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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sposalizio - Sprache

Sposalizio (ital.), in der ital. Malerei die Verlobung oder Vermählung der Jungfrau Maria mit Joseph. Meisterwerke der Art stammen unter anderm von Perugino, Raffael Santi (s. d.).

Spottbild, s. Karikatur.

Spottdrossel (Mimus polyglotta L.), ein wegen seiner staunenerregendcn Fähigkeit, alle vernommenen Töne täuschend nachzuahmen, sehr beliebter Stubenvogel, der in Nordamerika heimisch ist und alljährlich in größerer Anzahl nach Europa eingeführt wird. Er ist etwas schlanker als die Singdrossel und unscheinbar graubraun, unterseits weißlich gefärbt. Sein Preis schwankt zwischen 15-30 M.; seine Haltung gleicht der der Drosseln.

Spötter, s. Stubenvögel.

Spötterling, s. Gartensänger.

Spottvögel, Bezeichnung verschiedener Vogelarten, so einer Drossel, der Spottdrossel (s. d.) und des nahe mit ihr verwandten, von Canada bis Florida vorkommenden Katzenvogels (Mimus carolinensis Gray). Auch der südamerik. Gelbsteißkassike (Cassicus persicus L., s. Beutelstare) wird so genannt, gelegentlich auch unsere Zaungrasmücke (Sylvia curruca Lath.) und Bastard Nachtigall (Hypolaïs icterina Viell.).

Spoykanal, s. Tabelle I zur Karte: Die Schifffahrtsstraßen des Deutschen Reiches, beim Artikel Schiffahrtskanäle.

S. P. Q. R., Abkürzung für Senatus Populusque Romanus (lat., der röm. Senat und das röm. Volk), besonders auf altröm. Inschriften, Feldzeichen, Münzen u. s. w.

s. p. r., Abkürzung für sub petito remissionis (lat., d. h. mit der Bitte um Rücksendung).

Spr. oder Spreng., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Kurt Sprengel (s. d.).

Sprachbau, in der Sprachwissenschaft meist gleichbedeutend mit morpholog. Beschaffenheit der Sprache gebraucht. (S. Sprachwissenschaft.)

Sprachbegabte Vögel, s. Stubenvögel.

Sprache, der lautliche Ausdruck des Gedankens. Jeder Ausdruck von Gedanken, der nicht durch Laute geschieht, sondern z. B. durch Gebärden oder Zeichen, kann nur im uneigentlichen Sinne S. genannt werden (s. Fingersprache, Zeichensprache). S. kommt allein dem Menschen zu. Die von Tieren hervorgebrachten Laute sind der Ausdruck nicht von Gedanken, sondern von Empfindungen, unsern Ausrufen des Schmerzes, der Freude u. s. w. vergleichbar; von einer Tiersprache läßt sich daher nur bildlich reden. In jenem allgemeinsten Sinne ist E. gleichbedeutend mit Sprachvermögen. Die besondere Art aber, in der sich das Sprachvermögen bei einem Volke äußert, nennt man seine S. Diese umfaßt den gesamten Vorrat von Worten und deren Formen, in denen das Volk seine Gedanken ausdrückt.

