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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Spiritoskop - Spiritusfabrikation

1871); Hume, Incidents in my life (Lond. 1863); Robert-Houdin, Confidences d'un prestidigitateur (2 Bde., Par. 1859); Schindler, Das magische Geistesleben (Bresl. 1857): Perty, Die mystischen Erscheinungen der menschlichen Natur (Lpz. 1861); Aksakow, Bibliothek des Spiritualismus (ebd. 1867); ders., Animismus und S. (2. Aufl., ebd. 1891); Crookes, Der Spiritualismus und die Wissenschaft (nach dem Russischen und Englischen ins Deutsche übersetzt von Wittig, ebd. 1872); Dixon, Neu-Amerika (Jena 1868, aus dem Englischen); Edmonds, Der amerik. Spiritualismus (deutsch, Lpz. 1873); Wallace, Die wissenschaftliche Ansicht des Übernatürlichen (deutsch, ebd. 1871); ders., Eine Verteidigung des modernen Spiritualismus (deutsch, ebd. 1875); Bericht über den Spiritualismus vom Komitee der Dialektischen Gesellschaft zu London (3 Tle., deutsch, ebd. 1875); Zöllner, Wissenschaftliche Abhandlungen (4 Bde., ebd. 1877-81); Perty, Der jetzige Spiritualismus (ebd. 1877); Hellenbach, Die neuesten Kundgebungen einer intelligibeln Welt (Wien 1882); ders., Geburt und Tod (ebd. 1885); A. Bastian, In Sachen des S. (Berl. 1886); J. H. von Fichte, Der neuere Spiritualismus (Lpz. 1878); H. Ulrici, Der sogenannte S. (in der "Zeitschrift für Philosophie und philos. Kritik", Bd. 74,1879); dagegen W. Wundt, Der S., offener Brief an Herrn Professor Ulrici in Halle (Lpz. 1879; wieder abgedruckt in "Essays", ebd. 1886); E. von Hartmann, Der S. (ebd. 1885); Die Geisterhypothese des S. und sein Phantom (ebd. 1891); C. du Prel, Studien auf dem Gebiete der Geheimwissenschaften (2 Bde., ebd. 1890-91); Der S. (ebd. 1893); Die Entdeckung der Seele durch die Geheimwissenschaften (2 Bde., ebd. 1893-94); F. Schultze, Die Grundgedanken des S. (ebd. 1883). Zur Verbreitung des E. und seiner Doktrinen erscheint in London eine Zeitschrift: The Spiritualist; in Deutschland: Psychische Studien, hg. von Aksakow (Lpz. 1874 fg.); Die Sphinx. Monatsschrift, hg. von Hübbe-Schleiden, dann von H. Göring (Lpz., Gera und Braunschw. 1886 fg.); Metaphysische Rundschau, hg. von Zillmann (Berl. 1896 fg.); Zeitschrift für S. und verwandte Gebiete, hg. von Feilgenhauer (Leipzig, seit 1897).

Spiritoskop (lat.-grch.), s. Tischrücken.

Spirits (engl.), die Geister, mit denen die Medien der Spiritisten zu verkehren vorgeben. (S. Spiritismus.)

Spiritualen (lat.), die strengere Partei unter den Franziskanern (s. d.). Auch soviel wie Libertiner (s. d.).

Spiritualia (lat., Spiritualĭen), s. Temporalien.

Spiritualismus (vom lat. spiritus, Geist), eine metaphysische Ansicht, wonach die letzte Substanz des Universums geistiger Natur, alles Materielle nur Erscheinungs- oder Vorstellungsform ist (Gegensatz: Materialismus, s. d.). Vielfach wird auch der Spiritismus (s. d.) S. genannt.

Spirituell (frz.), geistig; geistlich; geistreich.

Spirituosen (lat.), Alkohol enthaltende, sog. "geistige" Getränke.

