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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Silo - Silva
Silo, Silospeicher, Getreide- oder Korn-
speicher, Getreide- oder Kornkeller, ein aus
senkrechten Schächten gebildeter Behälter zur lün-
gern Aufbewahrung von Getreide, neuerdings auch
zur Ensilage (s. d.). In südl. Ländern ist seit uralten
Zeiten das Getreide in trocknen Erd- oder Stein-
gruben unter Abschluß der Luft und Feuchtigkeit auf-
bewahrt worden. Von diesem Verfahren leitet sich
das heutige Silospeicherverfahren ab, wie auch der
Name S. spanisch ist. <S. Mehlfabrikation, Bd. 11,
S.732a, und Tafel: Mehlfabrikation, L.)
Silo, Stadt des Stammgebietes Ephraim in
Palästina, hatte ein angesehenes israel. Heiligtum
(Tempel) mit der Bundeslade (s. d.), als deren Hüter
einst Samuel (s. d.) bestellt war. Nach Ios. 18 wurde
hier das Westjordanland an die israel. Stämme
verteilt. Die Ier. 7,12,14 erwähnte Zerstörung des
Heiligtums fand wahrscheinlich in den Philister-
kriegen vor Saul statt. Der Ort war noch später
bewohnt; jetzt das verfallene Dorf Selun 18 km
südlich^>on Nabulus.
Siloah, bezeichnet Ies. 8, 6 vielleicht die "be-
wässerte" Gegend des untern Tyropöonthals im
alten Jerusalem (s. d.). Der jüd. Schriftsteller Io-
sephus bezieht S. auf die "Quelle", richtiger auf
die Mündung des durch den Felsen getriebenen
Tunnels, der das Wasser der heutigen Marien-
quelle (arab. Ain Umm ed-Deredsch), des alten
Gihon (s. d.), vom Ostabhang an den Wcstabhang
des Zion ss. d.) führt. Das Neue Testament nennt
Luk. 13, 4 einen Turm in S., wohl einen Turm
der Stadtmauer in dieser Gegend, und Joh. 9,7
einen Teich von S., der sich vor der Mündung des
erwähnten Tunnels befunden haben muß, mit dein
jetzigen (1889 eingestürzten) Siloahteich aber nicht
ganz zusammenfiel. Wegen Joh. 9 wurde dem
Wasser der Siloahquelle besondere Heilkraft zu-
geschrieben. Im südl. Ausgang des Siloahkanals
wurde 1880 eine althebr. Inschrift, diefog.Silo ah-
inschrift, entdeckt, die über die Anlage desselben
(wahrscheinlich um 700 v. Chr.) einen kurzen Be-
richt giebt. Das heutige Dorf S. (arab. Silwan)
ist erst im Mittelalter entstanden.
Siloti, Alexander, Pianist, geb. 10. Okt. 1803
auf dem seinem Vater gehörenden Gute Ampilowo
bei Charkow in Südruftland, war Schüler von Niko-
laus Rubinstein, Tschaikowski und Franz Liszt und
trat 1880 in einem Konzert der kaiserl. Russischen
Musikgesellschaft in Moskau zum erstenmal in die
Öffentlichkeit. In Deutschland führte er sich auf der
Leipziger Tonkünstlerversammlung 1883 ein, siedelte
1890 nach Paris über und lebt seit 1895 in Ant-
werpen. S. zeichnet sich vor den gewöhnlichen
Bravourspielern der Lisztschen Schule durch reichere
musikalische Begabung aus.
Siiptia., 3iiVkia2.V, s. Aaskäfer.
3Npkinin, s. Kompaß pflanzen.
Sils. 1) S. im Eng ad in, roman. Segl,
Dorf im Bezirk Maloja des schweiz. Kantons
Graubünden, auf dem rechten Ufer des Inns, in
1797 m Höhe, zwischen dem Silser und Silva-
planer See, hat (1888) 194 E., darunter 18 Katholiken,
und besteht aus den Häusergruppen Sils-Base-
glia an der Hauptstraße des Engadin und dem süd-
lich von diesem beim Eingang des Val Fex anmutig
gelegenen Sils-Maria, das als Sommerfrische
und Luftkurort viel besucht wird. Der Silser See
(1796 iu), der größte und schönste der vier Seen,
welche der Inn im Obcrengadin bildet, ist 7 km lang,
^'4 bis 1^/2 km breit, 4 ykm groß und 74 N tief. -
2) S. im Domleschg, roman. Seglias, Dorf
im Bezirk Heinzenberg des Kantons Graubünden,
1^/2 kni nordöstlich von Thusis, in 696 m Höhe, auf
der Halbinsel zwischen dem Hinterrhein und der Al-
bula an der Schynstraße (s. Schyn), hat (1.8W^45E.,
darunter 82 Katholiken, zwei Kirchen und mehrere
alte Herrenhäuser der Familien Donats und Salis.