Von jeher hat die Menschheit die Frage des Ursprungs der S. beschäftigt. Nachdem bereits der griech. Philosoph Epikur betont hatte, daß der Mensch beim Sprechen instinktiv verfahre, indem seine Natur ihn zum Sprechen antreibe, daß das Sprechen eine Leistung sei, welche die Sprechorgane, die leiblichen und die geistigen, mit derselben Notwendigkeit vollzögen, wie der Mensch die Sehorgane ohne weiteres zum Sehen, die Gehörorgane zum Hören gebrauche, machte Herder ("Über den Ursprung der S.", Berl. 1772) den naiven Vorstellungen ein Ende, weise Männer der Vorzeit hätten die S. erfunden oder die Gottheit habe gleich einem Schulmeister die Menschen die E. gelehrt. Herder sagte, die S. sei eine Naturgabe; der Mensch habe von jeher instinktmäßig seine Empfindungen und Vorstellungen durch Töne kundgegeben, die dadurch zu Sprachlauten wurden, daß sich der Mensch der Beziehung, die zwischen dem Ton und dem den Eindruck hervorbringenden Gegenstand besteht, bewußt wurde; hierdurch sei der Mensch dazu gelangt, den Ton als Merkmal des Gegenstandes zu benutzen. Diese Anschauung wurde zunächst von W. von Humboldt wesentlich vertieft (s. auch Sprachwissenschaft), und sie ist für alle folgenden Behandlungen dieses Problems die Grundlage geblieben. Die ersten Sprachlaute können nicht mit der Absicht der Mitteilung hervorgebracht sein, sie waren vielmehr nur Reflexbewegungen, befriedigten als solche lediglich ein Bedürfnis des einzelnen Individuums ohne Rücksicht auf sein Zusammenleben mit andern. Sobald aber ein solcher Reflexlaut von andern Individuen aufgefaßt (percipiert) wurde zugleich mit der sinnlichen Wahrnehmung, die ihn hervorgerufen hatte, konnte beides in Beziehung zueinander gesetzt werden. Waren die verschiedenen Individuen im wesentlichen gleich angelegt, so erzeugte der gleiche sinnliche Eindruck in ihnen ungefähr den gleichen Reflexlaut und sie mußten sich, wenn sie ihn von andern hörten, sympathisch berührt fühlen. Die ersten derartigen Laute bezogen sich auf Gegenstände der sinnlichen Wahrnehmung, nicht auf Übersinnliches. War der Eindruck, den ein bewegtes oder tönendes Ding machte, zugleich ein solcher, durch den Freude oder Schmerz, Begierde oder Furcht u. dgl. erregt wurde, so hatte der Sprachlaut einen interjektionalen Charakter (s. Interjektionen). Die Zahl der ersten Laute kann aber nur eine geringe gewesen sein. Meist trat unterstützend noch die Gebärdensprache hinzu (Finger-, Zeichensprache), und erst allmählich, je größer die Zahl der Laute wurde und je feiner ihre Artikulation (s. d.), ward diese Unterstützung entbehrlich. Man darf nun nicht glauben, daß eine Lautgruppe, wie sie einmal von einem Individuum hervorgebracht wurde, nun sogleich von andern hätte nachgeahmt werden können. Nicht einmal dasselbe Individuum konnte sie absichtlich genau wiederholen. Die Sache lag für den Urmenschen noch viel schwieriger als für ein Kind unserer Tage. Denn dieses ist in der Regel von Menschen umgeben, die schon im wesentlichen dieselbe Lautbildung haben, von denen es also aus der ganzen Menge der möglichen Laute eine bestimmt abgegrenzte Anzahl immer von neuem zu hören bekommt. Für den Menschen der Zeit der ersten Sprachschöpfung dagegen gab es keine Norm, keine Autorität. Es scheint demnach, daß das Sprechen mit einem Durcheinander der verschiedensten Artikulationen begann, aus dem sich nur dadurch Gleichmäßigkeit und gemeinsamer Gebrauch entwickeln konnte, daß gewisse Laute besonders häufig nicht nur von denselben, sondern auch von verschiedenen Individuen aus ihnen selbst, d. h. ohne Mitwirkung irgend welcher Nachahmung, erzeugt wurden. So weit war aber noch nichts da, was uns erlaubte, die menschliche S. in einen principiellen Gegensatz zur Tiersprache, z. B. zu den Lock- und Warnrufen der Vögel, zu stellen. Denn daß die Zahl der unterschiedenen Anschauungen bei dem Menschen weit über das Maß irgend einer Tiergattung hinausgeht, bedingt nur einen Gradunterschied. Der entscheidende Schritt vorwärts, das, was diejenige Art von S. entstehen ließ, die