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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Spanien (Pflanzen- und Tierwelt. Bevölkerung)

Unter den S. eigentümlichen Winden sind der Gallego, ein schneidender Nordwind, der über Galicien herkommt, und der Solano, der span. Sirocco, zu erwähnen. Erdbeben sind besonders im Süden von Valencia, Murcia und Granada häufig.

Pflanzen- und Tierwelt. Die Flora beginnt mit den Laub- und Nadelwaldungen der Pyrenäen (s. d.), im N. an Mitteleuropa anschließend; aber die Buche erreicht schon nicht mehr das Ebrogebiet südlich vom 42.° nördl. Br. und verliert sich im obern Duerogebiet. Hier wird sie auf dem nördl. Tafelland durch die immergrüne Eiche (Quercus ilex L.) und Pinie ersetzt, und etwas weiter südlich folgt die unbestrittene Kulturzone der Olive, zu welcher Feigen- und Mandelbaum sich gesellen. Die Mittelmeerflora erreicht in Andalusien und Granada in der Mannigfaltigkeit der immergrünen Gebüsche (Maquis) mit ebensolchen Eichen, darunter die Korkeiche, ihre höchste Entwicklung, und hier bedeckt auch Zwergpalmengestrüpp weite Ebenen am Guadalquivir, während andererseits die Sierra Nevada auf ihren obern Matten ("Borreguiles") eine Anzahl Alpenpflanzen eigener Art besitzt. Nicht unbedeutende Flächen sind von Steppen eingenommen.

Abgesehen von der neucastil. Steppe im Duerobassin (in der Nähe von Valladolid) und einer Menge kleinerer erstreckt sich eine Litoralsteppe aus der Gegend von Alicante bis gegen Almeria hin und begreift einen großen Teil von Südvalencia und Murcia in sich. Die granadinische Steppe nimmt einen großen Teil des östl. Plateaus der Terrasse von Granada ein. Die bätische Steppe in Nordandalusien erstreckt sich zu beiden Seiten des Genil von Estepa und Osuna nordwärts bis Aguilar. Die aragonische Steppe im Ebrobassin, die größte von allen, ist gegen 280 km lang und 74-90 km breit. Es sind diese Steppen mit ihrer mehr afrik. oder asiat. als europ. Physiognomie teils durch unvernünftige Entwaldung, durch Kriegsverheerungen und jahrhundertlanges Brachliegen, durch Verdorren und Verangern aus ursprünglich kulturfähigen Landstrichen hervorgegangen, teils aber auch ursprüngliche oder Salzsteppen. Die erstern sind meist mit dem nützlichen Esparto (s. d.), die letztern mit dünn umhergestreuten, büschelförmig wachsenden, fleischigblätterigen Halbsträuchern bedeckt, zum Teil auch von Salzbächen und Salzlagunen durchfurcht, deren Wasser oft so stark gesalzen ist, daß ihre Ufer, ja ihre Oberfläche im hohen Sommer sich mit dicken Krusten krystallisierten Salzes belegen. Große Verwandtschaft mit diesen Salzsteppen haben die Strandsümpfe und salzhaltigen Sumpfniederungen (Marismas) mehrerer Gegenden, namentlich die Marisma längs des linken Guadalquivirufers zwischen Utrera und San Lucar de Barrameda.

Die Fauna ist reich an merkwürdigen, sonst in Europa nicht weiter anzutreffenden Tieren. So bewohnt den Felsen von Gibraltar der einzige europ. Affe, in den Pyrenäen lebt eine merkwürdige große amphibische Spitzmaus (Myogale pyrenaica Geoffr.) und im Süden eine Viverra (Herpestes Widdringtoni Gray). In den Pyrenäen finden sich Gemsen (die Isard genannte Rasse), Steinböcke treten hier gleichfalls, aber auch in den Mittelgebirgen auf und in den höhern Bergen des Südens der Moufflon. Bär, Wolf, Luchs (eine eigene Rasse), Wildkatze finden sich gleichfalls in den Gebirgen, besonders den Pyrenäen. Eine Blauelster (Cyanopica melanocephala Less.), der rothalsige Ziegenmelker (Caprimulgus russicolis Temm.), das Laufhühnchen (Turnix sylvatica Desf.), das Sandflughuhn (Pterocles alchata L.), der Wüstenläufer (Cursorius gallicus Gm.) sind hoch charakteristische Vögel. Mehrere Schlangen und Eidechsen, darunter das Chamäleon, betreten nur hier europ. Boden und einige Salamanderformen (Bradybates ventriorsus Ich., Pleurodeles Waltlei Dum. et Bibr., Chioglossa lanatica Borb. de Bosc.) leben bloß auf der Iberischen Halbinsel. Auch sehr zahlreiche Insektenformen sind namentlich in den Pyrenäen ausschließlich spanisch oder es sind afrik. Formen, die den Süden Europas bloß hier bewohnen. Trockenheit liebende Schnecken sind sehr häufig. In der Tajomündung lebt eine große Süßwassermeduse.

