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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Staubinhalationskrankheiten - Staudamm

Filament oder den Staubfaden. In manchen Fällen fehlt der letztere fast vollständig; die Anthere sitzt dann direkt der Blütenachse auf oder ist mit einem andern Blütenteile verwachsen; das Konnektiv ist in der Regel sehr kurz, so daß die beiden Fächer der Anthere dicht nebeneinander liegen, in andern Fällen ist dasselbe hebelartig entwickelt und trägt auf jedem Arme eine Antherenhälfte (s. Tafel: Bestäubungseinrichtungen, Fig. 7b). Die Fächer der Antheren sind vor dem Aufspringen meist in je zwei Abteilungen, die sog. Pollensäcke, geschieden, indem die Außenwand jedes Fachs nach innen zu leistenförmig vorspringt, was an der Oberfläche eine Längsfurche veranlaßt. An diesen Stellen öffnen sich die meisten Antheren durch Längsrisse, um die Pollenkörner austreten zu lassen; bei vielen andern jedoch erfolgt das Aufspringen durch Löcher und Spalten oder Bildung von Klappen. Betreffs der Ausbildung der Pollenkörner innerhalb der Antheren s. Pollen. Die Form der Anthere und die Art des Aufspringens bildet in manchen Fällen ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal für die systematische Gruppierung einzelner Familien und Gattungen. Die ganzen S. oder einzelne Teile, besonders das Filament, bilden sich nicht selten blumenblattartig um und tragen so zur Füllung der Blüten bei (s. Gefüllte Blumen); doch kann man auch in normalen Blüten, z. B. in denen der weißen Teichrose von den breiten Blumenblättern bis zum normalen Staubgefäß beobachten. Rudimentär entwickelte S. nennt man sterile S. oder Staminodien (s. d.).

Staubinhalationskrankheiten oder Staubkrankheiten, diejenigen krankhaften Affektionen des Atmungsapparats, die durch die fortgesetzte Einatmung von Staub zu stande kommen, besonders beim Betrieb gewisser Gewerbe. Man kann in dieser Beziehung verschiedene Arbeiterkategorien unterscheiden. In metallischem Staub arbeiten Buchdrucker, Färber, Feilenhauer, Formstecher, Gelbgießer, Graveure, Gürtler, Klempner, Kupferschmiede, Lackierer, Lithographen, Maler, Messerschmiede, Nadler, Nagelschmiede, Schleifer, Schlosser, Schmiede, Schriftgießer, Siebmacher, Uhrmacher, Vergolder, Zeugschmiede; in vegetabilischem Staub hantieren Bäcker, Cigarrenarbeiter, Konditoren, Müller, Seiler, Stellmacher, Tischler, Weber; dem mineralischen Staub sind ausgesetzt Kohlengrubenarbeiter und Kohlenhändler, die Anstreicher, Cement- und Feuersteinarbeiter, Maurer, Mühlstein- und Porzellanarbeiter, Steinhauer, Töpfer; in animalischem Staub arbeiten Bürstenbinder, Drechsler, Friseure, Hut- und Knopfmacher, Kürschner, Sattler, Tapezierer, Tuchmacher und Tuchscherer; in Staubgemischen endlich hantieren die Glasschleifer, Glaser, Schornsteinfeger, Straßenkehrer und Tagarbeiter. Alle diese einer Staubatmosphäre ausgesetzten Arbeiter sind Erkrankungen der Atmungsorgane, vom einfachen Lungenkatarrh bis zu tiefer greifenden Veränderungen der Lungen, wie Lungenemphysem, chronischer Lungenentzündung, Lungencirrhose und Lungenschwindsucht in hohem Grade ausgesetzt. Häufig nimmt die Lunge durch die betreffende Staubart ein sehr auffallendes Aussehen an; so erscheint sie bei Kohlenarbeitern nicht selten tief blauschwarz gefärbt, hart und luftleer (Kohlenlunge, Anthrakosis), bei Steinhauern von zahlreichen Hirse- bis haselnußgroßen harten Knoten von Kiesel- oder Kalkstaub durchsetzt (Steinhauerlunge, Kiesellunge, Kalklunge, Chalikosis), bei manchen Metallarbeitern durch das eingeatmete Eisenoxyd ziegelrot gefärbt (Eisenlunge, Siderosis) u. s. w. Die Verhütung der S. ist eine ebenso schwierige wie wichtige Aufgabe der Hygieine. Notwendige Vorsichtsmaßregeln gegen die Gefahren des Staubeinatmens sind: gehörige Ventilation (s. d.) und häufige Besprengung der Arbeitsräume, Vermeiden unnötigen Sprechens und Singens während der Arbeit, fleißiges Ausspülen des Mundes, gehörige Regelung der Arbeitszeit und Schutz des Atmungsapparats durch Vorbinden von feuchten Schleiern, feuchten Schwämmen oder eigens konstruierten Watterespiratoren. - Vgl. Tyndall, Staub und Krankheit (in den "Fragmenten aus den Naturwissenschaften", Braunschw. 1874); Tissandier, Les poussières de l'air (Par. 1877); Hirt, Die Krankheiten der Arbeiter (2 Bde., Lpz. 1871-78); Eulenberg, Handbuch der Gewerbehygieine (ebd. 1876); Merkel, Staubinhalationskrankheiten, in Pettenkofer und Ziemssens "Handbuch der Hygieine", Tl. 2, Abteil. 4 (3. Aufl., ebd. 1882); Arnold, Untersuchungen über Staubinhalation und Staubmetastase (ebd. 1885); Rubner, Lehrbuch der Hygieine (5. Aufl., ebd. 1894).

Staublaus, s. Holzläuse.

Stäubling, Pilz, s. Bovist.

Staubregen, sehr feiner Regen, der sich nur durch die Kleinheit seiner Tropfen von einem gewöhnlichen Regenfalle unterscheidet. Auch ist S. soviel wie Schlammregen (s. d.).

Staubsammler, s. Mühlstaub.

Staubspritze, s. Drosophor.

Staubverfahren, s. Photographie.

Stauchapparat, s. Gasdruckmesser.

Stauchen, s. Schmieden.

Stauchgeschoß, s. Geschoß.

Stauchung, s. Walzwerk.

Staudamm, dammartiges Bauwerk (s. Damm), das den Zweck hat, das Wasser eines Baches, Flusses oder Teiches aufzustauen. Durch einen S. können verschiedene Zwecke erreicht werden. Man kann damit Flußläufe, die zu Zeiten sehr anschwellen, so daß sie ihr Gebiet verheeren, regulieren. (S. Wildbachverbauung, Bd. 17.) Durch den S. wird dann ein Wasserreservoir gebildet, das beträchtliche Wassermengen zurückhalten kann, um sie nach beendigtem Hochwasser langsam wieder abfließen zu lassen. (Näheres s. beim Artikel Hochwasser.) Andere S. haben den Zweck, die angestaute Wassermenge nutzbar zu verwerten, z. B. zur Wasserversorgung, zur Berieselung, zur Speisung von Schiffahrtskanälen, besonders auch als Kraftwasser zum Betrieb von Wassermotoren. Meist sind beide Zwecke (Regulierung des Flußlaufs und nutzbare Verwendung des Wassers) vereinigt. Die Krone des Dammes wird oft zugleich als Verkehrsweg benutzt und ersetzt dadurch eine Thalbrücke. Die S. werden als Erdbauten oder

^[Fig. 1]

^[Fig. 2]