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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Steinhäger; Steinhauerlunge; Steinhausen; Steinhäuser; Steinheid; Steinheil; Steinheilschrift

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Steinhäger - Steinheilschrift

als bei der Porzellanmalerei. Die leichtere Herstellbarkeit des S. macht dieses zu einem wohlfeilen Ersatzmaterial für Porzellan, zumal für hauswirtschaftliche Zwecke, und hat ihm große wirtschaftliche Bedeutung gegeben. Es wurde zuerst in England in großem Umfange hergestellt, wird aber seit geraumer Zeit auch in Deutschland in einer Anzahl sehr namhafter Fabriken gefertigt. Unglasiertes weißes S. wird nach seinem Erfinder Wedgwood genannt; ähnliche aber gefärbte Waren sind: Bamboo (strohgelb), Egyptian (schwarz), Basaltgut (sehr politurfähig) und Jaspisgut (weiß). Man bezeichnet übrigens mit S. auch die Thonwaren mit porösen Scherben und unterscheidet davon obige Ware als englisches S.

Steinhäger, Branntwein, s. Genever.

Steinhauerlunge, s. Staubinhalationskrankheiten.

Steinhausen, Heinrich, Schriftsteller, geb. 27. Juli 1836 in Sorau, widmete sich in Berlin erst germanistischen und philos., dann theol. Studien, war hierauf Lehrer an den Kadettenanstalten in Potsdam und Berlin und wurde später Pfarrer. Als solcher wirkt er jetzt in Beetz bei Berlin. S. veröffentlichte die gegen den Kultus der Ebersschen ägyptologischen Romanpoesie gerichtete Schrift "Memphis in Leipzig" (Frankf. a. M. 1880), ferner "Irmela. Eine Geschichte aus alter Zeit" (Lpz. 1881; 17. Aufl. 1896), "Markus Zeisleins großer Tag" (Novelle, Barm. 1883; 2. Aufl., Berl. 1890), "Gevatter Tod. Im Armenhause. Mr. Bob Jenkins' Abenteuer" (Novellen, Berl. 1882), "Der Korrektor. Scenen aus dem Schattenspiel des Lebens" (1. bis 4. Aufl., Lpz. 1885), "Die Kunst und die christl. Moral" (Wittenb. 1886), "Die neue Bizarde oder Hermann Hinderichs des Jüngern verfehlter Beruf" (Novelle, ebd. 1891), "Herr Motts kauft sein Buch" (Berl. 1891), "Über christl. Malerei" (Stuttg. 1894). Unter dem Namen Veracius Rusticus schrieb er das Buch "Meletemata ecclesiastica" (Frankf. 1889). Bis 1890 leitete S. die Zeitschrift "Das Pfarrhaus".

Steinhäuser, Karl, Bildhauer, geb. 3. Juli 1813 in Bremen, machte seit 1831 seine Studien unter Rauch und trat zuerst 1834 mit einem plastischen Werk: Knabe, Krebse fangend, vor die Öffentlichkeit. 1836 ging S. nach Rom, wo er anmutige Idealgestalten aus der Fischer- und Hirtenwelt schuf, wie das sog. Muschelmädchen (mit der Muschel am Ohr horchend), den Genius als Schmetterling (1838), Hero und Leander (Schloß zu Schwerin), Judith mit dem Haupte des Holofernes, die nach einer Idee der Bettina von Arnim ausgeführte Gruppe Goethe und die Psyche (1855; Museum in Weimar). Für seine Vaterstadt arbeitete S. in Marmor die Statuen des Astronomen Olbers (1850), des Bürgermeisters Smidt und des heil. Ansgar, eine große Marmorvase, deren Basreliefs eine volkstümliche Feierlichkeit in seiner Vaterstadt veranschaulicht (1859). Sodann mehrere Statuen in der Kunsthalle: den Hirtenknaben David (1841), den Violinspieler (1848), die Gefesselte Psyche und die Pandora. Dazu kam noch 1863 die Deborah (Großherzog von Oldenburg). In Rom versuchte er zuerst wieder Marmorarbeiten in der Technik der Cosmaten, so unter anderm den Osterleuchter für die Friedenskirche in Potsdam und einen Altar für die Stephanskirche in Bremen. 1864 als Professor nach Karlsruhe berufen, fertigte er eine Pietà, eine Marmorkanzel für die Heiliggeistkirche zu Heidelberg, zwei Brunnenkompositionen, Hermann und Dorothea, Orestes mit Pylades. Er starb 9. Dez. 1879 in Karlsruhe.

