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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Siegelmäßigkeit - Siegeszeichen
Eine neuere, aus Österreich stammende Erfindung
sind Siegellackstangen mit einem Docht, der das
Weiterbrennen der Stange ohne Zuhilfenahme einer
Kerze sichert. - Vgl. Andös, Die Fabrikation der
Siegel- und Flaschenlacke (Wien 1885); Andres,
Die Fabrikation der Lacke, Firnisse, Buchdrucker-
sirnisse und des S. (4. Aufl., ebd. 1891).
Siegelmätzigkeit. Siegclbar in eigenem Na-
men, d. h. befugt, ein eigenes Siegel zur Bekräf-
tigung der Urkunden zu führen, war im Mittelaltcr
nur der, welcher die Fähigkeit hatte, Urkunden un-
abhängig von eines andern Einwilligung in eigenem
Namen auszustellen. Desbalb hatte der größte Teil
der Ritterbürtigen, weil sie dienstbar waren, kein
eigenes Siegel; sie konnten Urkunden nur aus-
stellen unter dem Siegel ihres Diensthcrrn. Abge-
sehen von solchem besondern Verhältnis, konnten
Personen kraft einer ihnen zustehenden öffentlichen
Gewalt die Urkunden anderer Personen besiegeln
und ihnen dadurch einen öffentlichen Glauben bei-
legen. Scbwabenspiegel Art. 288 zählt als solche
auf: den Papst, König, Priester- und Laienfürsten,
Prälaten, Kapitel und Konvente. Das Reckt der S.
haben im rechtsrhein. Bayern noch nach der Ver-
fassung von 1818 die Adligen, Kollegialräte, böbern
Beamten und Offiziere vom Hauptmann aufwärts
(Siegelgenossen). Die damit verbundenen Vor-
rechte bezüglich der Vornabme von Siegelungen und
der Formen von Rechtsgeschäften sowie prozesfuali-
scher Akte sind indessen durch das bayr. Notariatsgesetz
von 1861 und die bayr. Civilprozeftordnung beseitigt.
Siegelringe, s. Petschaft und Gemme.
Siegel Salomos, Orden vom, abessin. Or-
den, 1874 von Kaiser Johannes gestiftet: in Europa
ist bisher nur das dem Prinzen von Wales über-
sendete Exemplar bekannt geworden. Das goldene
Ordenszeichen besteht aus zwei drudenfußartig ver-
schobenen Dreiecken (angeblick das Siegel Salomos),
in deren Mitte ein mit fünf Steinen besetztes Kreuz
ist; an der obern Spitze ist eine altertümliche Krone
(die alte Reichskrone von Äthiopien).
Siegelsteine, s. Eiegelcylinder.
Siegen. 1) Kreis im prcuß. Reg.-Bez. Arns-
berg, hat 647,49 ^m und (1890) 82088 (41498
männl., 40590 weibl.) E., 3 Städte und 117 Land-
gemeinden. - 2) Kreisstadt im Kreis S., an der
Sieg, ander LinieHagen-VetzdorfderVrcuß.Staats-
babnen und der Eisern-Siegener
Eisenbahn (8 kin), Sitz des Land-
ratsamtes, eines Amtsgerichts
nebst Kammer für Handelssachen
und Strafkammer, einer Han-
delskammer, Rcichsbankstclle und
eines Vereins für die bergbau-
lichen Interessen der ostrhein.
Bezirke, bat (1890) 18242(8970
männl., 9272 wcibl.) E., Post-
amt erster Klasse, Telegraph, Fcrnsprecheinrichtung,
zwei Schlösser der ehemaligen Fürsten von Nassau-
Siegen, Realgymnasium, Gewcrtschule, Wiesen-
bau- und Bergschule; Fabrikation von Leder, Tuch,
Papier, Maschinen und Leim. 1892 wurde in
S. ein von Rcusch modelliertes Reiterstandbild
Kaiser Wilhelms I. errichtet. S. ist Sitz der
9. Sektion der Rheinisch-Westfälischen Hütten- und
Walzwerks-Verufsgenossensckaft.
