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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sienaerde - Sierra de Perija
gio Lorenzetti, Spinello Aretino, Taddeo di Bartolo
und Veccafumi. Unter den got. Gebäuden sind her-
vorzuheben der Palazzo Tolomei (1205) und Vuon-
signori, ein Vacksteinbau des 14. Jahrh., mit reicher
Facade, 1848 restauriert, unter denen der Nenaif-
fan'cezeit der Palazzo del Govcrno, 1469-1500 für
Giacomo Piccolomini erbaut, wahrscheinlich nach
einem Entwurf des Vcrnardo Nossellino, eins der
gewaltigsten Gebäude S.s, mit dem großartigen
Archiv (52000 Pergamenturkundcn) und einer wich-
tigen Sammlung von bemalten Decken der alten
Finanzregister, der Palazzo Spannochi, 1470 von
einem Florentiner erbaut, mit .hofhallen, jetzt Post-
und Telegraphenamt, der Palazzo del Magnifico,
für den Tyrannen Pandolfo Petrucci erbaut, mit
ErzVerzierungen, die Loggia dci Nobili, 1417 nach
dem Vorbild der Loggia dci Lanzi in Florenz erbaut,
und die Loggia del Papa, 1460-63 unter Pius ll.
durch Antonio Federighi aus S. erbaut. Das Isti-
tuto ä6ii6 Volle ^Vrti enthält eine reiche Sammlung
von Bildern, namentlich aus der ältern Siencser
Schule, seit Anfang des 19. Jahrh, aus den Kunst-
werken der aufgehobenen Klöster und des Palazzo
Pubblico angelegt, namentlich treffliche Werke von
Sodoma, Pacchia, Lorenzetti, Luca Signorclli und
Pacchiarotto. Die Stadt hat zahlreiche Brunnen
und eine großartige unterirdische Wasserleitung mit
vortrefflichem Trinkwasfcr. Die Universität, deren
Anfang man in das 1.1321 setzt, ist jetzt von ge-
ringer Bedeutung. (Vgl. Zdekaucr, 1.0 Zwdio äi
8. N6i i-inaZcimento, Mail. 1894.) Sie besteht aus
drei Fakultäten (für Theologie, Jurisprudenz, Me-
dizin und Chirurgie). Sonst bestehen in S. eine
Kommunalbibliothek (60000 Bände, 5000 Manu-
skripte), die ^ccadLinia äoi ^iäioci'itici mit natur-
histor. Museum, ein Lyceum, ein Gymnasium und
zwei Theater. Die Industrie erstreckt sich auf Seiden-
webereien, Fabrikation von Wollstoffen, Leinen- und
Hanfgeweben, Hüten, Spiritus und Rübenzucker.
Im Südostcn liegt das berühmte ehemalige Venc-
diktinertloster Monte-Oliveto maggiore auf den
Waldhöhen des Berges Acorur mit den berühmten
Fresken von Luca Signorelli (1497) und Sodoma
(1505) im Klosterhofe, aus der Legende des heil.
Vencdikt. Zu S. tagte 1423-24 ein fast nur von
ital. Prälaten besuchtes Konzil.
S., im Altertum 8onH Oallia oder Olonia ^sulia
8on6N8i8, soll von den senonischcn Galliern ge-
gründet und durch Augustus rö'm. Kolonie geworden
sein. 1133 riß das Volk die Herrschaft an sich und
vertrieb den Adel. Später wurden die Ghibellinen
aus Florenz in S. aufgenommen; 1270 bemächtigte
sich Karl von Anjou der Stadt und machte sie zum
Mitglied des toscanisch-guelfifchen Etädtebundcs.
Ihre höchste Blüte erreichte sie im 14. und 15. Jahrb.
und soll damals über 100000 E. gezählt haben. 1493
'chloß S. ein Bündnis mit Karl VIII. von Frank-
'ich und stand auch im 16. Jahrh, meist auf der
eite der Franzosen, bis diese 1555 die Stadt an die
lagernden Spanier übergeben muhten, mit deren
lfe Herzog Cosimo I. von Toscana fic dauernd
cner Herrschaft unterwarf.
Sienaerde, ^ri-a äi siena, s. VoluZ.
Sienkiewicz (spr. ßjcnkjewitsch), Henryk, Pscu-
onym Litwos, poln. Romanschriftsteller, geb.
