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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Spanien (Industrie. Handel und Verkehr)

2 701 661 t, Zinkerz 52 Gruben 54 109 t, Quecksilbererz (Zinnober) 23 Gruben 33 792 t, Antimon 5 Gruben 44 t, Manganerz (Braunstein) 10 Gruben 10 162 t, Steinsalz 59 Gruben 326 320 t, Phosphorit 3 Gruben 1040 t, Schwefel 7 Gruben 8481 t, Steinkohlen 634 Gruben 1 739 075 t, Braunkohlen 56 Gruben 44 708 t, dazu verschiedene andere Betriebe. Die Gesamtzahl der betriebenen Bergwerke war nach diesen, freilich nicht ganz zuverlässigen offiziellen Angaben 2400, der Arbeiter (einschließlich Frauen und Kindern) 62 858, des Wertes der geförderten Grubenprodukte 97 814 367 M.

In der Industrie hat S. erst nach der Mitte des 19. Jahrh. wesentliche Fortschritte gemacht, wie die steigende Einfuhr von Maschinen, roher Baumwolle und Steinkohlen und die stetige Ausdehnung des Eisenbahnnetzes beweisen. In den bask. Provinzen bestand schon längst ein überaus reger Industriebetrieb. Später entwickelte sich derselbe auch in Catalonien, in Valencia, Murcia, Galicien und Asturien. Doch genügt die Produktion noch nicht den Bedürfnissen. Abgesehen von dem Berg- und Hüttenwesen sind die Hauptzweige Weberei, Mehl- und Ölbereitung, Metallwaren-, besonders Eisenfabrikation, Papier- und Lederfabrikation. In Catalonien hat die Baumwollindustrie ihren Hauptsitz. Doch blüht daselbst auch die Leinen- und Hanfverarbeitung, die Seidenweberei, die Tuch-, Papier- und Korkstöpselfabrikation, die Gerberei, Seifensiederei, Glas-, Steingut- und Vitriolfabrikation. Die bask. Industrie, nächst der catalonischen die größte, fabriziert hauptsächlich Eisenwaren aller Art, Kurzwaren, Papier, Tapeten, Seilerwaren, Leder und Lederwaren, Leinen- und Wollgewebe, Seife, Lichte, Glas, Porzellan u. s. w. Der wichtigste Industriezweig in Valencia war früher die Verarbeitung der Rohseide. Doch ist diese in neuerer Zeit durch die Raupenkrankheit und durch die Einführung der Orangenkultur an Stelle der Maulbeerbäume beeinträchtigt worden. Die Industrie von Murcia und Almeria besteht hauptsächlich in Erzschmelzerei, Soda- und Alaunfabrikation, Espartostechterei. Die wichtigsten industriellen Etablissements in Andalusien sind die großartigen Dampfeisengießereien, die Baumwoll-, Leinwand-, Zündhölzchen- und Chemikalienfabriken in Malaga, 17 Zuckerfabriken (Malaga), die Eisenschmelzwerke am Rio Verde, die Staatseisengießerei und Gewehrfabrik, die Maschinenfabriken, die Porzellan-, Baumwoll-, Leinen-, Woll- und Seidenfabrikation in Sevilla. Die Industrie von Galicien und Asturien besteht hauptsächlich in der Fabrikation von Guß- und Schmiedeeisen, Stahl, Glas, Seife, Stearin, Schokolade, Mehl, Leinen- und Baumwollgeweben. Sehr bedeutend sind die metallurgischen Etablissements im Distrikt Oviedo, berühmt besonders die große Kanonengießerei in Trubia. Über die genannten und viele andere Landesteile ist die Wollmanufaktur verbreitet. Fabrikation und Verkauf des Tabaks ist Monopol der Regierung, die 10 Fabriken (Sevilla, Madrid, Alicante, Alcoy, Cadiz, Valencia, La Coruña, Gijon, Oviedo, Santander) unterhält. Die Fabrik von Sevilla ist die größte und die einzige, die Schnupftabak herstellt.

