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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Skorpionsfliege - Skrofulose

drüsen, deren Ausführungsgänge an den Seiten der Stachelspitze nach außen münden. Auf der Oberseite des Kopfbruststücks stehen 3‒6 Paar einfache Augen. Die kurzen, aber kräftigen Kieferfühler sind scherenförmig, die Kiefertaster beinartig verlängert und am Ende ebenfalls mit Scheren ausgerüstet. Sie gleichen also den Krebsscheren, nur liegt der bewegliche Finger an der Außenseite. Am Grunde des Hinterleibs stehen an der Bauchseite ein Paar große, kammförmige Anhänge, wahrscheinlich Tastorgane. An den auf die Kämme folgenden Ringen münden durch schmale spalten vier Paar sog. Lungen nach außen. Die S. sind nächtliche Tiere, am Tage unter Steinen, in zerfallenem Holze oder in Erd- und Mauerlöchern verborgen. Sie lieben die Feuchtigkeit, vor allem die Wärme und dringen deswegen in menschliche Wohnungen ein. Nachts stellen sie rasch und gewandt Insekten und Spinnen nach. Die Beute wird mit den Scheren der Kiefertaster ergriffen, durch einen schnellen Stich mit dem über den Körper hinweg gebogenen Schwanzstachel getötet, ausgekaut und die flüssigen Teile aufgesogen. Außer zur Überwältigung der Beute gebrauchen die S. ihren Giftstachel auch zur Verteidigung. Ihr Stich ist sehr schmerzhaft und bei den großen, in den Tropen einheimischen Arten, von denen einige eine Länge von 15 cm erreichen, selbst für den Menschen tödlich. Die S. gebären lebendige Junge, die noch einige Zeit nach der Geburt bei der Mutter bleiben. Die bis jetzt bekannten etwa 200 Arten bewohnen die heiße und die wärmere gemäßigte Zone aller Erdteile. Auch Südeuropa beherbergt einige Arten, von denen der europäische Skorpion (Euscorpius carpathicus L., s. Tafel: Spinnentiere und Tausendfüßer Ⅱ, Fig. 1) nach Norden hin bis zu den Karpaten und Tirol vorkommt. Er wird 3‒4 cm lang und ist rotbraun, unten, an den Beinen und am Giftstachel gelb gefärbt. Sein Stich ist etwa dem einer Wespe zu vergleichen. Der Skorpion gilt als Symbol des Typhon, des bösen Genius der agypt. Mythologie, und auf alten geschnittenen Steinen steht ihm vielfach Anubis in beschwörender Stellung gegenüber.

Skorpionsfliege (Panorpidae), eine zu den Plattflüglern (s. d.) gehörige Netzflüglerfamilie. Der Kopf ist in einen nach unten gerichteten Schnabel ausgezogen, der an seinem Ende die scharfen Oberkiefer trägt. Die Flügel sind schmal, können auch verkümmert sein, Fühler und Beine sind lang und dünn. Die S. ernähren sich als Räuber von andern Insekten, ihre im Boden lebenden Larven sind raupenähnlich. Die gemeine S. (Panorpa communis L., s. Tafel: Insekten Ⅲ, Fig. 13) ist braunschwarz mit gelben Beinen und dunkel gefleckten Flügeln. Beim Männchen sind die letzten Hinterleibsringe dem Schwanze eines Skorpions ähnlich in die Höhe gebogen und endigen mit einem bei der Begattung gebrauchten Klammerorgan.

Skorpionspinnen, s. Geißelskorpione.

Skorpionswicke, s. Coronilla.

Skotōm (grch.), Bezeichnung dunkler (blinder) Stellen im Gesichtsfelde des Auges, die eine bestimmte Stelle in demselben unbeweglich einnehmen und auf herdförmigen Erkrankungen der innern Augenhäute oder des Sehnerven beruhen, infolge deren die betroffenen Partien gar nicht oder doch schlechter sehen als die angrenzenden Netzhautstellen. Am meisten leidet das Sehvermögen, wenn bei Erkrankung des gelben Flecks oder der an diesem endigenden Sehnervenfasern die Stelle des Fixierpunktes von dem S. gedeckt wird (centrales S.).

