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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Skrubber - Skutari

Teint mit durchsichtiger Haut, schlechte Entwicklung, schmale Brust und weiche Muskeln darbietet. Die Drüsenerkrankung ist entweder akut entzündlicher Art, wobei die erkrankten Drüsen vereitern und sehr schmerzhaft sind, oder sie stellen schmerzlose Geschwülste dar. Von den Hautausschlägen kommen (namentlich am Kopfe und Gesicht) besonders die nässende Flechte und der Grind (Eczema und Impetigo) vor. (S. Ekzem.) Die Schleimhäute werden häufig von den Hautausschlägen in Mitleidenschaft gezogen (Schnupfen, Ohrenfluß) oder erkranken, wie die der Lungen und des Darms, katarrhalisch. Die Gelenkentzündungen treten entweder als Gelenkwassersucht oder als schleichende Entzündung der Gelenkbänder (weiße Gelenkgeschwulst, s. Gliedschwamm) auf, und die Knochenentzündungen, die von der Knochenhaut ausgehen, führen häufig zur Zerstörung des Knochens, so namentlich in der Nase, im Gehörgang. Die Entzündungen der Augen befallen den Lidrand sowohl als die Bindehaut und auch die Hornhaut, woselbst sie häufig zu Trübungen, bei Vernachlässigung selbst zur Erblindung führen.

Die S. tritt meist im Kindesalter auf und verliert sich in der Regel zur Zeit der Geschlechtsreife mehr oder minder vollständig, seltener tritt sie später wieder oder überhaupt erst nach diesem Zeitpunkt ein. Sie ist angeboren oder erworben. Die angeborene S. findet sich namentlich bei Kindern skrofulöser Eltern; ferner bei solchen Kindern, deren Eltern während der Zeugung oder Schwangerschaft an Tuberkulose, Krebs, tertiärer Syphilis oder einem andern Siechtum litten oder bereits bejahrt oder nahe verwandt waren. Von Haus aus gesunde Kinder können skrofulös werden infolge unzweckmäßiger Ernährung, namentlich in den ersten Lebensjahren, bei mangelhafter Bewegung und der Entbehrung frischer Luft. Daher sind aufgefütterte, mit schwer verdaulichen Nahrungsmitteln (Kartoffeln, Erbsen, viel Brot) ernährte Kinder häufig skrofulös. Auch bei Erwachsenen kann sich die S. unter denselben Einflüssen entwickeln. Ein Teil der Behandlung der S. ergiebt sich von selbst. Skrofulöse Kinder müssen eine vorzugsweise aus Milch, Fleisch u. dgl. bestehende Nahrung erhalten, viel Zeit im Freien, wenig in überfüllten Zimmern (Schulstuben) zubringen und fleißig gebadet werden. Der bei S. so beliebte Leberthran empfiehlt sich bloß bei der erethischen Form, während ihn die fetten Skrofulösen meist ohne Erfolg nehmen. Eichelkaffee und Walnußblätterthee, die beide gleichfalls oft verwendet werden, sollen nur bei chronischem Darmkatarrh getrunken werden. In hohem Ruf stehen der Gebrauch der Solbäder, der Seebäder, die Kaltwasserkuren sowie die Anwendung jodhaltiger Mineralwässer (Adelheidsquelle, Krankenheil u. a.). - Vgl. Waldenburg, Tuberkulose, Lungenschwindsucht und S. (Berl. 1869); Hüter, Die S. und ihre lokale Behandlung (Lpz. 1872).

Skrubber, Gaswäscher, s. Gasbeleuchtung (Bd. 7, S. 566a).

Skrupel, s. Apothekergewicht und Escrupulo.

Skrutinialverfahren, s. Scrutinium.

Skrutinieren (lat.), nachforschen, untersuchen.

