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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Staberl - Stabübungen

Staberl, eine stehende Figur der ältern Wiener Lokalposse, ein Wiener Bürger des Mittelstandes, ein «Parapluiemacher», der sich zwar sehr ungeschickt benimmt, aber sich doch durch Mutterwitz immer durchhilft. Die meisten Stücke, in denen S. die Hauptrolle hat, Staberliāden, sind von Bäuerle.

Stabheuschrecken, Stabschrecken, die ungeflügelten, lang gestreckten Gespenstschrecken (s. Phasmidae), ähneln in Gestalt und Färbung einem trocknen Zweig. Zu ihnen gehören die längsten aller Insekten. Eine brasil. Art wird 24 cm lang, ist aber nur ⅓ cm breit. Fast alle S. leben in den Tropen; in Italien und Südfrankreich findet sich der etwa 10 cm lange Bacillus Rosii F.

Stabĭä, kleine Küstenstadt der ital. Landschaft Campanien, zwischen Pompeji und Surrentum, bei dem heutigen Castellammare (s. d.) di Stabia, wurde, nachdem es schon von Sulla im Bundesgenossenkrieg zum Teil zerstört worden war, bei dem Ausbruch des Vesuvs 79 n. Chr. zugleich mit Herculanum und Pompeji (s. d.) gänzlich verschüttet. Einige Häuser davon wurden im 18. Jahrh. ausgegraben, die Ausgrabungen aber, weil weniger ergiebig an Kunstwerken, wieder aufgegeben.

Stabīl (lat.), feststehend, standhaft; stabiles Gleichgewicht, s. Gleichgewicht.

Stabĭli, Francesco, ital. Astronom, s. Ascoli, Cecco de.

Stabilīt, eines der vielen für elektrotechnische Zwecke hergestellten Isolationsmaterialien.

Stabilität (lat.), Standfestigkeit, die mechan. Arbeit, die zum Umwerfen der schweren Körper nötig ist. Dieselbe ist im allgemeinen um so größer, je größer das Gewicht und die Basis des umzukippenden Körpers ist, ferner je tiefer sein Schwerpunkt liegt, und wird gemessen durch das Drehmoment der Schwerkraft in Bezug auf die Kante, um welche das Umkippen erfolgen soll.

Im Bauwesen nennt man diejenigen Konstruktionen stabil, welche in ihrer Stärke und Gestaltung den auf sie wirkenden äußern Kräften (Eigengewicht, Verkehrslast, Winddruck, Wasserdruck, Schneelast, Erddruck) mit ausreichender Sicherheit widerstehen. Es ist die Aufgabe der Stabilitäts- oder statischen Berechnungen, dies für den gegebenen Fall wissenschaftlich nachzuweisen.

Stabīlzucht, s. Biene.

Stabĭo oder Stabbio, Dorf und Bad im Bezirk Mendrisio des schweiz. Kantons Tessin, 4½ km südwestlich von Mendrisio, in 359 m Höhe, am Fuß der Hügel Castello und Castelletto, hat (1888) 1907 kath. E., Post, Telegraph, mehrere Schwefelquellen und drei Kurhäuser und ist bekannt durch den Straßenkampf vom 22. Okt. 1876 zwischen den Liberalen und den Ultramontanen, der zu dem sog. Stabioprozeß von 1880 Veranlassung gab. (S. Tessin.)

Stabkirchen, s. Skandinavische Kunst, Ⅰ.

