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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Socialist - Société du Sacré-Cœur

Socialist, Anhänger des Socialismus (s. d.).

Socialistengesetz, s. Socialdemokratie.

Socialistenkongreß, s. Internationale Arbeiterkongresse (Bd. 17).

Socialökonomie, Sociallehre, s. Sociologie.

Socialpolitik, im weitesten Sinne das Verhalten des Staates in Bezug auf die gesellschaftlichen Zustände und Klassen überhaupt, in engerm Sinne seine Politik in Bezug auf den Stand der Lohnarbeiter, in einem noch andern Sinne das planmäßige positive Eingreifen des Staates zum Zwecke der dem Gemeinwohl förderlichsten Ordnung der socialen Verhältnisse. Als wissenschaftliche Disciplin begreift man unter S. die Lehre von der Arbeiterfrage, namentlich von den Maßnahmen, die Lage der Lohnarbeiter zu verbessern und sie gegen die Gefahren und Nachteile zu schützen, die aus der neuzeitlichen Gestaltung des Arbeitsverhältnisses entspringen. Die Schwierigkeit und Bedeutung der das Gebiet der S. berührenden Probleme haben sowohl im öffentlichen Leben, in Parlament, Vereinswesen, Presse, als auch in der wissenschaftlichen Litteratur verschiedene Parteirichtungen entstehen lassen. Auf der einen Seite steht die individualistische Richtung, die in ihrer extremen Ausbildung zur Manchesterdoktrin führt; nach ihr geht der bestmögliche Zustand der Volkswirtschaft aus der vollen volkswirtschaftlichen Freiheit und der Rechtsgleichheit der Einzelnen hervor. Maßvolle Anhänger dieser Richtung verwerfen heutzutage gleichwohl nicht jedes positive Einschreiten des Staates auf dem Gebiete der Arbeiterfrage; sie lassen z. B., was die Fabrikgesetzgebung (s. d.) betrifft, einen Schutz der Kinder durch den Staat zu, weil diese nicht im stande sind, sich selbst zu schützen. Was die erwachsenen Arbeiter anbetrifft, so legt diese Richtung hauptsächlich Nachdruck aus die Ausbildung des Koalitionsrechts (s. d.) und der Gewerkvereine (s. d.). Auf dem Gebiete des Gewerbewesens ist diese Schule Anhängerin der Gewerbefreiheit (s. d.); sie vertritt freie Teilbarkeit von Grund und Boden u. s. w. In der wissenschaftlichen Litteratur ist diese Richtung sehr zurückgedrängt; sie beherrscht aber in der Praxis noch die Anschauungen vieler. Die socialreformatorische Richtung, welche in Wissenschaft (Kathedersocialismus, s. d.) und Praxis immer mehr zur Geltung kommt, räumt das Vorhandensein von schweren Übelständen bei den gegenwärtigen socialen Verhältnissen ein, die weder durch das bloße Walten der wirtschaftlichen Freiheit noch durch einen auf vereinzelte Gruppen beschränkten Schutz der Gesellschaft wirksam zu bekämpfen seien. Über den Grad und die Art der Mitwirkung der Staatsgewalt bestehen allerdings sehr abweichende Ansichten. Hierher gehört auch die christlich-konservative Richtung, welche eine weitgehende Beteiligung der Kirche am Reformwerk fordert und namentlich auch für eine Wiederbelebung gewisser älterer Institutionen, wenngleich in einer der Neuzeit angepaßten Form, eintritt. Für die Ausbreitung der socialreformatorischen Schule sehr wichtig war die 1872 erfolgte Gründung des Vereins für S., der im Sinne der socialen Reform für die Aufklärung der öffentlichen Meinung wirken sollte. Einen Wendepunkt in der S. des Reichs bildet die kaiserl. Botschaft vom 17. Nov. 1881, mit welcher die Legislaturperiode des Reichstags eröffnet wurde; sie ist insbesondere wichtig für die Entwicklung der Arbeiterversicherung (s. d.). - Auf einem extremen Standpunkt steht der Socialismus (s. d.), welcher nicht eine Reform, sondern eine völlig neue Gesellschaftsordnung erstrebt. - Vgl. Stammhammer, Bibliographie der S. (Jena 1897); Scheel, Unsere socialpolit. Parteien (Lpz. 1878); Laveleye, Die socialen Parteien der Gegenwart (Tüb. 1884); Wasserrab, Sociale Politik im Deutschen Reich (Stuttg. 1889); Jentsch, Weder Kommunismus noch Kapitalismus (Lpz. 1893); Herkner, Die Arbeiterfrage (2. Aufl., Berl. 1897): Hirsch, Socialpolit. Studien (ebd. 1897); Sociale Praxis, Centralblatt für S. (ebd. 1892 fg.). S. auch Socialismus und Sociale Frage.

