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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Spanien (Geschichte 1868-75)

stellter Antrag, sämtliche Bourbonen mit Einschluß der Orléans vom span. Throne auszuschließen, ward in den Cortes abgelehnt (24. Jan. 1870). Durch eine geschickte Intrigue Prims in einen Streit mit dem excentrischen Infanten Heinrich von Bourbon verwickelt, erschoß Montpensier letztern im Duell (12. März). Prim knüpfte, nachdem Marschall Espartero abgelehnt hatte, insgeheim Unterhandlungen mit dem Erbprinzen Leopold von Hohenzollern an. Die Cortes beschlossen 7. Juni, daß zu einer gültigen Königswahl absolute Mehrheit nicht bloß der anwesenden, sondern der gewählten Cortesmitglieder erforderlich sein sollte. Damit war die Kandidatur Montpensiers unmöglich. Anfang Juli erklärte Erbprinz Leopold, der 1869 die ihm angebotene Krone abgeschlagen hatte, sich bereit, die Kandidatur anzunehmen, und der Ministerrat beschloß einstimmig 2. Juli 1870, denselben den Cortes vorzuschlagen. Als Frankreich energisch dagegen protestierte, entsagte Erbprinz Leopold 12. Juli seiner Thronbewerbung, und die span. Regierung erklärte sich 13. Juli damit einverstanden. Als trotzdem der Deutsch-Französische Krieg ausbrach, verkündigte S. seine Neutralität.

Als Prim abermals dem Herzog Amadeus von Aosta die span. Krone antragen ließ, erklärte dieser sich bereit, die Kandidatur anzunehmen (2. Nov.). Am 16. Nov. fand die Königswahl durch die Cortes statt; 191 Stimmen (18 mehr als die erforderliche absolute Majorität) fielen auf Amadeus, 63 für die Republik, 25 für Montpensier, die übrigen zersplitterten sich. Eine Kundgebung der span. Granden gegen die Königswahl fand ebensowenig Beachtung wie die Proteste der Exkönigin Isabella II. 21. Nov. und des Prätendenten Karl VII. 8. Dez. Vor Amadeus' Ankunft in Madrid wurde Prim das Opfer eines Attentats exaltierter Republikaner. Amadeus traf 2. Jan. 1871 in Madrid ein, wo er, von der Bevölkerung gleichgültig aufgenommen, sogleich vor den Cortes den Eid auf die Verfassung leistete und als König proklamiert wurde. Darauf gingen die konstituierenden Cortes auseinander. Während des ersten Halbjahrs 1871 behauptete sich ein Ministerium unter Serranos Vorsitz; aber während des zweiten Halbjahrs lösten drei verschiedene Kabinette (Zorilla, Malcampo, Sagasta) und 1872 vier Ministerien (Sagasta, Topete, Serrano, Zorilla) einander ab. Zur Bekämpfung der karlistischen Aufstände wurde Serrano zum Oberkommandanten der bask. Provinzen ernannt. Dieser schlug die Karlisten 4. Mai 1872 bei Oroquieta, nötigte Don Carlos zur Flucht nach Frankreich und gewährte in der Konvention von Amorovieta 24. Mai selbst den zu den Karlisten übergegangenen königl. Offizieren volle Amnestie. Zu gleicher Zeit fanden in mehrern Provinzen republikanische Aufstände statt. König Amadeus, der weder in Madrid noch auf seinen Rundreisen in den Provinzen viel Sympathie fand, teilte 8. Febr. 1873 Zorilla seinen Entschluß der Abdankung mit, erließ 11. Febr. eine Abdankungsbotschaft an den Kongreß und reiste 12. Febr. mit seiner Familie von Madrid ab, um über Lissabon nach Italien zurückzukehren.

