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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Spezial - Sphäre

(s. Italienisches Festungssystem) ist mit Marinearsenal (angelegt von General Chiodo), großer Schiffbauwerft mit 6 großen Trockendocks und Hospital ausgestattet. Der Handelshafen liegt im Nordosten vom Kriegshafen und ist durch zwei Molen geschützt; ein größerer Handelshafen ist im innersten Teile des Golfs von S. am Migliarinaufer im Bau. Am Eingange in den Golf von S., zwischen den Landspitzen Sta. Maria und Sta. Teresa, ist ein 2200 m langer Wellenbrecher im Bau; schmale Einfahrten bleiben an beiden Seiten desselben frei, die durch vier Leuchtfeuer bezeichnet sind. In Garnison liegen das 24. Infanterieregiment und 2 Küstenartilleriebrigaden. Die umliegenden Höhen sind stark befestigt. An der Nordostküste des Golfs bei San Bartolomeo sind große Privatwerften für Schiffbau. Bei Cadimare liegt die unterseeische Süßwasserquelle La Polla.

Der Golfo della S. hieß bei den Römern Portus Lunae, von der Stadt Luna, nach welcher sie auch den in der Nachbarschaft gebrochenen berühmten Marmor Lunense marmor nannten. Von der Stadt sind bei Sarzana Überreste, namentlich eines Amphitheaters, des Forums, marmorne und eherne Bildwerke und Inschriften vorhanden. Luna wurde 1016 von den Arabern zerstört, bestand aber noch 1287 und war Hauptort der Landschaft Lunigiana.

Spezial u. s. w., s. Special u. s. w.

Spezies, s. Species.

Spezifisch, s. Specifisch.

Spezzia (ital.) oder Spetsä (Petsa, neugriech.), die Pityussa (Pityusa) der Alten (nach anderer Annahme ist S. das alte Haliussa, Pityussa dagegen die Nachbarinsel Spetsopula), eine zum griech. Nomos Argolis und Korinthia gehörige, 23 qkm große, unfruchtbare Inselklippe am Eingänge zum Golf von Nauplia, 2 km von der Südspitze der Argivischen Halbinsel (s. Karte: Griechenland, Bd. 8, S. 313), mit (1889) 5192 E. albanesischer Abkunft. (Über die Geschichte s. Hydra.) Vor dem griech. Freiheitskriege, an welchem die Bewohner der Insel mit gleicher Tapferkeit wie die Hydrioten teilnahmen, betrug ihre Zahl 15 000 Köpfe. Der Hauptort S. hat eine große Reede, Schiffswerfte, ein Lazarett, bedeutende Schwammfischerei. Gegen Südosten liegt das öde Eiland Spetsopula (Spezzopula) oder Petsopula, auch Rasteria, von den Alten Aristera, von den Italienern auch Settepozzi genannt, denkwürdig durch einen Sieg der Venetianer über die Griechen (1263).

Spezzopula, griech. Insel, s. Spezzia.

S. P. G., Abkürzung für Society for the Propagation of the Gospel (engl., d. h. Gesellschaft zur Verbreitung des Evangeliums).

Sphacelia segetum, Sphacelinsäure, s. Mutterkorn.

Sphacelus, der kalte Brand, s. Brand.

Sphagia, Insel, s. Sphakteria.

Sphagnaceen, Familie der Laubmoose (s. Sphagnum).