Steinheid, Dorf im Kreis Sonneberg des Herzogtums Sachsen-Meiningen, im Thüringer Wald, hat (1895) 1689 evang. E., Postagentur, Fernsprechverbindung, evang. Kirche, Vorschußverein; Fabrikation von Glasperlen und Christbaumschmuck. Im Weiler Limbach am Rennsteig eine der ältesten Porzellanfabriken und Kaolinsandsteinbrüche. Östlich das Kieferle (868 m).

Steinheil, Karl Aug., Astronom, Physiker und Techniker, geb. 12. Okt. 1801 zu Rappoltsweiler im Elsaß, widmete sich seit 1821 zu Erlangen jurist. Studien. Seine Neigung für Mathematik und insbesondere Astronomie führte ihn jedoch schon 1822 zu Gauß nach Göttingen, bald darauf nach Königsberg zu Bessel. Im Herbst 1825 kehrte er in das väterliche Gut nach Perlachseck zurück, errichtete daselbst eine Sternwarte und beschäftigte sich namentlich mit optischen Untersuchungen, der Theorie der Fernrohre u. dgl. Bereits 1827 erwählte ihn die Münchener Akademie zum außerord., 1835 zum ord. Mitglied. In letzterm Jahre trat S. auch als Professor der Mathematik und Physik sowie als Konservator der mathem.-Physik. Sammlungen des Staates zu München in den bayr. Staatsdienst. Auf Anregung von Gauß widmete er sich nun unter anderm der praktischen Durchführung der elektromagnetischen Telegraphie; 1836 stellte er den ersten Schreibtelegraphen her, der die Buchstaben u. s. w. durch Punkte in zwei Zeilen darstellte, wie dies auch in andern, zum Teil jetzt noch gebräuchlichen Telegraphen geschieht; dann legte er im Sommer 1837 die erste größere Telegraphenleitung zwischen dem Akademiegebäude in München und der Sternwarte in Bogenhausen an; 1838 entdeckte er die Möglichkeit der Rückleitung der Telegraphieströme durch die Erde. Bald darauf konstruierte er die elektrischen Uhren (1838), erfand ein Pyrometer für den Münchener Petersturm und benutzte die Telegraphie bereits für die Feuerwacht und den Eisenbahndienst. Obgleich S. alle seine Erfindungen in den Schriften der Münchener Akademie veröffentlichte, fanden sie doch zunächst in Deutschland keine weitere Anwendung. 1849 folgte er einem Rufe der österr. Regierung zum Sektionsrat und Vorstand der telegr. Abteilung im Handelsministerium, in welcher Stellung er binnen zwei Jahren ein fast vollständiges Telegraphensystem über alle Kronländer des Reichs einrichtete und 1850 den Deutsch-Österreichischen Telegraphenverein mitbegründen half. Hierauf war S. 1852 in der Schweiz bei der Organisation des dortigen Telegraphenwesens thätig, nach deren Beendigung er als Konservator der mathem.-physik. Sammlungen mit Titel und Rang eines Ministerialrats in bayr. Staatsdienst zurücktrat. Auf Wunsch seines besondern Gönners, des Königs Maximilian II., errichtete S. 1854 eine optische und astron. Werkstätte zu München, die sehr bald berühmt wurde und aus der unter anderm die großen Refraktoren für die Sternwarten zu Upsala, Leipzig, Mannheim, Utrecht u. s. w. sowie wichtige Verbesserungen der Linsenkombinationen (s. d.) hervorgingen. Seit 1862 überließ er die Leitung dieser Anstalt seinem zweiten Sohne Adolf S. (gest. 4. Nov. 1893). Er starb 12. Sept. 1870 zu München. - Vgl. Marggraff, Karl August S. (Münch. 1888).

Steinheilschrift, eine telegraphische Schrift, s. Elektrische Telegraphen A, 7.