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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sieveking (Ernst Friedr.) - Sieyès
begründete weibliche Verein für Armen- und Kranken-
pflege ist das Muster für viele derartige Vereine in
Deutschland und im Auslande geworden. In ihren
"Berichten" (Hamb. 1833-58) pflegte sie socialeFra-
geninlehrreicherund anziehenderWeisezu behandeln.
Auch veröffentlichte sie "Betrachtungen über einzelne
Abschnitte der Heiligen Schrift" (anonym, Hamb.
1823) und "Unterhaltungen über einzelne Abschnitte
der Heiligen Schrift" (Lpz. 1854). Nach ihrem Tode
erschienen "Denkwürdigkeiten aus dem Leben von
Amalie S." (Hamb. 1800).
Sieveking, Ernst Friedr., Jurist, geb. 24. Juni
1836 zu Hamburg, studierte in Göttingen, Leipzig
und Jena Rechtswissenschaft, wurde 1857 Advokat
in Hamburg, 1877 in den dortigen Senat gewählt,
1879 zum Präsidenten des hanseatischen Oberlan-
desgerichts ernannt. Auch ist S. Mitglied der
^LLocilUion lor t1i6 Nelorin anä OoäiKcHtion ok
tlie 1^>v ol nationg und Associö des In8titut ä6
Droit international.
Sieveking, Karl, Staatsmann, geb. 1. Nov.
1787 zu Hamburg, studierte in Heidelberg und Göt-
tingen, wo er sich 1812 habilitierte. Von 1813, wo
er nach Hamburg zurückkehrte, wirkte S. in ver-
schiedenen diplomat. Sendungen für die Unab-
hängigkeit und die Interessen der Hansestädte. 1819
wurde er von seiner Vaterstadt als Ministerresident
nach Petersburg gesandt, 1821 zum Syndikus er-
wählt und ging 1827 als außerordentlicher Ge-
sandter nach Rio de Janeiro, wo er einen Handels-
vertrag für die Hansestädte abschloß. 1831,1835,
1839 führte S. die Stimme für die Freien und
Hansestädte in der Bundesversammlung. Er schrieb:
"Gefchichte von Florenz" und "Geschichte der Pla-
tonischen Akademie zu Florenz" (in den "Schriften
der Akademie von Ham", Bd. 1, Hamb. 1841).
S. starb 30. Juni 1847 in Hamburg.
Sievers, Georg Eduard, Germanist, geb.
25. Nov. 1850 in Lippoldsberg im preuß. Reg.-Vez.
Cassel, studierte in Leipzig und Berlin, wurde
1871 außerord. Professor für german. und roman.
Philologie zu Jena, 1876 ord. Professor für german.
Philologie, siedelte 1883 in gleicher Eigenschaft nach
Tübingen, 1887 nach Halle, 1892 nach Leipzig über.
S.' Verdienste liegen namentlich auf dem Gebiete
der altdeutfchen und altengl. Grammatik und Metrik.
Er gab heraus: "Tatian, lateinifch und altdeutfch
mit Glossar" (2. Aufl., Paderb. 1892), "Die Mur-
bacher Hymnen" (Halle 1874), "Heliand" (ebd.
1878), "Die althochdeutschen Glossen" (mit Elias
Steinmeyer, 2 Bde., Verl. 1879-82), "Tübinger
Bruchstücke der ältern Frostuthingslög" (Halle 1886),
die "Orsorder Venediktinerregel" (ebd. 1887) und
schrieb unter anderm "Der Heliand und die angel-
sächs. Genesis" (ebd. 1875), "Grundzüge der Laut-
physiologic" (Lpz. 1876; 4. Aufl. u. d. T. "Grund-
züge der Phonetik", ebd. 1893), "Angelsächs. Gram-
matik" (2. Aufl., Halle 1886), die für die altengl.
Dialektforschung bahnbrechend war. Seine "Proben
einer metrischen Herstellung der Eddalieder" (Halle
1885) vertreten Ansichten über den Allitterations-
vers, die er auch in mehrern in den "Beiträgen zur
Geschichte der deutschen Sprache und Litteratur" er-
schienenen Arbeiten erörtert; ihre endgültige Fassung
fanden sie in seiner "Altgerman. Metrik" (ebd. 1892).
Sievers, Jakob Johann, Graf (russ. Iakow
Iefimowitsch), russ. Staatsmann, geb. 30. (19.) Aug.