Stablewski, Florian Alexander von, Erzbischof von Gnesen und Posen, geb. 16. Okt. 1841 zu Fraustadt als Sohn eines Rittergutsbesitzers und frühern franz. Offiziers, studierte seit 1861 zuerst im Posener Seminar und dann in München Theologie und ward darauf Seelsorger in einer von der Cholera besonders heimgesuchten Gemeinde seiner Heimat, dann Religionslehrer am Gymnasium zu Schrimm. 1873 wurde S. Propst zu Wreschen, 1876 Mitglied des Abgeordnetenhauses, wo er bald als gewandter Redner der poln. Fraktion sich einen Namen machte. 1880 wurde er Geheimkämmerer des Papstes, 1889 apostolischer Protonotar. Mit dem gemäßigtern Teil seiner Partei suchte er durch freundlichere Beziehungen zur preuß. Regierung größere Zugeständnisse derselben für die poln. Interessen zu erwirken. Auf dem Katholikentage zu Thorn 1891 sprach sich S. scharf gegen Rußland und warm für den Anschluß an Kaiser Wilhelm Ⅱ. aus. Am 30. Dez. 1891 willigte die preuß. Regierung in seine Ernennung zum Erzbischof von Posen und Gnesen. S. bekleidet gleichzeitig auch die Metropolitanwürde des Bistums Culm. Außer einer Reihe poln. Predigten hat er eine Monographie über den Kirchenvater Petrus Chrysologus (Pos. 1872) veröffentlicht.

Stablo, Stadt in Belgien, s. Stavelot.

Stabmessung, soviel wie Bakulometrie (s. d.).

Stabreim, s. Allitteration.

Stabroek (spr. -bruk), s. Georgetown (in Britisch-Guayana).

Stabschrecken, s. Stabheuschrecken.

Stabsfourier, Unteroffizier, s. Fourier.

Stabsführer, Unteroffizier, s. Führer, 4.

Stabshautboist (Stabshoboist), Dirigent der Regimentsmusikkapellen in der deutschen Armee.

Stabsingenieur, s. Maschineningenieure.

Stabskapitän, in der russ. Armee eine Charge zwischen Hauptmann und Lieutenant. In der Armee Friedrichs d. Gr. waren der Chef, der Oberst und die übrigen Stabsoffiziere eines Regiments jeder Chef einer Compagnie desselben und bezogen neben ihrem Chargengehalt die damals bedeutenden Einkünfte der Chefstellung, während diejenigen Offiziere, die diese Compagnie thatsächlich führten, den Titel S. und ein im Verhältnis zu den Hauptleuten, die wirkliche Compagniechefs waren, sehr geringes Einkommen hatten. Aus diesem Gegensatz hat sich der Gehaltsunterschied der Hauptleute erster und zweiter Klasse entwickelt.

Stabsoffiziere, in der Stufenleiter der Offizierchargen der deutschen Armee das Mittelglied zwischen den Generalen und den Hauptleuten und Subalternoffizieren; zu ihnen werden die Obersten, Oberstlieutenants und Majors gerechnet. Unter etatsmäßigem Stabsoffizier versteht man den ältesten, der Oberstlieutenantscharge angehörenden Stabsoffizier jedes Infanterieregiments, der zuweilen als Stellvertreter des Regimentscommandeurs fungiert.

Stabspringen, Stangenspringen, eine beliebte, sehr kräftigende Turnübung, bei der sich der Turner nach kräftigem Absprunge auf einem 2–3,5 m langen, mit beiden Händen am obern Ende gefaßten und fest in den Boden eingesetzten Stab von dauerhaftem Holze (astfreie poln. Kiefer oder Esche) während des Fluges stützt und dadurch das Maß seines Sprunges nach Höhe, Weite oder Tiefe entsprechend ausdehnt.

Stabsquartier, der Standort eines Stabs (s. d.).

Stabstruppen, Compagnien und Kavalleriezüge des Heers und der Landwehren in Österreich-Ungarn, die im Kriege den höhern Kommandobehörden von der Division an aufwärts (zum Sicherheits- und Ordonnanzdienst beim Stabe und den Reserveanstalten) sowie den Feldverpflegsmagazinen (zum Sicherheitsdienst) zugeteilt werden.

Stabsveterinäre, s. Tierheilkunde.

Stabswachen, s. Stab. – Über S. im Seewesen s. Marineinfanterie.

Stabübungen, Freiübungen (s. d.) mit Benutzung eines etwa 1 m langen hölzernen oder