Handel und Verkehr. Für den Handel ist S. durch seine geogr. Lage außerordentlich begünstigt, insbesondere für den Welthandel. Auch hatte S. wirklich unter Philipp II., nach der Eroberung Portugals, den Welthandel und die Beherrschung der Meere in Händen. Selbst später, nachdem diese Rolle auf England übergegangen, blieb der span. Handel noch geraume Zeit einer der großartigsten der Erde. Die Ursachen, welche ihn in Verfall brachten, waren die äußern und innern Kriege, der Abfall der amerik. Kolonien, besonders aber die Vernachlässigung der natürlichen Hilfsquellen des Landes vor dem Abfall der Kolonien und das engherzige Prohibitivsystem während der Herrschaft des Absolutismus. Einen großen Aufschwung nahm das Land unter Karl III., sank aber bald wieder in die alte Mißwirtschaft zurück. Erst unter der konstitutionellen Regierung wandte das Land seinen natürlichen Schätzen wieder Aufmerksamkeit zu. Seitdem hat sich auch der Handel gehoben. An der Stelle des frühern Prohibitivsystems wurde 1849 ein milderes Schutzzollsystem eingeführt. Freilich ist die Beschränkung durch den Tarif immer noch stark, weshalb denn auch die Schmuggelei in großer Ausdehnung betrieben wird. Die Gesamteinfuhr (mit Edelmetallen) betrug 1889: 866, 1891: 873, 1892: 751, 1893: 684, 1894: 753, 1895: 769 Mill. Pesetas; die Ausfuhr 896, 803, 663, 626, 673 und 805 Mill. Pesetas.

Warenverkehr (ohne Edelmetalle) nach den Hauptwarengruppen 1895 (in Millionen Pesetas):

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Warengruppen Einfuhr Ausfuhr

Mineralien, Glas- und Thonwaren 68,0 85,1

Metalle und Metallwaren 20,5 120,9

Pharmaceutische und chem. Produkte 58,3 21,1

Baumwolle und Banmwollwaren 97,8 42,6

Andere vegetabile Gewebe u. Waren daraus 30,9 3,9

Wolle und Wollwaren 30,4 18,1

Seide und Seidenwaren 22,4 4,9

Papier und Papierwaren 9,7 11,3

Holz, Kork und Waren daraus 45,5 29,0

Tiere und tierische Erzeugnisse 64,7 53,3

Maschinen, Wagen, Schiffe 31,5 0,5

Nahrungsmittel 131,4 268,1

Verschiedenes 7,3 2,2

Besondere Einfuhrwaren, wie Eisenbahn- und landwirtschaftliches Material, Tabak u. s. w. 68,3 -

Zusammen 686,7 661,0

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Die Beteiligung der Hauptverkehrsländer 1895 (Wert in Millionen Pesetas):

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Verkehrsländer Einfuhr Ausfuhr

Frankreich 235,5 238,2

England 160,2 205,7

Cuba und Portoriko 67,4 180,7

Vereinigte Staaten von Amerika 85,0 12,8

Portugal 40,2 43,4

Belgien 26,8 23,1

Deutschland 34,3 6,5

Rußland 31,6 -

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Die Ausfuhr von Wein, des wichtigsten Artikels, betrug 1891: 310, 1892: 143, 1893: 110, 1891: 81, 1895: 100 Mill. Pesetas, wovon 63 Proz. nach Frankreich und 12,5 Proz. nach England gingen.

Häfen hat S. nicht weniger als 81, nämlich 56 an der atlantischen und 25 an der Mittelmeerküste; unter den erstern sind die wichtigsten San Sebastian, Bilbao, Santander, Gijon, Ferrol, La Coruña, Vigo, Huelva, Sevilla und Cadiz; Mittelmeerhäfen von größerer Bedeutung sind: Barcelona, Tarragona, Burriana, Grao (Valencia), Gandia, Denia, Alicante, Torrevieja, Cartagena, Mazarron, Almeria, Malaga, und auf den Balearen: Palma, Mahon und Ibiza. Der Binnenhandel hat seinen