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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Skandinavische Kunst

fehlen und abgesetzte, Versteinerungen führende Schichten sind selbst im Tieflande selten. Daher auch der unfruchtbare, meist nur aus verwittertem Urgestein bestehende Boden sowie der Umstand, daß Salz ganz fehlt und Steinkohlen nur an der Südspitze vorkommen, während das Land sonst einen Reichtum an Silber, Kupfer und vorzüglich an Eisen besitzt.

Wenige Länder sind so gut bewässert wie S.; die Gebirge, der reichliche Wasserniederschlag, die nördl. Lage und der umfangreiche Waldgrund sind die Ursachen dieses Wasserreichtums. Dennoch sind die Flüsse wenig zur Schiffahrt geeignet, zunächst weil sie sich nur selten zu großen Strömen einigen, und wegen ihrer felsigen Flußbetten, ein Umstand, der dem Lande einen Reichtum an malerischen Wasserfällen verleiht. Die ganze Ostseite der Halbinsel wird von zahlreichen Flüssen und Flüßchen, die fast alle den Namen Elf führen, durchfurcht. Sie entspringen größtenteils auf dem Gebirge, von dem sie dem Bottnischen Meerbusen, der Ostsee, dem Kattegat oder dem Skagerrak zuströmen in einer Richtung, die bei den nördl. Flüssen von NW. nach SO. geht, dann aber südwärts bei den einzelnen Flüssen sich immer mehr nach Süden wendet, bis sie bei den südlichsten völlig von N. nach Süden geht. Die bedeutendsten davon sind von N. her die Torneå-, Luleå-, Piteå-, Umeå-, Ångerman-, Indals-, Ljusne-, Dal- und Motalaelf, die in den Bottnischen Meerbusen und in die Ostsee, die Götaelf und der Glommen mit dem Nebenflusse Lågen, welche in das Skagerrak münden. Weniger und nur geringere Flüsse strömen dagegen auf dem steilen Westabhange des Gebirges dem Meere zu. Außerdem bestehen zahlreiche Flußseen, teils auf dem Gebirge selbst, teils und hauptsächlich am östl. Fuße desselben, teils im Tieflande. Hier liegen unter andern Wener-, Wetter-, Hjelmar- und Mälarsee. Dieselben bilden eine Einsenkung in den Boden Schwedens, die, Götaland von Svealand trennend, von Meer zu Meer reicht und jetzt durch Kanäle eine Wasserverbindung zwischen der Nord- und Ostsee herstellt.

Das Klima ist vermöge der maritimen Lage auf der Westseite eines Kontinents bei weitem milder als in den östlichern Gegenden unter derselben Breite. Ein ebenso großer Unterschied stellt sich aber in den einzelnen Teilen der Halbinsel heraus, je nachdem sie mehr nach N. oder Süden oder auf der Ost- oder Westseite des Gebirges gelegen sind. Während die Westseite vermöge der vorherrschenden feuchten und warmen Westwinde und der Meereswinde und der Meeresströmungen in jeder Beziehung ein Küsten-, d. h. ein sehr feuchtes Klima besitzt mit verhältnismäßig mildenWintern und kühlen Sommern, nähert sich das Klima der Ostseite schon mehr dem Kontinentalklima Rußlands und hat bei größerer Trockenheit im allgemeinen wärmere Sommer und kältere Winter. Nach N. zu nimmt der Sommer verhältnismäßig an Länge ab, bis er sich jenseit des Polarkreises, Frühling und Herbst eingerechnet, auf 56 Tage beschränkt. Ein ähnlicher Unterschied findet auch hinsichtlich des Niederschlags statt. Während die Westküste der Halbinsel die regenreichste Gegend (2000 mm oder mehr jährlich) Europas ist, fällt auf der Ostseite nur ein Viertel derselben Regenmenge, und zwar vorherrschend im Sommer, dagegen auf der Westseite fast in allen Jahreszeiten gleichmäßig. Die Grenze des ewigen Schnees im Gebirge hat, je nach seiner südlichern oder nördlichern Lage, eine verschiedene Höhe. Auf der Ostseite steigt die Schneegrenze wegen der größern Sommerwärme im ganzen etwas höher hinan als auf der Westseite des Gebirges, wo die kühlern Sommer das Schmelzen des Schnees nicht so befördern. Am Galdhöpiggen liegt sie im O. 1446, im W. 1255 m hoch.