1731 in Wesenberg in Esthland, wurde 1750 von
der Kaiserin Elisabeth zum Premiermajor und Ober-
quartiermeister der Armee unter Feldmarschall Gra-
fen Aprarin in Preußen, dann zum Oberstlieutenant
und Generalquartiermeister ernannt und lebte bis
zur Thronbesteigung Peters III. in Neapel. Von
Katharina II. 1764 zum Gouverneur von Nowgorod
ernannt, führte er zunächst den Kartoffelbau, 1765
ein nach europ. Begriffen geregeltes Postwcsen ein
und veranlaßte die Abschaffung der Tortur im Ge-
richtswefen (laut Ukas vom 11. Nov. 1767) für ganz
Ruhland. Darauf legte er der Kaiferin feinen Plan
der Statthalterschaftsverfassung vor. Zum General-
gouvcrneur von Nowgorod, Twer und Pskow er-
nannt, führte er 1775 in Twcr die neue Ordnung
ein, worauf die Organisation der übrigen Gouverne-
ments folgte. Dem Einfluß Potemkins weichend,
nahm S. 1781 seine Entlassung, worauf Katharina
ihn 1782 zum Wirkl. Gehcimrat ernannte. Nach
Potemkins Tode (1791) ernannte ihn Katharina
zum Gesandten in Polen, wo er 1793 die zweite
und 1795 die dritte Teilung Polens einleitete. Von
Kaiser Paul wurde S. 1796 zum Senator und Mit-
glied des Staatsrats, 1797 zum Chef des neuen
Departements der Wasserkommunikation über das
gesamte Reich ernannt. 18. (7.) April 1798 wurde
er mit seinen beiden Brüdern in den erblichen
russ. Reichsgrafenstand erhoben, erhielt 1. Juni den
erbetenen Abschied, zog sich 1800 nach dem Gut
Vauenhof in Livland zurück und starb daselbst 23.
(11.) Juli 1808. Der Sievcrskanal (s. d.) trägt
seinen Namen. - Vgl. Vlum, Ein russ. Staats-
mann. Des Grafen Jakob Johann von S. Denk-
würdigkeiten zur Gefchichte Rußlands (4 Bde., Lpz.
1857-58); Bienemann, Die Statthalterschaftszeit
in Livland und Esthland (ebd. 1886).
Sievershausen, Dorf im Kreis Burgdorf des
preuh. Reg.-Bcz. Lüneburg, 26 km östlich von Han-
nover, hat (1890) 400 E., evang. Kirche. Es ist be-
kannt durch die Schlacht zwischen dem Kurfürsten
Moritz (s. d.) von Sachfen und dem Markgrafen
Albrecht von Brandenburg 9. Juli 1553, in der
Moritz siegte, aber tödlich verwundet wurde. Ihm
wurde 1853 ein Denkmal bei S. errichtet.
Sieverskanal oder Nowgorodscher Kanal
im russ. Gouvernement Nowgorod, bei der Stadt
Nowgorod, 10 km lang, verbindet den Wolchow
mit der Msta zur Umgehung des Ilmensees, wurde
1798-1803 vom Grafen Jak. Joh. Sievers erbaut
und nach diesem benannt. Der S. gehört zum
Wyschnewolozschen Kanalsystem.
Sieyes (spr. ßjcjähs oder hlähs), Emanuel Josef,
Graf, Publizist und Staatsmann der Französischen
Revolution, geb. 3. Mai 1748 zuFrijus, wurde.
1775 Kanonikus in der Bretagne, dann Generalvikar
des Bischofs von Chartres und später Mitglied der
Ersten Kammer des Klerus von Frankreich. 1788
schickte ihn sein Staud als Abgeordneten aus die
Provinzialversammlung nach Orleans. Er war ein
Anhänger der neuen Ideen und veröffentlichte in
diefem Sinn mehrere Flugschriften, darunter der
"1^83^1 8nr 168 privii6F63" (1788), das berühmt-
Pamphlet "Hu'68t-c6 yus 1e ti6i-8-6tat" (1789) unl
"I^econnaiLZHiice et 6xp08ition ä68 äroitg äi
I'koinnis et du cito^6n" (1789). Als Pariser Depu-
tierter des dritten Standes wurde er 1789 in die
Generalstände gewählt, deren Umwandlung in die
Nationalversammlung er vor allen bewirkt hat.
Auch bei den Verhandlungen über die Menschen-
rechte, das Veto, Ein- oder Zweikammersystem, die
Departementseinteilung war er eifrig beteiligt. In