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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Staroobrjadzen; Staroperation; Starosten; Starowjerzen; Starrkrampf; Starrsinn; Starrsucht

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Staroobrjadzen - Starrsucht

2 Buchhandlungen, Reste ehemaliger Erdbefestigungen, Handel mit Getreide, Vieh und Salz.

Staroobrjadzen, s. Raskolniken.

Staroperation, s. Star.

Starosten (d. i. Älteste, lat. Capitanei), im ehemaligen Königreich Polen Edelleute, welche zu den Landeswürdenträgern gehörten und vom Könige eins der Güter, die den Königen zu ihrem Unterhalt (zur mensa regia) angewiesen worden waren, durch Schenkung, Verkauf oder Verpfändung auf Lebenszeit in Lehn erhalten hatten. Diese Güter waren die Starosteien, die der König auch beim Absterben des zeitigen Inhabers nicht einziehen durfte, sondern einem andern verleihen mußte. Viele S. hatten die Gerichtsbarkeit in einem gewissen Kreise und konnten über peinliche Sachen und persönliche Klagen der Edelleute entscheiden (Starosteigerichte); andere genossen bloß die Einkünfte der ihnen verliehenen Güter. Der Name S. kommt auch in den übrigen slaw. Rechten vor, bedeutet dort jedoch den gewählten Vorstand einer Gemeinde oder Genossenschaft, der mitunter auch starješina genannt wird.

Starowjerzen, s. Raskolniken.

Starrkrampf (Tetanus), eine tonische, d. h. andauernde Zusammenziehung der Muskeln, beruhend auf krankhaft gesteigerter Reflexerregbarkeit des Rückenmarks und nicht mit der Starrsucht (s. d.) zu verwechseln. Er erhält nach den von ihm ergriffenen Muskelpartien verschiedene Namen: so heißt er Trismus (Kinnbackenkrampf, Mundklemme, Mundsperre), wenn der Unterkiefer fest an den Oberkiefer angezogen wird; Pleurothotonus, wenn die Muskeln einer Seite des Körpers, davon befallen, denselben nach dieser Seite krümmen; Opisthotonus, wenn die Rückenmuskeln Kopf und Rumpf nach hinten, Emprosthotonus, wenn die Bauch- und Halsmuskeln sie nach vorn zusammenziehen, und endlich Tetanus universalis, wenn alle Muskeln davon ergriffen sind. Letzterer verbreitet sich gewöhnlich von oben nach unten, zuerst über die Hals- und Gesichtsmuskeln, dann über die des Rumpfes und der Extremitäten und endlich das Zwerchfell und das Herz. Die kontrahierten Muskeln sind dabei gespannt, brettartig hart und der Sitz äußerst heftiger Schmerzen, die denjenigen beim Wadenkrampf zu vergleichen sind. Die entsetzliche Krankheit läßt das Bewußtsein und die Sinne meist bis zum Tode ungetrübt. Auch die meisten übrigen Funktionen geben ungestört von statten; die unglücklichen Kranken leiden Hunger und Durst, weil sie wegen der heftigen Krämpfe der Schlundmuskeln nicht schlingen können. Die Atmung ist sehr erschwert, weil auch die Atmungsmuskeln von Krämpfen betroffen werden, und Atemnot ist daher ein häufiges Symptom des S. Andauernde Krämpfe der Atmungsmuskulatur führen durch Behinderung der Atmung zu Erstickungsanfällen und Tod. Der S. kann anhaltend sein, aber auch wieder nachlassen und in erneuten Anfällen zurückkehren. Letztere hängen besonders von äußern Reizungen der Empfindungsnerven ab, so daß manchmal schon das bloße Anrühren oder Anfächeln, das Anreden des Kranken, ein kalter Tropfen, der Versuch zu schlucken u. dgl. den Anfall hervorruft.