Sphagnum Erh., Torfmoos, Sumpfmoos, eine Gattung aus der Gruppe der Laubmoose (s. d.) mit gegen 20 Arten, fast über die ganze Erde verbreitet und stets auf feuchten Stellen, besonders moorigem Boden. Sie bilden eine eigene Familie, Sphagnaceen. Während bei den übrigen Laubmoosen die sog. Seta, d. h. der das eigentliche Sporogonium tragende Stiel sich im Archegonium entwickelt und somit die Kapsel samt dem Stiel als ein besonderes Pflänzchen auf dem eigentlichen Moose aufsitzt, wird bei S. die Seta aus dem das Archegonium tragenden Zweig gebildet und der basale Teil des ersten bleibt an der Spitze dieser Seta, direkt unter dem Sporogonium als unregelmäßig zerrissene Hülle (Pseudopodium) sitzen (s. Tafel: Moose II, Fig. 6a). Die sog. Haube fehlt ganz, da beim Wachstum der Kapsel das Archegonium zwar zerrissen wird, aber dessen Reste nur am Grunde des Sporogoniums zurückbleiben. Das letztere öffnet sich wie bei den übrigen Laubmoosen mittels eines Deckels, um die Sporen austreten zu lassen, die aber nicht mit Schleuderzellen, wie bei den Lebermoosen, vermischt sind. Der anatom. Bau der Blätter und Stengel unterscheidet sich ebenfalls von dem der Laubmoose. Die Blätter (b) besitzen keine Nerven, sind aus einer einzigen Lage von Zellen zusammengesetzt, die zum Teil farblos sind; diese sind groß und ziemlich lang gestreckt, besitzen spiralige Verdickungen, wie die Tracheiden vieler höherer Gewächse, und haben zahlreiche rundliche Löcher auf ihren Wänden; andere dagegen sind bedeutend kleiner und enthalten reichlich Chlorophyll. Die Stämme sind von einer mehrschichtigen Hülle farbloser Zellen umgeben, die eine ganz ähnliche Gestalt wie die spiralig verdickten Zellformen der Blätter haben. Diese eigentümlich verdickten Zellen an Stamm und Blatt verleihen den Sphagnumarten eine wichtige Bedeutung für das Wachstum der dichten Moosrasen auf den Mooren. In ihrem Lumen wird das Wasser durch Kapillarität nach oben geleitet, und es können so die Spitzen der Moospflänzchen fortwährend weiter wachsen, wobei ihnen das nötige Wasser durch die untern, zum Teil schon abgestorbenen Partien zugeführt wird. Infolgedessen entstehen diese Polster, die, wenn reichlich Feuchtigkeit vorhanden ist, sich wie ein Schwamm ausdrücken lassen und selbst bei länger andauernder Trockenheit ziemlich viel Wasser aus den tiefer liegenden Partien der Moore aufsaugen können. Die Sphagnumarten sind aus diesen Gründen für die Bildung der Moore (s. Moor) wichtig; ebenso auch in der Gärtnerei (s. Sumpfmoos). Die häufigsten Arten sind S. cymbifolium Erh. mit breitrundlichen Blättern, S. cuspidatum Erh. mit länglichen Blättern, S. acutifolium Erh. (s. Taf. II, Fig. 6) und S. squarrosum Pers.

Sphakia (Sfakia), Stadt auf der Südküste der türk. Insel Kreta, zählt etwa 1500 E. und exportiert Gerste, Honig, Wachs, Wein und den in der ganzen Levante beliebten Sphakiakäse. Die Sphakioten in der Aspra Vuna (den Weißen Bergen), dem den westl. Teil Kretas ausfüllenden, bis 2470 m aufsteigenden zerklüfteten Gebirge, sind der tapferste Stamm rein griech. Nationalität auf der Insel und die Seele aller Aufstände gegen die Türken.

Sphakteria, auch schon im Altertum Sphagia genannt, eine aus einem lang gestreckten, felsigen Höhenrücken bestehende Insel von 4 km Länge und 600 m Breite, die sich vor die Bucht von Pylos im Peloponnes so lagert, daß nur nördlich und südlich eine Einfahrt bleibt. S. ist besonders bekannt durch die Niederlage der Spartaner, 425 v. Chr., und die Schlacht von Navarino (s. d.).

Sphäre (grch., d. i. Kugel), in der Astronomie sowohl das Himmelsgewölbe, das uns zu umgeben scheint und sich als eine Kugel darstellt, als auch die Nachbildung des Weltgebäudes im kleinen.

Bildlich bezeichnet man mit S. auch die großen abgeschlossenen Gebiete des Universums, ferner im kleinen den Wirkungskreis jemandes. In der Politik spricht man auch von Interessensphäre (s. d.).