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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Steckmuschel - Steele (Stadt)

bedingungen stattfindenden Ergänzung zu neuen selbständigen Pflanzen begriffen sind. Durch S. werden in der Gärtnerei zahlreiche Pflanzen in großem Maßstabe vermehrt. Die betreffenden Pflanzenteile werden mit einem scharfen Messer abgeschnitten, in reinen oder mit Heideerde oder Sägespänen gemischten Sand gesteckt, teils in Schalen oder flachen gut drainierten Kästen, in besondern zu diesem Zwecke erbauten Vermehrungshäusern, in durch Pferdemist oder Laub erwärmten Frühbeeten oder im freien, zuvor 1 m tief rigolten und mit Komposterde verbesserten Lande. Einige S. bedürfen zur Bewurzelung langer Zeit bei hohen Wärmegraden und müssen in besondere noch mit Glasglocken überdeckte Schalen gesteckt werden, andere bewurzeln sich in kurzer Zeit bei niedern Wärmegraden sehr schnell. Die Wurzelbildung wird durch den sich an den Schnittflächen bildenden Callus (s. d.) vermittelt. Die Art der Vermehrung durch S. ist eine sehr verschiedene und kann stattfinden durch krautartige Zweigspitzen (Coleus), ganz junge oder halbreife Triebe von Blütensträuchern und Nadelhölzern (Azalea, Camelia, Fuchsia, Heliotrop, Thuja, Taxus u. s. w.); durch gänzlich verholzte Triebe (Hartholzstecklinge) von laubabwerfenden Gehölzen während der Winterruhe (Ribes, Spiraea, Populus, Salix u. s. w.); durch Blätter (Begonia, Gloxinien, Peperomien); durch Augen (Weinrebe, Paeonia arborea Don.)); durch Wurzeln (Rosa, Calycanthus); durch Stammstücke (Dracänen, Dieffenbachien); durch Rhizome (Yucca). Zu unterscheiden von den S. sind die Ableger (s. Ablegen).

Steckmuschel (Pinna), ein Geschlecht dünnschaliger ungleichmuskeliger Muscheln von dreieckiger, langer Gestalt, mit dem vordern Ende im Schlamme sitzend oder mittels des Byssus (s. Muscheln) an Fremdkörpern befestigt; die Schalen klaffen am freien Ende. Die schuppige S. (Pinna squamosa Gm.) wird gegen 60 cm lang und findet sich auch im Mittelmeer.

Stecknadel, s. Nadeln.

Stecknetze, s. Steckgarne.

Stecknitz, Flüßchen im Kreis Herzogtum Lauenburg des preuß. Reg.-Bez. Schleswig, entspringt aus dem Gudowsee, durchfließt 10 km nordwestlich von diesem den See von Mölln und fließt bei Genin rechts in die bei Lübeck mündende Trave. Zur Delvenau und Elbe führt der Stecknitzkanal.

Stecknitzkanal, zur Verbindung von Trave und Elbe angelegt, der älteste deutsche Schiffahrtskanal, 1390-98 erbaut, 1821-23 teilweise umgebaut, verließ bei Lübeck auf 6 cm unter Normalnull die Trave, 27 km oberhalb deren Mündung in die Ostsee, stieg auf 42,2 km Länge mittels 8 Schleusen in dem Stecknitzfluß und unter Benutzung des Möllnsees zu der 8 km langen, auf 16,66 m über Normalnull gelegenen Scheitelstrecke, dem sog. Delvenaugraben, hinauf und sodann auf 42,3 km Länge mittels 9 Schleusen im Delvenauflüßchen und unter Benutzung des Zienburger Sees zur Elbe hinab, die er auf 3,7 m über Normalnull bei Lauenburg, 191,1 km oberhalb des äußersten Elbfeuerschiffs, erreichte. Die kleinen Schleusenabmessungen (22,88 m Länge, 4,66 m Breite) sowie der Mangel an Speisewasser erlaubten nur den Verkehr von Schiffen von 37,5 t und auch diesen nur in Pausen. Eine Kanalfahrt von Lauenburg nach Lübeck erforderte 14 Tage, und deshalb wurde der S. nach Erbauung der Lübeck-Büchener Bahn nur noch für den Lokalverkehr benutzt. Gegenwärtig wird der S. als Elbe-Trave-Kanal (s. Tabelle I zur Karte: Die Schiffahrtsstraßen des Deutschen Reiches, beim Artikel Schiffahrtskanäle) umgebaut.