Die Dauer der Krankheit, ehe sie in Genesung oder Tod übergeht, kann sich von nur wenigen Minuten bis auf mehr als einen Monat belaufen, weshalb man auch eine akute und eine chronische Form unterscheidet. Bei den Leichenöffnungen hat man Blutüberfüllung, entzündliche Vorgänge und Bindegewebswucherungen im Rückenmark gefunden. Am häufigsten findet sich die Krankheit bei neugeborenen Kindern vom ersten bis zum siebenten Tage nach dem Abfallen der Nabelschnur (Trismus neonatorum) und bei kräftig konstituierten Männern im reifern Alter, in heißen Gegenden, nach Verwundungen (Riß- und Quetschwunden), besonders wo Flechsen und Nerven verletzt sind (Wundstarrkrampf), nach heftiger Erkältung, besonders Nachtlagern im Freien (rheumatischer S.), bei Vergiftung mit Strychnin (Brechnuß, Upasgift), Brucin und andern sog. Rückenmarksgiften (toxischer S.). Für den Wundstarrkrampf (Tetanus traumaticus) ist nach neuern Untersuchungen von Nicolaier und namentlich Kitasato ein Bacillus die Ursache, von schmaler, trommelschlegelartiger Gestalt, wenig beweglich und mit eigentümlicher arthrogener Sporenbildung; die Reinkultur der streng anaëroben Bacillen (s. Anaërobien) gelingt nur unter besondern Vorsichtsmaßregeln. Der Tetanusbacillus dringt in die Wunden ein, wenn sie mit Staub oder Gartenerde in Berührung kommen, wo er häufig vorkommt, vermag jedoch nur bei absolutem Sauerstoffabschluß zu wachsen. Die Überimpfung der sehr widerstandsfähigen Sporen auf Mäuse tötet diese sicher, doch verschwinden die Bacillen im Blute sehr rasch. Aus den Kulturen stellte Brieger das Tetanin dar, ein typische Anfälle von S. erzeugendes Gift. Hinwegräumung der Ursachen ist das erste Erfordernis der Behandlung des S. und bei einer der häufigsten, bei Verwundungen, kann durch zweckmäßiges Verbinden, entsprechende chirurg. Operationen und sonstige Pflege viel zur Verhütung von S. gethan werden. Für die Linderung und Verhütung der Anfälle sind narkotische und anästhetische Mittel (besonders Opiate, Morphium, Chloral, Chloroform) fast unentbehrlich, auch warme Bäder oft von Vorteil. Daneben sucht man jeden Sinnesreiz (Licht, Schall), jede Bewegung, jede Gemütserregung, fast jede Berührung von dem Kranken entfernt zu halten. Neuerdings versucht man den S. durch Schutzimpfung (s. d.), Einspritzungen von Blutserum von Tieren, die durch Impfung mit abgeschwächten Kulturen der Tetanusbacillen immunisiert wurden, zu heilen; jedoch konnte bisher eine sichere Heilung nur dann erzielt werden, wenn das Antitoxin vor Ausbruch des S. angewandt wurde.

S., auch Hirschkrankheit genannt, kann auch die Haustiere befallen. Die Tiere halten den Kopf steif und mitunter horizontal (Hirschkrankheit), vermögen nicht mehr zu kauen (Maulsperre), stehen da "wie ein Sägebock"; bei Berührung werden Krampfanfälle ausgelöst. Die Aussichten für die Heilung sind ungünstig. Vor allen Dingen muß die Wunde, von der die Ansteckung ausging, weit eröffnet und nachdrücklichst mit Carbolsäure, Sublimatwasser desinfiziert werden. Hierauf sind die erkrankten Tiere in einen dunkeln, ruhigen Stall zu verbringen und vermittelst Mehl- oder Kleiengesöffs zu ernähren. Heilmittel erwiesen sich bis jetzt als nutzlos.

Starrsinn, s. Eigensinn.

Starrsucht oder Katalepsie (nicht zu verwechseln mit Starrkrampf, s. d.), ein seltener, krampfartiger Krankheitszustand, bei dem die Glieder die Stellung beibehalten, in der sie sich befanden, als der Anfall eintrat. Wenn man während des Anfalls die Glieder in eine andere Stellung bringt, was leicht geschehen kann, so beharren sie alsdann wieder in dieser selbst der Schwere entgegen, so daß also der Körper eine wachsartige Starre annimmt.