrkessel, im allgemeinen Kessel und Siederöhren wie der gewöhnliche Walzenkessel mit Siederöhren (Siedekessel); speciell Bezeichnung für Wasserröhrenkessel (s. Dampfkessel).

Siedeverzug, s. Sieden und Dampfkesselexplosionen.

Sǐedlce,russ.Gouvernement und Stadt, s. Sjedlez.

Sieg, rechter Nebenfluß des Rheins, entspringt in Westfalen am Ederkopf in 607 m Höhe und fließt in vielgewundenem Laufe, mit vorherrschend westl. Richtung, bis unterhalb Bonn. Bei Siegen scheidet sich in 238 m Höhe der mittlere und der untere Lauf, welcher letztere anfangs durch eine an landschaftlichen Schönheiten reiche Gegend führt, die jetzt auch durch eine Eisenbahn erschlossen ist. Die Lauflänge beträgt 130 km; Quelle und Mündung sind jedoch nur 81 km voneinander entfernt. Schiffbar ist die S. nur auf 17 km von ihrer Mündung bis Siegburg. Unter den Nebenflüssen ist links die 44 km lange, aus dem Westerwald kommende Nister und rechts die unterhalb Siegburg mündende Agger zu erwähnen. Im Siegthal wird auf Silber- und Kupfererze und Spateisenstein gebaut.

Siegburg, Kreisstadt im Siegkreis des preuß. Reg.-Bez. Köln, auf dem rechten Ufer der Sieg, oberhalb der Mündung der Agger, an der Linie Köln-Gießen und der Nebenlinie Troisdorf-Derschlag der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Bonn), hat (1890) 8328 E., darunter 1334 Evangelische und 321 Israeliten, Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, kath. Kirche (13. Jahrh.) mit mehrern schönen Reliquiaren, darunter das des Erzbischofs Anno Ⅱ. von Köln, evang. Kirche, Gymnasium, höhere Mädchenschule, kath. Schullehrerseminar, zwei königl. Strafanstalten auf dem Michaelis- und Brückberge, Wasserleitung, Gasanstalt und Schlachthof; ein königl. Feuerwerkslaboratorium und eine Geschoßfabrik mit 2‒3000 Arbeitern, Gerbereien, Fabriken für Thonwaren und feuerfeste Steine, Hammerwerk, Kattunfabrik Siegfeld, Mahl- und Sägemühlen, bedeutende Kies- und Quarzitgruben. Die königl. Strafanstalt (früher Provinzialirrenanstalt) auf dem Michaelisberge, der eine 775 von Karl d. Gr. eroberte Sachsenfeste trug, befindet sich in der 1060 vom Erzbischof Anno Ⅱ. gestifteten, 1803 aufgehobenen Benediktinerabtei, von deren Kirche noch die Krypta erhalten ist. Die Blüte der Stadt fällt in das 15. und 16. Jahrh. Die daselbst im 16. und im Anfange des 17. Jahrh. aus Thon gefertigten Siegburger Krüge waren in ganz Europa berühmt. Insbesondere wurden Darstellungen von Bauernfesten und Volksscenen zu ihrer Verzierung benutzt; auch Wappen, Kaiser- und Kurfürstenfiguren finden sich verwendet. Ihre Formen sind mitunter sehr originell, wie die «Ringkrüge» oder «Wurstkrüge», manche haben Henkel und lange Ausgußröhren. Diese sind unter den Kunstfreunden besonders geschätzt, daneben auch die sog. «Schnellen», Trinkgefäße von schlanker konischer Form und von weißem Thon. Die Fabrikation von S. dauerte in voller Höhe bis zum J. 1632, wo infolge der Kriegsnot die Töpfer auswanderten und ihre Kunst nach den nassauischen Ortschaften Höhr und Grenzhausen brachten. Hier ging die Produktion fort, freilich mit verminderter Kunst, um heute gesteigert wieder aufgenommen zu werden. ^[Spaltenwechsel]

^[Abb. Wappen von Siegburg]

Siegel (lat. sigillum, secretum, signetum oder signum), der Abdruck eines Stempels in eine weichere Masse. Hierzu gebrauchte man schon früh, je nach dem Unterschiede der Stände, verschiedene Stoffe. Des Goldes und Silbers bedienten sich die byzant. Kaiser, des Bleies die Päpste und die Großmeister der geistlichen Ritterorden. Später siegelten Kaiser und Könige mit rotem Wachs und verliehen dieses Recht auch andern Fürsten und Herren, später auch Privatpersonen; grünes Wachs gebrauchten geistliche Stifter, Klöster u. s. w., weißes Wachs die Freien Reichsstädte, schwarzes Wachs der Patriarch von Jerusalem und die Großmeister der geistlichen Ritterorden in weniger wichtigen Angelegenheiten. Noch später trat die Oblate (s. d.) an Stelle des Wachses und im 16. Jahrh. der Siegellack (s. d.). Ursprünglich setzte man auf die S. meist den Kopf dessen, der es führte; so in den S. der deutschen Kaiser im frühen Mittelalter. Im 11. Jahrh. wurde gebräuchlich, Wappen in die S. zu setzen, wobei später die nicht zu Wappen Berechtigten ideelle Wappen gebrauchten. Die Kaiser und Könige bedienten sich seit dem 10. Jahrh. größerer S., sog. Majestäts- oder Thronsiegel, auf denen die ganze Figur sitzend dargestellt ist. Solche wurden auch bald von Fürsten, Bischöfen u. a. gebraucht. Von großer Schönheit sind oft die sog. Reitersiegel, mit der Person des Siegelführers zu Pferde.