S. brannte 30. April 1887 fast ganz ab. In der
Umgebung befinden sich die Ruinen der Burgen
Hohen-Realta, Ehrcnfels und Campi sowie das
alte Schloß Baldenstein. - 3) S. im Vergell,
s. Soglio.
Silurifche Formation wurde von Murchison
die untere Abteilung der Grauwackengruppe ge-
nannt, weil er dieselbe zuerst in dem Gebiet des
alten Königreichs der Silurer im Westen Englands
als selbständige Formation erkannte und von den
neuern, später als devonisch bezeichneten Grau-
wackenbildungen absonderte. Diese Formation ge-
hört zu den ältesten versteinerungsführenden Bil-
dungen der festen Erdkruste (Primordialfauna);
sie wird besonders charakterisiert durch Graptolithen,
gewisse Arten von Orthoceratiten und Trilobiten
(f. die Abbildungen einiger Leitfossilien auf der Ta-
fel: Petrcfakten der Paläozoischen Forma-
tionsgruppe I, Fig. 2-20, Bd. 12, S. 814).
Überreste von Wirbeltieren und Landpflanzen fehlen
in ihr beinahe gänzlich. Nachdem diese Formation
in England einmal als eine besondere erkannt und
1840 von Murchison in seinem Werke "II16 8i1m-ia.ii
8M6in" beschrieben worden war, hat man sie auch
in Nordamerika, Ruhland und Skandinavien als
sehr verbreitet wiedererkannt. Minder h^sitz Kitt
sie in Centraleuropa auf, am schönsten entwickelt in
Böhmen, westlich von Prag, wo dieselbe ein großes
beckenförmiges Gebiet ausfüllt.
3i1ürus, Fischgattung, s. Wels.
Silva, Antonio Diniz da Cruz e, portug. Dich-
ter, s. Diniz.
Silva, Antonio Jose da, genannt 0 Iudeu ("der
Jude"), portug. Bühnendichter, geb. 8. Mai 1705 zu
Rio de Janeiro als der letzte Sohn eines getauften
Juden, studierte in Coimbra die Rechte und wollte
eben 1726 seine Thätigkeit als Advokat beginnen, als
er mitsamt seiner schon früher des Judaismus ver-
dächtigten Mutter vor das Inquisitionstribunal ge-
fordert wurde. Schließlich freigesprochen, arbeitete
er als Advokat in Lissabon. 1737 wurde S. jedoch
von neuem vor die Schranken des Inquisitionstri-
bunals geladen und nach zweijähriger Gefangen-
schaft zum Tode verurteilt. Am 19. Okt. 1739 ward
das Urteil in feierlichem Auto de W vollstreckt. Die
Parodie mytholog. Stosse und altklassischer Fabeln
und der große scenische Apparat der "Oper^Z" nähert
S.s Singspiele den modernen Offenbachiaden; der
Humor, welcher die echt portug. Sitten und Zeit-
bilder adelt, erhebt sie jedoch zu epochemachenden
Erscheinungen. Die bedeutendsten der Stücke sind:
"^mpk^'ti'iuo", "NäOMiäii", "Don tzuixots" und
"(FiierrüZ 60 ^lecrim 6 NanFeronii". Gedruckt wur-
den sie erst in Einzelheften (1736-37), dann gesam-
melt im a^kLÄtro coinico portuFUL?" (4Boe.,Lissab.
1744,1747,1753,1759 und 1787-92), welches acht
Stücke von S. enthält. Ein Stück, "0 äiadiulio äa
mu0 flira.ä3.", erschien erst 1860 in der "Rsvistg.
Nr^ilLii-H". - Vgl. Wolf, Dom Antonio Ioss da
S., der Verfasser der sog. Opern des Juden (Wien
1860); David, 1.68 opei-aL du "luik (Par. 1880).