Spiritus (lat.), s. Alkohol. In der Pharmacie ist Spiritus ein Alkohol von 0,830 bis 0,834 spec. Gewicht. Auf Rezepten bedeutet: S. aetherĕus Hoffmanns Tropfen (s. d.); S. Aethĕris nitrōsi versüßten Salpetergeist (s. Salpeteräther); S. Angelĭcae composĭtus zusammengesetzten Angelikaspiritus (s. d.); S. camphorātus Kampferspiritus (s. d.); S. Cochlaearĭae Löffelkrautspiritus; S. dilūtus verdünnten Weingeist (7 Teile Weingeist, 3 Teile Wasser); S. e Vino Weinbranntwein, Cognac; S. Formicārum Ameisenspiritus (s. d.); S. Junipěri Wacholderspiritus (s. d.); S. Lavendŭlae Lavendelspiritus (s. d.); S. Melissae composĭtus Karmelitergeist (s. d.); S. S. Mentae piperītae Pfefferminzspiritus (s. d.); S. saponāto-camphorātus flüssigen Opodeldok (s. d.); S. saponātus Seifenspiritus (s. d.); S. Sinăpis Senfspiritus (s. Senföl). Nicht mehr offizinell, aber noch gebräuchlich ist S. Ferri chlorāti aetherěus, Bestushews Eisentinktur (s. d.). Ferner ist S. aetheris chlorati soviel wie Salzäther (s. Chloräthyl); S. Mindereri eine Lösung von Ammoniumacetat (s. Essigsaure Salze); S. vitalis soviel wie Lebensgeist (s. d.); S. fumans Libavii, s. Zinnchlorid.

Spiritus asper (lat., d. i. rauher Hauch), in der altgriech. Grammatik das h zu Anfang der Wörter, das als ʽ über die Vokale geschrieben wurde, z. B. ἒσπερος ("Abend"), lies hesperos. Mit ´ wurde der Spiritus lenis ("sanfter Hauch") bezeichnet, dessen Natur zweifelhaft ist, z. B. άγρός ("Feld"), das wir Deutsche agrós, mit demselben Vokaleinsatz wie bei unserm "Acker", aussprechen. Der Neugrieche bedient sich bei Wörtern wie άγρός des leisen Vokaleinsatzes, bei dem die Stimmbänder von vornherein zum Tönen eingestellt werden; ob dies auch die altgriech. Sprechweise war, ist nicht bekannt.

Spiritusdampfbäder, s. Bad.

Spiritusfabrikation, Brennerei, die gewerbsmäßige Darstellung von Spiritus (s. Alkohol). Die S. wird in Deutschland nur vereinzelt als selbständige Großindustrie betrieben und ist in den meisten Fällen ein landwirtschaftliches Gewerbe, in welchem Falle sie meist als Branntweinbrennerei (s. Brennerei) mit Branntwein (s. d.) als Endprodukt betrieben wird.

In den Rohmaterialien der S. ist der Alkohol entweder bereits fertig vorhanden, so daß nur eine Absonderung desselben von den übrigen Bestandteilen zu erfolgen hat (z. B. in der Cognacbrennerei, bei welcher nur eine einfache Destillation der Weine stattfindet), oder der Spiritus wird erst aus andern Bestandteilen der Rohmaterialien gebildet. Hier sind zu unterscheiden: a. zuckerhaltige Rohmaterialien (Melasse, Rüben, Obst u. s. w.), in denen erst durch Gärung eine Spaltung des Zuckers in Alkohol und Kohlensäure stattfinden muß, welcher dann die Abscheidung des Alkohols durch Destillation folgt; b. stärkemehlhaltige Rohstoffe (Getreide, Kartoffeln), bei denen zunächst eine Umwandlung des darin enthaltenen Stärkemehls in vergärbaren Zucker zu erfolgen hat. Der Gang des Brennereibetriebes läßt sich daher am vollständigsten an der Verarbeitung stärkemehlhaltiger Rohmaterialien (in Deutschland besonders der Kartoffeln) erkennen.

Der wesentlich für die Brennerei in Betracht kommende Bestandteil der Kartoffeln ist das Stärkemehl. Der Gehalt der Kartoffeln an Stärkemehl schwankt in weiten Grenzen (zwischen 12 und 24 Proz., auch darüber), so daß die Ausbeute an Spiritus sehr verschieden ist. Die Überführung der Stärke in Zucker und Dextrin geschieht durch den Einfluß eines verzuckernden Fermentes, der Diastase des Malzes (s. d.). Auf 100 kg verarbeiteter Kartoffeln kommen 4-6 kg Grünmalz (= 2½-4 kg Gerste oder anderm Malzgetreide) in Anwendung. Um die Stärke der Kartoffeln zu verzuckern, muß dieselbe erst der Verkleisterung unterworfen