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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Sprakwürmer; Spratzen; Spray

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Sprakwürmer - Spray

innerhalb des Satzes ausdrücken, gehört das Chinesische; Formsprachen, die auf dem Princip der Abwandlung beruhen, sind der indogerman. und der hamito-semit. Sprachstamm. Formlose Sprachen mit lockerer Anreihung (Nebensetzung) der Elemente sind die einsilbigen hinterind. Sprachen; zu den formlosen Sprachen mit Abwandlung gehören der uralaltaische, der malaio-polynesische, der dravidische, der Bantusprachstamm, die zahlreichen Sprachen Amerikas u. s. w.

Eine von andern Voraussetzungen als alle bisherigen ausgehende Einteilungsart ist die genealogische, bei der es nicht auf die formale, sondern auf die materielle Verwandtschaft, d. h. auf den geschichtlichen Zusammenhang der Sprachen ankommt. Zwei Sprachen können ihrem Bau nach verwandt sein und doch ist ein histor. Zusammenhang nicht vorhanden oder wenigstens nicht nachweisbar, und umgekehrt können die Abkömmlinge einer und derselben Sprache sich im Lauf der Jahrhunderte so verschieden entwickelt haben, daß man sie ihrem Bau nach verschiedenen Klassen zuzuschreiben hätte. Für die genealogische Einteilung ist schon in frühern Jahrhunderten manches geleistet worden, wie z. B. schon Leibniz richtig das Ungarische mit dem Finnischen, Lappischen, Samojedischen, Livischen und Esthnischen, und Lambert ten Kate (gest. 1731) die german. Sprachen, Gotisch, Hochdeutsch, Holländisch u. s. w., zu einer genealogischen Einheit zusammenfaßte. Seit der Aufstellung des indogerman. Sprachstammes (s. Indogermanen) im Anfang unsers Jahrhunderts wurden solche Klassifikationsversuche eifrig fortgesetzt, und wenn diese Forschung auch jetzt noch nicht sehr weit gediehen ist, so liegt dies weniger daran, daß die Sprache vieler Völkerschaften und Stämme uns bis jetzt nur in dürftigen Proben zugänglich ist, als daran, daß wir bei den meisten Sprachen der Erde nur ihre heutige Form kennen, daß uns die Gestalt, die sie in frühern Jahrhunderten hatten, durchaus unbekannt ist. Denn in der Regel liegt der gemeinsame Ausgangspunkt für eine Gruppe von verwandten Sprachen um viele Jahrhunderte oder gar Jahrtausende vor unserer Zeit, und bei der Veränderung, die die Sprachen ununterbrochen im Lauf der Zeit erfahren, stehen die von derselben Grundsprache ausgegangenen Sprachen heute oft so weit voneinander ab, daß ihre Zusammengehörigkeit nur festzustellen ist, wenn wir sie auch aus ältern Zeiten, auf einer weniger fortgeschrittenen Entwicklungsstufe kennen. Noch muß darauf hingewiesen werden, daß die ethnologische Völkerklassifikation, die die Völker nach ihrer Rassenverwandtschaft ordnet, sich mit der genealogischen Sprachenklassifikation durchaus nicht immer deckt. Ein Volk kann die Sprache eines andern, nicht stammverwandten Volks annehmen, wie z. B. die zum finn. Volksstamm gehörigen Bulgaren die Sprache der von ihnen beherrschten Slawen angenommen haben und wie Indianerstämme Südamerikas sprachlich zu Spaniern geworden sind. Beide Klassifikationen durchkreuzen sich also vielfach.