Die Umgegend von S. (Siegerland) zwischen
dem Westerwalde und dem Rothhaargebirge ist
durchaus bergig und reich an Eisenerz. Die Erze
werden in 22 Hochöfen verschmolzen und liefern
sehr gesuchtes Roheisen, welches teils in den Stahl-
werken der Grafschaft Mark und Englands, teils
im Lande selbst in etwa 40 Puddlings- und Walz-
werken verarbeitet wird. Außerdem liefert der
Bergbau noch Silber, Blei und Kupfer. Die be-
deutendsten Gruben liegen bei Musen (Stahlberg),
Eiserfcld, Gosenbach, Ncunkirchen, an der Eisern-
baardt und am Bautenberg. Bedeutend ist ferner
die Sobllederfabrikation. Auch ist das Siegerland
als die Wiege des Kunstwiesenbaues bekannt. - Das
Land bildete frübcr das Fürstentum S., das seit
1255 der Ottouischen Linie des Hauses Nassau ge-
borte. Seit der Teilung von 1607 stand es unter
eigenen Fürsten aus dieser Linie und wurde 1806
dem Großherzogtum Berg einverleibt. 1813 siel es
an den Fürsten von Oranien zurück, der es 1815 an
Preußen abtrat. - Vgl. Cuno, Geschichte der Stadt
S. (Dillenb. 1872); Nostiz, Der Kreis S. und seine
Bewohner (Neuwied 1894).
Siegert, August, Genremaler, geb. 5. März
1820 in Neuwied, studierte 1835-46 an der Düssel-
dorfer Akademie unter Schadow und Hildebrandt,
ging dann nach Antwerpen, Paris, München und
nahm seit 1851 seinen Wohnsitz in Düsseldorf, wo
er 13. Okt. 1883 starb. Anfangs malte er Historien-
bilder, so unter andern Lutber auf dem Reichstage
zu Worms (1844), Kaiser Maximilian bei Albrecht
Dürer (1848); bald aber wandte er sich der Genre-
malerei zu, in der er durch gemütvolle Auffassung
und reizende Darstellung des Gegenstandes glänzte.
Seine Hauptbilder sind: Der Willkommen (1851),
Die Kinder des Trompeters, Der Feiertag (1852),
Soldaten beim Würfelspiel (1857), Die in einem
reichen Hause gespeiste arme Familie (1858), Essens-
zeit (1864), Liebesdienst (1870; Hamburger Kunst-
balle), Im Forsthaus (1874), Die Fruchtmalerin
(1876), Die Vereinsamten (1880; Galerie zu Mann-
heim), Am Erkerfenster.
Siegert, Georg, Dichter, geb. 29. Febr. 1836
in Wcißcnohe bei Nürnberg, studierte in München
Pbilologie und Geschichte und trieb zugleich künst-
lerische Studien auf der Akademie der bildenden
Künste daselbst. Er trat dann in den Staatsdienst
und wirkte bis 1879 als Lehrer der klassischen Spra-
chen am Kadettenkorps in München. Seitdem ist er
nur noch mit dichterischen Arbeiten beschäftigt. S.
ist ein hervorragender neuerer Vertreter der ideali-
stischen Richtung im Drama. In seiner Tragödie
"Klytämncstra" (Münch. 1871; 3. Aufl. 1881) er-
rang Klara Zieglcr bedeutende Erfolge; erwähnt
seien ferner das romantische Lustspiel "Der Graf
von Provence" (unter dem Pseudonym Ludwig
Biron, Münch. 1873) und die zweiteilige Tragödie
"Kriemhild" (1. "Siegfrieds Tod", ebd. 1887;
2. " Kriemhilds Rache", ebd. 1888).
Siegesgöttin, s. Nike.
Siegesthaler, Thaler oder andere größere
Silbermünzcn, die zur Erinnerung an eine ge-
wonnene Schlacht oder einen glücklich beendeten
Feldzug geprägt siud. Dahin gehören z. B. die
preuß. Tbalcr von 1866, die den Kopf des Königs
Wilbclm I. mit dem Lorbeerkranze zeigen, und die
1871 von Preußen, Bayern, Sachsen, Württem-
berg und Bremen geprägten Thaler, die zum Teil
in der Aufschrift ausdrücklich als S. bezeichnet sind.
Sie sind gleichzeitig die letzten groben Silbermünzen
vor Einführung der Markwährung.
Siegeszeichen, f. Trophäen.