S. als Republik. Der Kongreß erklärte sich sofort 11. Febr. für die Republik und wählte am 12. zur Handhabung der Exekutivgewalt ein Ministerium, in dem die vier Republikaner Figueras, Castelar, Pi y Margall, Nicolas Salmeron die Präsidentschaft, das Auswärtige, das Innere, die Justiz übernahmen. Das Programm derselben, das 8. Juni mit dem neuen Verfassungsentwurf von den Cortes angenommen wurde, lautete: "Föderativrepublik für S. mit Selbstverwaltung der einzelnen Staaten, Unterdrückung der Centralisation, Aufhebung des stehenden Heers, absolute Trennung von Kirche und Staat, Proklamierung der Menschenrechte auf dem Boden einer demokratischen Verfassung und unter der Gewalt der Gesetze." Da die Intransigenten ihre Forderungen eines socialen Umsturzes in den Cortes nicht durchsetzen konnten, erhoben sie in den südl. Städten die rote Fahne. Die Ministerien und Präsidenten wechselten rasch. Auf Figueras folgte als Präsident der Exekutive 11. Juni Pi y Margall, 19. Juli Nicolas Salmeron, 7. Sept. Castelar, der sich von den Cortes unbedingte Vollmachten für militär. und polit. Maßregeln übertragen ließ. Im Norden machte Don Carlos und sein Bruder Don Alfonso an der Spitze der Karlisten bedeutende Fortschritte; im Süden bildeten sich in einzelnen Städten Communen, die der Regierung den Gehorsam aufkündigten; alle Disciplin im Heere löste sich auf. Die Städte Alcoy, Sevilla, Cadiz, Valencia mußten mit Gewalt genommen werden, andere ergaben sich den anrückenden Generalen. Am längsten dauerte der Widerstand in Cartagena; von der Landseite eingeschlossen und bombardiert, ergab es sich erst nach viermonatiger Belagerung 12. Jan. 1874 dem Regierungsgeneral Lopez Dominguez, nachdem General Contreras (s. d.) mit der Revolutionsjunta die Blockade durchbrochen und sich nach Algier geflüchtet hatte.

Bei dem Zusammentritt der Cortes 2. Jan. 1874 bezeichnete der Cortespräsident Nic. Salmeron das Verfahren Castelars als unrepublikanisch, worauf letzterer seine Entlassung einreichte. Bevor es aber zu weitern Verhandlungen kam, wurden 3. Jan. die Cortes vom Generalkapitän von Madrid, Pavia, gesprengt und von den Männern, die 1868 Isabella gestürzt hatten, eine neue Regierung eingesetzt, in der Serrano die Präsidentschaft, Sagasta das Auswärtige, Topete die Marine übernahm. Durch Dekret vom 26. Febr. nahm Serrano den Titel "Präsident der Exekutivgewalt der Republik" an; die Ministerpräsidentschaft übernahm zuerst General Zabala, 4. Sept. Sagasta. Republikanische Aufstände gegen die neue Regierung wurden rasch bewältigt und mit Energie gegen die Karlisten vorgegangen. Diese hielten die Festung Bilbao cerniert, nahmen die dazugehörige Hafenstadt Portugalete und zwangen den General Moriones, der in Biscaya eindrang, durch die Niederlage bei Sommorrostro 24. Febr. 1874 zum Rückzug. Nun eilte Serrano selbst herbei und zwang den Feind 1. Mai, seine Stellungen aufzugeben, die Cernierung Bilbaos aufzuheben und Portugalete zu räumen. Aber General Concha, dem Serrano den Oberbefehl übergab, wurde bei seinem Angriff auf die Höhen von Estella 25. bis 27. Juni zurückgeschlagen und fiel. Inzwischen hatten alle Mächte, außer Rußland, Serranos Regierung anerkannt; sie nahmen die diplomat. Verbindungen mit S. wieder auf. Der Konflikt mit den Vereinigten Staaten, der wegen des amerik. Schiffs Virginius, das den Insurgenten von Cuba Mannschaft und Munition zuführte, ausbrach, wurde im Washingtoner Vertrag vom 29. Nov. 1873 durch S.s Nachgiebigkeit beigelegt. Der Oberbefehlshaber der Nordarmee, General Laserna, schlug 10. und 11. Nov. 1874 die Karlisten,