Socialwissenschaftliche Studentenvereine, s. Bd. 17.

Società Editrice Sonzogno (spr. ßotschĭetá editrihtsche ßonzonnjo, d. i. Verlagsgesellschaft Sonzogno), Buchdruckerei und Musikalienanstalt in Mailand. Der Verlag umfaßt eine Reihe illustrierter Werke, ferner Sammelwerke, wie "Biblioteca classica economica", "Biblioteca romantica economica", "Biblioteca universale", mehrere Zeitungen, darunter "Il secolo" (s. d.), endlich Musikalien (die Opern von Mascagni, Leoncavallo u. a.).

Societas Jesu (lat., d. h. Gesellschaft Jesu), s. Jesuiten.

Societas leonina (lat.), s. Gesellschaft.

Societät (lat.), Gesellschaft (s. d.), Genossenschaft (s. d.); auch Bezeichnung der öffentlichen gegenseitigen Feuerversicherungsanstalten (s. Feuerversicherung).

Societätsinseln, s. Gesellschaftsinseln.

Societätsspiel, s. Schafkopf.

Société anonyme (frz., spr. ßohĭeteh -nihm), s. Anonyme Gesellschaft.

Société Asiatique (spr. ßoßĭeteh -tik), franz. gelehrte Gesellschaft, s. Asiatische Gesellschaften.

Société des missions évangéliques, evang. Missionsgesellschaft (gegründet 1824) mit dem Sitz in Paris, wo sie im eigenen Missionshaus ihre Missionare ausbildet (seit 1887). An ihr sind Lutheraner und Reformierte, Nationalkirche und Freikirche beteiligt. Die Gesellschaft begann 1833 mit der Mission unter den Basuto, wo sich 1890 auf 16 Stationen 9476 Kommunikanten und 4408 Katechumenen befanden. Am Sambesi arbeitet sie unter den Barotse und hat seit 1863 in franz. Kolonien die Thätigkeit anderer, zum Teil verdrängter Missionen aufgenommen (Tahiti, Loyalty-Inseln, Westafrika). Neuerdings unterstützt sie die bedrängte (norweg.) evang. Mission auf Madagaskar. Sie hat zusammen 28 Stationen mit 34 Missionaren: Einnahmen (1894): 388 772 M. Organ: "Journal des missions évangéliques" (Paris).

Société du Sacre-Cœur, Gesellschaft des heiligen Herzens Jesu, eine 1794 von den Exjesuiten Tournely und Charles de Broglie unter Mitwirkung des Exjesuiten Pey als thatsächliche Fortsetzung des 1773 aufgehobenen Jesuitenordens zu Löwen gegründete Genossenschaft. Durch den Krieg aus Belgien vertrieben, fanden sie zuerst in der Diöcese Augsburg, dann in Österreich eine Zuflucht. Unter ihrem zweiten Superior, Varin, vereinigten sie sich 1799 mit Genehmigung Pius' VI. mit der Gesellschaft der Regulierten Kleriker vom Glauben Jesu, die der ital. Laie Nicol. Paccanari (Baccanari, seit 1800 nach einem abenteuerlichen Leben Priester) 1798 gegründet hatte. Paccanari wurde als gemeinsamer Oberer anerkannt (daher Paccanaristen; er wurde