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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Steffenstraße - Stehendes Kapital

richt. Das Bedürfnis einer spekulativen Begründung der Naturwissenschaft führte ihn nach Jena, wo Schellings Schriften und persönlicher Umgang ihn ganz in Anspruch nahmen. Nachdem er in Jena Adjunkt der philos. Fakultät geworden war, wandte er sich über Berlin nach Freiberg, wo Werner sein Lehrer und Freund wurde. Nach seiner Rückkehr nach Kopenhagen 1802 erregte er durch seine Vorlesungen große Teilnahme, sah sich aber durch die Ungunst einiger bedeutender Personen in seiner Thätigkeit gehemmt und übernahm deshalb 1804 eine Professur in Halle. Die J. 1807-9 verlebte S. bei seinen Freunden in Holstein, Hamburg und Lübeck und kehrte dann nach Halle zurück. Nicht ohne eigene Gefahr beteiligte er sich hier an den geheimen Unternehmungen der Patrioten in Hessen und Preußen. Im Herbst 1811 ging S. als ord. Professor der Physik nach Breslau, wo er, als die Zeit der Befreiung erschien, mit dem lebendigsten Eifer an der patriotischen Bewegung teilnahm; auch trat er selbst in die Reihen der Freiwilligen und kämpfte mit bis zur Einnahme von Paris. Hierauf kehrte er zu seinem akademischen Lehrberufe nach Breslau zurück, bis er 1832 einem Rufe nach Berlin folgte. Er starb daselbst 13. Febr. 1845.

Noch in Freiberg veröffentlichte S.: "Beiträge zur innern Naturgeschichte der Erde" (Tl. 1, Freiberg 1801), denen die "Geognostisch-geolog. Aufsätze" (Hamb. 1810) folgten, die er in dem "Handbuch der Oryktognosie" (4 Bde., Halle 1811-24) weiter ausführte. Seine naturphilos. Schriften sind: "Grundzüge der philos. Naturwissenschaft" (Berl. 1806), "Anthropologie" (2 Bde., Bresl. 1824) und "Polemische Blätter zur Beförderung der spekulativen Physik" (2 Hefte, ebd. 1829-35). Außerdem hat S. mehrmals auch auf die Gesinnung des Zeitalters einzuwirken gesucht. Hierher gehört die Schrift "Über die Idee der Universitäten" (Berl. 1809) sowie die "Über geheime Verbindungen auf Universitäten" (ebd. 1835), mehr noch das Werk "Die gegenwärtige Zeit und wie sie geworden" (2 Bde., ebd. 1817), vor allem die "Karikaturen des Heiligsten" (2 Bde., Lpz. 1819-21). Seine Ansichten vom Turnwesen sowie seine Abneigung gegen die kirchliche Union verwickelten ihn in mancherlei Streitigkeiten, worüber die Schrift "Von der falschen Theologie und dem wahren Glauben" (Bresl. 1823; neue Aufl. 1831) Kunde giebt. Seine religiöse Auffassung legte er in der Schrift "Wie ich wieder Lutheraner wurde und was mir das Luthertum ist" (Berl. 1831) in Form einer persönlichen Konfession dar. Aus diesen religiösen Erlebnissen sind auch die poet. Produktionen hervorgegangen. Es erschien zuerst "Die Familien Walseth und Leith" (3 Bde., Bresl. 1827), hierauf "Die vier Norweger" (6 Bde., Berl. 1828) und "Malcolm" (2 Bde., Bresl. 1831), gesammelt u. d. T. "Novellen" (16 Bdchn., ebd. 1837-38). In seinen letzten Lebensjahren schrieb S. eine ausführliche Biographie: "Was ich erlebte" (10 Bde., ebd. 1840-45). Nach seinem Tode erschienen "Nachgelassene Schriften" mit einer Vorrede von Schelling (Berl. 1846). - Vgl. Tietzen, Zur Erinnerung an Heinrich S. (Lpz. 1871); Petersen, Henrik S. (aus dem Dänischen von Michelsen, Gotha 1884).

Steffenstraße, die östliche der beiden Meeresstraßen zwischen Neuhannover und Neumecklenburg im Bismarck-Archipel. (S. auch Byronstraße.)