1846 in Wola Okrzejska im Lukowfchen, studierte
m Warschau und reiste 1876 nach Amerika, wo er
längere Zeit in Kalifornien verweilte. Später be-
suchte er auch noch Afrika u. a. Eine Zeit lang war
Brockhaus' Konversations-Lexilon. 14. Aufl. XIV.
er Redacteur des Warfchauer "Äo^vo". Er lebt ab-
wechselnd in Warschau, Krakau, Zakopane. Schon
E.' erste Novellen und Skizzen lenkten durch ihre
realistische Zeichnung, namentlich der Volkstypen,
durch ihr kräftiges und wahres Gefühl die Aufmerk-
samkeit auf sich; doch wandte er sich bald der Ver-
gangenheit zu und scbuf den großartigsten polnischen
histor. Roman, eine Trilogie: "0^ni6m i miesem"
("Mit Feuer und Schwert", Warschau 1884; deutsch
von Hillcbrand, 4 Bde., Verl. 1888), "rotop" ("Die
Sintflut", 6 Bde., Warschau 1886), "?an ^Votoä)--
^'cnvzki" (3 Bde., ebd. 1887-88; deutsch von Löwcn-
feld, Berl. 1890). Sie fchildern die Zeit der Kosaken-
und Schwedenkämpfe und die Einnahme von Ka-
micnicc durch die Türken (1648 - 72). Nach einer
kurzen Pause ließ S. den bedeutendsten psychol.
Roman der Polen folgen: "Zo^ äoAnatu" ("Ohne
Dogma", Warschau 1890; deutsch, 2 Bde., Stuttg.
1892), in Briefform. Seine jüngsten Schöpfungen
sind der Familienroman "I^oä^ina. I>olllni6ckic1i"
(1894) und (((Huo vadiF" (1895), christl. Roman aus
Neros Zeit. Eine Sammlung der Werke S.' erscheint
in Warschau (1880 fg.). Deutsche Übersetzungen
("Dorfgefchichtcn" ^eigentlich "Kohlenskizzen"^, "Die
Tritte", "I.ux in tsnelirig", "Zersplittert") in
Rcclams "Ilnivcrsalbibliothek"; ferner "Ums liebe
Brot" (Einsicdcln 1884 und Dresd. 1892) und
"Hanna" (Stuttg. 1887).
Sienne lspr. ßlenn), 76 Km langer Küstenfluß
im franz. Dcpart. Manche der Normandie, ent-
springt im Walde von St. Scvcr (344 m) in der
Südwcstccke des Depart. Calvados, fließt nordwest-
lich und mündet bei der mit Leuchtturm versehenen
Agonspitze in den Hafen von Regnsville.
Sierck, Hauptstadt des Kantons S. (11684 E.)
im Kreis Tiedcnhofen des Bezirks Lothringen, am
rechten Moselufer und an der Linie Diedenhofen-S.
(18,i Km) der Elfaß-Lothr. Eisenbahnen, Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Metz) und Stcueramtes,
hat (1890) 1276 E., darunter 45 Evangelische und
60 Israelitcn, Post, Telegraph, kath. Dekanat, spät-
got. Kirche mit Grabmälern der Herzöge von Loth-
ringen, alte Bürgerhäuser, eine brom-und jodhal-
tige Salzquelle; Leder- und Porzellanfabrikation,
Steinbrücke, Obst- und Weinbau, Holz-, Wein-
und Getreidebandel.
Sierenz, Dorf im Kanton Landser, Kreis Mül-
bausen des Bezirks Oberelsasi, an der Linie Straß-
burg-Bascl der Elsaß-Lothr. Eisenbahnen, Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Mülhausen), hat (1890)
1238 E., darunter 46 Evangelische und 122 Israc-
liten, Post, Telegraph, Sparkasse, Spital; Gewehr-
schaftfabrik, Ackerbau, Obst- und Weinbau.
Siero, oder Polade S., Bezirksstadt der span.
Provinz Oviedo (Asturien), 15 km im ONO. von
Oviedo, rechts von der Nora, in fruchtbarer Gegend,
hat (1887) 22 218 E.; Gerbereien und Mühlen.
Sierra (span.; portug. Serra), eigentlich Säge,
auf der Iberifchen Halbinsel und im ehemals span.
und portug. Amerika jedes Gebirge von einiger-
maßen überwiegender Längenausdehnung, also ins-
besondere jedes Falten- oder Kettengebirge.
Sierra de Cartagena, s. Cartagena (Spanien).
Sierra de Perija, nördlichster Ausläufer des
Andengebirges (s. Cordilleren), zieht von Ocasia
im Departamento Santandcr der Republik Co-
lumbia in nördl. Richtung gegen die Sierra Nevada
de Santa Marta (s. d.), biegt aber nahe derselben
gegen NNO. um, erreicht an dem Wendepunkt im
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