Die Bevölkerung belief sich beider ersten Zählung von 1787 auf 10 409 879 und bei der letzten (Ende 1887) auf 16 956 134 oder mit Einschluß der Balearen (312 593 E.), Canaren (291 625 E.) und der Besitzungen an der Nordküste Marokkos (5280 E.) auf 17 565 632. Es ergiebt sich hieraus eine Vermehrung von nur 69 Proz. in hundert Jahren und (1887) eine Dichtigkeit von nur 35 E. auf 1 qkm. Die Zunahme seit 1877 beträgt nur 0,47 Proz. jährlich. 1892 wurde die Bevölkerung auf 17 974 323 berechnet. Am schwächsten bevölkert sind die Inlandprovinzen des span. Tafellandes. Besser bevölkert sind die Küstenprovinzen, zumal die nördlichen (s. S. 89 a). Bei Barcelona, und noch mehr bei der Provinz Madrid ist die Dichtigkeit nur der Bevölkerungszunahme der beiden Hauptstädte zuzuschreiben. Auf Madrid mit 470 283 (1892: 499 270) E. und Barcelona mit 272 481 E. folgen die Städte Valencia mit 170 763, Sevilla 143182, Malaga 134 016, Murcia 98 538, Saragossa 92 407, Cartagena 84 230, Granada 73 006, Cadiz 62 531, Valladolid 62 018, Jeres 61 708, Palma 60 514 E. Von diesen sind Cadiz und Granada in ihrer Bevölkerung während der letzten 10 Jahre zurückgegangen, ebenso die Provinzen Cadiz, Almeria, Teruel, Soria, Pontevedra. Andere wiederum sind stehen geblieben, so Alava, Guadalajara, Lerida. Die ganze Bevölkerung, einschließlich der Balearen und Canaren, verteilte sich 1887 über 499 Gerichtsbezirke (Partidos judicales) mit 9287 Bürgermeistereigemeinden (Ayuntamientos) und 47 402 Ortschaften, worunter 169 alte Städte mit Vorrechten (Ciudades), das übrige gewöhnliche Städte (Villas), Dörfer (Lugares) und Weiler (Aldeas) sind. Über 1500 Orte liegen jetzt verödet. Dem Geschlecht nach zählte man 8 612 524 männl., 8 953 108 weibl. E., nach der Nationalität 17 516 049 geborene, 7188 naturalisierte Spanier und 42 395 Ausländer, darunter 18 480 Franzosen, 6755 Portugiesen, 5719 Engländer, 1826 Deutsche. Sehr groß ist die Zahl der unehelichen Geburten.

Die jetzigen Bewohner sind in der großen Mehrzahl Nachkommen der keltiber. Ureinwohner, zu denen frühzeitig an der Süd- und Ostküste phöniz. und karthagenische Beimischungen, später aber überall so bedeutende röm. Elemente kamen, daß mit Ausnahme der Basken alles romanisiert wurde. Mit der Völkerwanderung traten german. Elemente (d. h. vandalische in Andalusien, suevische im Nordwesten und gotische in den übrigen Landesteilen) hinzu, deren Beimengung sich am meisten in den nordöstl. Gebirgen und in den Ebenen Mittelspaniens zeigt, während im Süden vorzüglich die noch spätere Beimischung arab. Blutes sichtbar ist. Da-^[folgende Seite]