Skrzynecki (spr. ßkrschünetzki), Jan Boncza, poln. Revolutionsgeneral, geb. 18. Febr. 1786 in Galizien, diente seit 1806 im 1. poln. Infanterieregiment unter Napoleon und erhielt 1815 in Polen als Oberst das 8. Infanterieregiment. Beim Ausbruch der Revolution von 1830 wurde S. zum General und Commandeur der 3. Infanteriedivision ernannt und zeichnete sich in der Schlacht bei Grochow, 25. Febr. 1831, so aus, daß er am folgenden Tage an Stelle Radziwills zum Oberfeldherrn ernannt wurde. Ende März schlug er den General Geismar bei Wawre und den General Rosen bei Dembe. Am 8. April kam es bei Iganie zum Treffen, wo 8000 Polen ein dreifach überlegenes russ. Korps schlugen. S. benutzte diesen Sieg nicht und ließ auch die längs der Narew stehenden russ. Garden trotz seiner großen Übermacht entkommen. Eine Folge davon war seine Niederlage bei Ostrolenka 26. Mai, die ihn zum Rückzug nach Warschau nötigte. Da S. sich durch sein Zaudern verdächtig gemacht hatte, schickte der poln. Reichstag 10. Aug. eine Untersuchungskommission in sein Lager ab, worauf S. sofort den Oberbefehl niederlegte. Am 22. Sept. trat er auf das Gebiet des Freistaates Krakau über, lebte dann in Prag, bis er 1839 nach Belgien ging, wo er den Oberbefehl über das Heer übernahm, aber auf Reklamation Rußlands, Österreichs und Preußens noch in demselben Jahre als Divisionsgeneral zur Disposition gestellt wurde. Er starb 12.Jan. 1860 in Krakau.

Skudesnäshavn, Stadt auf Karmö (s. d.).

Skuld, eine der drei Nornen (s. d.).

Skull (engl., spr. ßköll), Doppelruder, s. Riemen.

Skulptur (lat.), s. Bildhauerkunst.

Skulpturthäler, s. Thal.

Skunks, die Felle des Skunkses oder Stinktiers (s. d.) in Nordamerika, bilden erst seit etwa 1860 einen Marktartikel, als es nach vielen vergeblichen Versuchen endlich gelang, sie von ihrem widrigen Geruch zu befreien. Seitdem werden jährlich gegen 600 000 Stück nach Europa eingeführt und meist nach Rußland und Polen verkauft, wo sie ein beliebtes Pelzwerk bilden. Die Felle sind dunkelbraun oder schwärzlich im Haar, haben aber in der Mitte zwei weiße Streifen von grobem Haar, die vom Kopf an beiden Seiten des Rückens bis zum Schwanz des Tieres gehen. Diese Streifen werden ausgeschnitten und nur die dunkeln Stücke kommen, zusammengesetzt, zur Verwendung. Der Preis des Felles beträgt 6-12 M.

Skupschtina (serb.), Versammlung; die Volksvertretung in Serbien (s. d., S. 871 a).

Skurril (lat., von Scurra, s. d.), possenhaft.

Skutari. 1) Hauptort des türk. Wilajets S. in Albanien, türk. Ischkodra,slaw. Skadar, früher Scodra (Skodra) genannt, liegt nahe der südöstl. Spitze des 48 km langen, 6 km breiten, 373 qkm großen Sees von S., zwischen diesem, dessen Abfluß, der 22 km weiter unterhalb in das Adriatische Meer mündenden schiffbaren Bojana, dem Hauptarm des Drin und seinem rechten Zufluß, dem Kir, am südl. Endpunkt einer fruchtbaren Ebene und zählt etwa 20 000 E., vorwiegend Albanesen. S. besteht aus weitläufigen Gehöftkomplexen. Wollweberei, Schiffbau und Waffenverfertigung sind die Hauptindustriezweige. Ausgeführt werden Wolle, Seide, Öl, Bau- und Färbeholz, Mais, Weizen, Leinsamen, Blutegel, Hasenfelle, Leder, gesalzene Fische (Scoranzen), Schildkröten, Kastanien, Nüsse u. s. w. - Das antike Scodra, am See Labeatis und dem Fluß Barbana, war feste Residenz des Königs Gentius von Illyrien, fiel nach dessen Besiegung durch den Prätor L. Anicius 168 v. Chr. in die Hände der Römer und erhielt später röm. Bevölkerung. Unter Diocletian wurde es Hauptstadt der neuen Provinz Praevalis. 395 kam es an Ostrom. Längere Zeit im Besitz der