Unter dem Vorbehalt, daß tiefer dringende Forschung mit der Zeit manche Korrekturen und Ergänzungen notwendig machen werden, kann man die Sprachen der Erde nach dem genealogischen Gesichtspunkt mit Friedrich Müller in folgende 18 Gruppen bringen: 1) die Hottentottensprachen (s. Afrikanische Sprachen); 2) die Papuasprachen Neuguinea, Philippinen u. s. w.); 3) die Negersprachen des mittlern Afrikas (s. Afrikanische Sprachen); 4) die Sprachen der Bantuvölker (s. d.); 5) die Australischen Sprachen (s. d.); 6) die hyperboreischen Sprachen, d. h. die Sprachen der Eskimo, Ostjaken, Kamtschadalen u. a.; 7) die Sprachen der Amerikanischen Rasse (s. d.); 8) die Malaio-Polynesischen Sprachen (s. d.); 9) die uralaltaischen Sprachen (s. Uralaltaische Völker und Sprachen); 10) Japanisch (s. Japanische Sprache, Schrift und Litteratur): 11) Koreanisch (s. Korea); 12) die sog. einsilbigen Sprachen; die chinesische (s. Chinesische Sprache, Schrift und Litteratur), tibetanische (s. Tibetische Sprache und Litteratur) und die hinterind. Sprachen: 13) die Dravidasprachen (s. Dravida und Dekanische Sprachen); 14) die Nubasprache; 15) die Baskische Sprache (s. d.); 16) die Kaukasischen Sprachen (s.d.); 17) das Hamito-Semitische (s. Hamitische Völker und Sprachen und Semitische Sprachen und Völker); 18) die Sprachen der Indogermanen (s. d.).

Eine Übersicht über alle diese Sprachstämme mit Proben aus den einzelnen giebt Friedr. Müllers "Grundriß der S." (Bd. 1-3 in 6 Abteil., und Bd. 4, Abteil. 1, Wien 1876-88). Die Frage, ob einzelne von diesen 18 Sprachstämmen wieder untereinander enger zusammenhängen, ob z. B. die indogerman. Sprachen mit den hamito-semitischen aus einer gemeinsamen Urquelle geflossen sind, ist heute noch nicht spruchreif. Und so hat auch die S. keine Antwort auf die Frage, ob alle Sprachen der Erde von einem Punkte ausgegangen sind oder ob die Menschheit in verschiedenen Gegenden zugleich zum Sprechen kam. Die heutige Anthropologie ist geneigt, das letztere anzunehmen.

Eine gute populäre Darstellung der S. enthält Whitney, Die S. (deutsch von J. Jolly, Münch. 1874), eine kürzere dessen "Leben und Wachstum der Sprache" (deutsch von Leskien, Lpz. 1876). In streng wissenschaftlicher Form sind die Principien und die Methode der heutigen S. erörtert von H. Paul, Principien der Sprachgeschichte (2. Aufl., Halle 1886) und von G. von der Gabelentz, Die S., ihre Aufgaben, Methoden und bisherigen Ergebnisse (Lpz. 1891), zum Teil auch von B. Delbrück, Einleitung in das Sprachstudium (3. Aufl., ebd. 1893) und K. Brugmann, Zum heutigen Stand der S. (Straßb. 1885). - Vgl. auch Behaghel, Die deutsche Sprache (Lpz. 1886); Gröber im "Grundriß der roman. Philologie", Bd. 1 (Straßb. 1888); Paul im "Grundriß der german. Philologie", Bd. 1 (2. Aufl., ebd. 1896); Giles-Hertel, Vergleichende Grammatik der klassischen Sprachen (Lpz. 1896).

Sprakwürmer, s. Köcherjungfern.

Spratzen, in der Metallurgie eine Erscheinung, die beim Abtreiben des Silbers (s. d.) im Augenblick des Erstarrens eintritt und darauf beruht, daß das geschmolzene Silber Sauerstoff aufnimmt und diesen beim Festwerden wieder abgiebt. Durch das entweichende Gas werden dabei die im Innern der Masse noch vorhandenen flüssigen Teile des Metalls aus der schon festen Umhüllung gerissen und setzen sich als zu Gruppen vereinte Kügelchen an die Oberfläche fest. - Über das S. des Kupfers s. d.

Spray (engl., spr. spreh), in der Chirurgie ein Zerstäubungsapparat, der dazu dient, antiseptische Flüssigkeiten so fein zu verteilen, daß man während einer Operation das ganze Operationsfeld unter antiseptischem Nebel zu halten im stande ist. Der einfachste Sprayapparat ist nach dem Princip des