Steckrübe, s. Kohlrübe.

Steckstollen, s. Hufeisen.

Steckverschluß, ein Verschluß bei Blechbüchsen (s. d.).

Steckzwiebeln, s. Zwiebel.

Stedinger (d. h. Gestadebewohner), der fries.-sächs. Bauernstand an den Niederungen der Weser, von Oldenburg und Bremen abwärts um die Hunte und Jade bis ans Meer wohnend (eingeteilt in Weststedingen, jetzt Stedingerland, und Oststedingen, jetzt Osterstade). Der Unabhängigkeitssinn des Volks führte zu einem 40jährigen, blutigen Vernichtungskampfe mit den Erzbischöfen von Bremen. Nachdem diese schon wiederholt in Rom gegen die Unbotmäßigkeit der S. Klage geführt und in kleinen Kämpfen sie zu bezwingen versucht hatten, beschloß der herrschsüchtige Erzbischof Gerhard II. (1219-58) die S. zu unterwerfen oder zu vernichten. Nachdem sein erster Ansturm 1229 abgeschlagen, sein Bruder Hermann zur Lippe dabei gefallen war, ließ Gerhard II. auf der Bremer Synode 17. März 1230 die S. als Ketzer verurteilen, und auf sein Ansuchen beauftragte Papst Gregor IX. 1232 die Bischöfe von Lübeck, Ratzeburg und Minden einen Kreuzzug gegen die S. predigen zu lassen. Die S. schlugen das Kreuzheer im Winter 1232-33 zurück und bedrohten sogar die Städte Oldenburg und Bremen. Dagegen ward auf einem zweiten Kreuzzug, im Juni 1233, Oststedingen bezwungen, die Gefangenen wurden als Ketzer verbrannt. Bei ihrem Angriff auf Weststedingen aber erlitten die Kreuzfahrer eine Niederlage. Unterdes hatte sich auf wiederholte päpstl. Bullen und die Kreuzpredigten ein neues Kreuzheer in Bremen gesammelt, das 27. Mai 1234 auf einer Schiffbrücke die Ochtum überschritt und bei Altenesch auf die Hauptmacht Weststedingens stieß. Nach furchtbarem Kampfe, in dem Graf Heinrich von Oldenburg fiel, unterlagen die Bauern. Das Land ward zum Teil mit fremden Kolonisten besetzt und durch neu erbaute Zwingburgen, namentlich Delmenhorst, im Gehorsam erhalten. Auf dem Schlachtfelde von Altenesch ist, an der Stätte einer verfallenen Kapelle, 27. Mai 1834 ein Denkmal "Stedingsehre" errichtet. - Vgl. Schumacher, Die S., Beitrag zur Geschichte der Wesermarschen (Brem. 1865); Dehio, Geschichte des Erzbistums Bremen-Hamburg, Bd. 2 (Berl. 1877).

Steeden, Dorf, s. Steeten.

Steele, Stadt im Landkreis Essen des preuß. Reg.-Bez. Düsseldorf, rechts an der schiffbaren Ruhr, die hier den die Grenze gegen Westfalen bildenden Ruhrbruchmühlenbach aufnimmt und über die seit 1885 eine Brücke führt, an den Linien Duisburg-S.-Dortmund, Vohwinkel-S. (32,9 km), S.-Hattingen-Hagen (39,9 km) und der Nebenlinie Hattingen-Heißen-Osterfeld der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Essen), hat (1895) 10 069 (5129 männl., 4940 weibl.) E., darunter 1714 Evangelische und 199 Israeliten, Postamt erster Klasse, Telegraph, gotische kath. Kirche, Rektoratschule, höhere Mädchenschule, kath. Krankenhaus, kath. Waisenhaus in dem 1761 erbauten Schlosse: Sandsteinbrüche, Steinkohlenbergwerk Johann-Deimelsberg, Dampfmahlmühle, Ziegeleien, Brennereien, Brauereien, Gasanstalt, Wasserwerke, durch welche den Städten im nördlichen westfäl. Kohlenrevier ihr Wasserbedarf aus der Ruhr zugeführt