Skotschau, poln. Skoczów, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Bielitz in Schlesien, an der Weichsel, über die eine 308 m lange Brücke führt, an der Linie Kojetein-Bielitz der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, Sitz eines Bezirksgerichts (408,47 qkm, 30944 poln. E.), hat (1890) 3223 meist deutsche E., kath. Kirche mit wertvollem Altarbild, evang. Kirche, schönes Rathaus, Schloß; Streichgarnspinnerei, Tuchfabrikation, Sesselfabriken und Holzindustrie.

Skovgaard, Peter Christian, dän. Landschaftsmaler, geb. 4. April 1817 bei Ringsted, besuchte die Kunstschule in Kopenhagen und konnte schon 1843 sein Gemälde Nordskov bei Jägerspris an die königl. Gemäldesammlung verkaufen. Von dieser Zeit an schwang er sich bald zu einem der ersten Künstler Dänemarks auf; besonders war seine Wiedergabe des vegetativen Lebens ausgezeichnet, während seine Farbe oft etwas hart und trocken ausfiel. Eine Reise nach Italien 1854‒55 gab seiner Auffassung der heimatlichen Gegenstände eine Großartigkeit, die er früher nicht erreicht hatte, und eine Einfachheit der malerischen Mittel, die ebenso wirkungsvoll als überraschend ist. Er starb 13. April 1875. – Seine Söhne Joachim S., geb. 1856, und Nils Christian S., geb. 1858, sind beide hervorragende Künstler.

Skramasax, Waffe, s. Scramasax.

Skrei, norweg. Bezeichnung des Kabeljaus.

Skriba (das lat. scriba, d. i. Schreiber), in Rheinland und Westfalen Bezeichnung für die Protokollführer der evang. Synoden.

Skribént (lat.), Schreiber, Schriftsteller.

Skriptum (lat.), Geschriebenes, Schrift, Schreiben; schriftliche Schulübung.

Skriptūr (lat.), Schreiberei, Schrift, Schriftstück.

Skrofulōse, Skrofelkrankheit, auch Drüsenkrankheit, ein krankhafter Zustand, bei dem die Anlage für eine Reihe von entzündlichen Ernährungsstörungen, namentlich der Lymphdrüsen, dann aber auch der äußern Haut, der Schleimhäute, der Gelenke, Knochen und Sinnesorgane vorhanden ist. Diese Ernährungsstörungen, die auch sonst häufig vorkommen, bezeichnet man dann als skrofulös, wenn sie mit Entzündung und Schwellung der Lymphdrüsen auftreten, einen sehr chronischen, hartnäckigen Verlauf haben und wiederholt auf sehr geringfügige, leicht zu übersehende Veranlassung auftreten. Nach neuern Untersuchungen ist die S. als eine chronische lokale Tuberkulose der Lymphdrüsen zu betrachten, infolge deren der ganze Organismus in hohem Grade zu schleichenden Entzündungen prädisponiert wird; diese lokale Drüsentuberkulose kann in vollständige Heilung übergehen, was bei sorgfältiger Behandlung gewöhnlich der Fall ist, kann aber auch bei unzweckmäßigem Verhalten schließlich allgemeine Tuberkulose zur Folge haben. Den Verdacht der S. erwecken Individuen, die neben einem blassen Aussehen (Blutarmut) dennoch nicht arm an Fett sind, namentlich an gewissen Körperstellen (Oberlippe, Nase) Fettanhäufungen darbieten (wulstige Lippen, kolbige Nase). Man unterscheidet zwei wesentlich verschiedene Formen des skrofulösen Habitus, die sog. torpide S., die sich durch grobe Gesichtszüge, breite Kinnbacken, gedunsenes Aussehen, einen aufgetriebenen Leib und das schlaffe, schwammige Fleisch charakterisiert, und die sog. erethische S., die einen spärlichen dünnen Knochenbau, zarten