Im gewöhnlichen Leben braucht man S. auch als Gesamtbenennung der drei nordischen Reiche Dänemark, Schweden und Norwegen.

Skandinavische Kunst, gemeinsame Bezeichnung für die norweg. und schwed. Kunst. (Hierzu die Tafeln: Skandinavische Kunst I-III, auf denen auch Abbildungen zur Dänischen Kunst (s. d.) Platz gefunden haben.)

I. Norwegische Kunst. 1) Baukunst. Die ersten Kirchen wurden um das J. 1000 in einfach anglosächs. und später in anglo-normann. Stil errichtet. Die bedeutendsten Reste der roman. Kirchenbaukunst in Norwegen sind: die Basiliken zu Oker bei Kristiania und zu Ringsaker, die Domkirche zu Stavanger (etwa 1111-30), deren Chorbau jedoch got. Ursprungs ist, die Domkirche zu Hamar (1152-1309; seit 1567 Ruine), die Marienkirche zu Bergen (vor 1183) mit einem got. Chorbau, der Querbau der Domkirche in Throndhjem (1161-78). Verschwunden sind: die Christkirche in Bergen (1075-1164), die Marienkirche in Throndhjem (um 1050) und die St. Halvardskirche in Oslo (etwa 1111-30). Sodann haben sich interessante Reste von Klosterkirchen und Klostergebäuden aus jener Zeit erhalten. Ebenso wie der roman. Stil kam auch der got. Stil über England nach Norwegen. Das bedeutendste Denkmal der kirchlichen Gotik ist der Dom zu Throndhjem (s. Taf. I, Fig. 2), dessen Langhaus 1248 gleichzeitig mit dem Kölner Dom gegründet wurde; um 1299 ist die Kirche jedenfalls vollendet worden. Mehrmals (1328, 1432, 1531) wurde das in reichstem engl.-got. Stil aufgeführte Gebäude durch Feuer beschädigt, so daß es in ruinenhaftem Zustande sich befand, bis man 1869 die Restauration begann. Unter den weltlichen Bauten der Gotik ist die um 1248-60 erbaute, jetzt restaurierte Königshalle in Bergen zu nennen. Während die Steinbauten sich der engl. Bauweise anschließen, scheinen die Holzkirchen (Stavkirker, Stabkirchen) innerhalb des Landes ihre Konstruktion entwickelt zu haben; die zahlreichen Dächer, Giebel und Türme der basilikenartigen Anlage mit Apsis und umschließendem Laufgang verleihen diesen Gebäuden ein eigentümliches Aussehen. Mit der Reformation hört diese charakteristische Bauart auf. Die meisten Stabkirchen, von denen etwa 30 mehr oder weniger wohl erhalten bestehen, gehören dem 12. und 13. Jahrh. an; so die zu Urnes, Borgund (s. umstehende Abbildung), Hitterdal, Hopperstad, Fortun, Gol und die 1844 nach dem Riesengebirge versetzte Kirche Wang (s. Brückenberg). Vgl. Dietrichson und Munthe, Die Holzbaukunst Norwegens in Vergangenheit und Gegenwart (Berl. 1893). - Die Zeit der Reformation, für das übrige Europa eine Zeit der Wiedergeburt der Kunst, wurde für Norwegen, das 1537 in ein provinzielles Verhältnis zu Dänemark trat, die Zeit des tiefsten Verfalls politisch wie künstlerisch. Die mittelalterlichen Bauten wurden zerstört, die beweglichen Kunstwerke aus dem Lande entführt. Die Baukunst Norwegens im 19. Jahrh. ist nicht allzu glänzend in die Erscheinung getreten; von besonderer Bedeutung sind höchstens in Kristiania das königl. Schloß von Linstow (1825-48), das Universitätsgebäude von C. Grosch (1841-53),