Steg, soviel wie Fußgängerbrücke. - S. (ital. ponticello), bei Saiteninstrumenten ein Stück Holz, das zwischen Resonanzboden und Saiten einerseits und zwischen den beiden Befestigungsenden der Saiten andererseits fest eingeschoben ist, um die Schwingungen der tönenden Saiten dem Resonanzboden zu vermitteln. Bei Klavierinstrumenten ist es eine einfache, über den Resonanzboden aufgeleimte Querleiste, bei den Streichinstrumenten ein brückenförmiges, durchbrochenes Brettchen, welches nur durch den Druck der auf ihr liegenden Saiten zwischen diesen und dem Resonanzboden festgehalten wird. - S. heißt auch ein Teil des Sattels (s. d. und Trachten). - Über S. in der Buchdruckerkunst s. d.; über S. in der Papierfabrikation s. Papier.

Steganopodes, s. Ruderfüßler.

Stege, Hauptstadt der dän. Insel Möen (s. d.).

Stegeisen, s. Hufeisen.

Steggeflecht, s. Papier (Fabrikation).

Stegkette, s. Kette.

Steglitz, Vorort von Berlin, im Kreis Teltow des preuß. Reg.-Bez. Potsdam, an der Linie Berlin-Potsdam-Magdeburg der Preuß. Staatsbahnen und der Wannseebahn, mit Dampfstraßenbahnen und Pferdebahn nach Berlin und elektrischer Bahn nach Großlichterfelde, hat (1895) 16 528 (7624 männl., 8904 weibl.)E., darunter etwa 800 Katholiken und 150 Israeliten, Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprechverbindung, evang. und kath. Kirche, Gymnasium mit Realschule, zwei höhere Mädchenschulen, Friedrichsstift für arme Soldatenkinder, Feierabendhaus für Lehrerinnen, königl. Blindenanstalt, Wasserleitung, Kanalisation und Gasbeleuchtung.

Stegnosis (grch.), Verengerung, Verstopfung.

Stegocephalen, urweltliche Mittelformen zwischen Amphibien und Reptilien; zu ihnen zählen die Labyrinthodonten und Mastodonsaurier (s. d.).

Stegodonten, riesenhafte fossile Rüsseltiere, Mittelformen zwischen Elefanten und Mastodonten (s. d.).

Stegosaurier, seltsame fossile Tiere aus der Gruppe der eidechsenartigen Dinosaurier (s. d.).

Stegreif, soviel wie Steigbügel; Stegreifritter, Raubritter; etwas aus dem S. thun, es ohne Vorbereitung thun; Stegreifdichter, soviel wie Improvisator: Stegreifkomödie, s. Commedia dell'artte; Stegreifwitz, s. Impromptu.

Stehbolzen, im Maschinenbau Bolzen, welche an beiden Enden mit plattenförmigen Körpern verbunden (verschraubt, vernietet) sind, so daß die Platten durch die Bolzen in bestimmter Entfernung voneinander festgehalten werden.

Stehende Marine oder Flotte, die Gesamtheit der aktiven Marinetruppen und der Marinereserve im Deutschen Reich zum Unterschied von der Seewehr und der Marine-Ersatzreserve. (Vgl. Deutsche Wehrordnung vom 22. Nov. 1888, §. 5.)

Stehendes Gut, s. Laufendes Gut.

Stehendes Heer, die Gesamtheit der ständig im Dienste befindlichen ausgehobenen und organisierten Truppen eines Landes im Gegensatz zu den ehemaligen Lehns- und Söldnerheeren (s. Söldner) und zu der Miliz (s. d.). Über die Entwicklung des S. H. in Europa s. Heerwesen Europas. Mit S. H. bezeichnet man im Deutschen Reiche die Gesamtheit der unter der Fahne stehenden (aktiven) Truppen einschließlich der zur Reserve (s. d.) beurlaubten Personen (vgl. Deutsche Wehrordnung vom 22. Nov. 1888, §. 5) zum Unterschied von der Ersatzreserve, der Landwehr (s. d.) und dem Landsturm (s. d.).

Stehendes Kapital, s. Anlagekapital.