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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Sten Sture; Stenschēwo; Stensen; Stensonsche Kanäle; Stentando; Stentor; Stenzel; Stenzler; Stepenitz; Steph.; Stephalĭa corōna; Stephan

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Stenschewo - Stephan (Päpste)

magneten verbunden ist, gedrückt werden muß. Ein 21. Elektromagnet, dessen Anker abfällt, wenn die Anker aller 20 Relais in ihre Ruhelage zurückgekehrt sind, bewirkt beim Abfallen die schrittweise Fortbewegung des Papierstreifens. In den neuern Apparaten trägt der Empfänger 4 Typenräder nebeneinander auf derselben Achse; das eine enthält auf seinem Umfange 26 Typen, die für die ersten Konsonanten der Silben bestimmt sind; das zweite und dritte Rad besitzen je 11 Typen, die zur Wiedergabe der zweiten Konsonanten der Silben oder ihrer Vokale dienen, das vierte Rad trägt wieder 26 Typen zur Darstellung der Schlußkonsonanten der Silben. Bei angestellten Versuchen gelang es, bis zu 200 Worten in der Minute mit dem Apparat zu telegraphieren, also selbst schnelle Rede, die etwa 180 Worte in der Minute giebt, zu fixieren. Die Leistungen des Apparats nehmen mit der Länge der Leitung ab; für längere Linien wendet Cassagnes neuerdings automatische Stromgebung mit Hilfe eines gelochten Streifens an (s. Elektrische Telegraphen A, 9).

Stenschēwo, Stadt im Kreis Posen West des preuß. Reg.-Bez. Posen, hat (1895) 1490 E., darunter 122 Evangelische und 55 Israeliten, Post und Telegraph.

Stensen, Anatom, s. Stenonischer Gang.

Stensonsche Kanäle, s. Geruchsorgane.

Sten Sture, s. Sture, Sten.

Stentando (ital.), musikalische Bezeichnung: zögernd, hemmend; stentāto, mühsam, mit Anstrengung; in der Malerei: gezwungen, steif.

Stentor, einer der Griechen vor Troja, der, wie Homer sagt, schreien konnte wie 50 Männer zusammen. Nach ihm wird eine ungewöhnlich starke Stimme eine Stentorstimme genannt.

Stenzel, Alfred, Marineoffizier, geb. 24. Dez. 1832 in Breslau, war 1849–60 in der Handelsmarine thätig, studierte 1860–62 in Göttingen und Berlin Mathematik und Astronomie, trat 1862 als Auxiliaroffizier in die preuß. Marine ein und wurde 1863 Lieutenant zur See. Am 17. März 1864 nahm S. am Seegefecht bei Jasmund teil und bewirkte 1866 die Kapitulation der Stadt Emden sowie die Einnahme der hannov. Emsbatterien. Während des Deutsch-Französischen Krieges war er Chef des Stabes des Nordseegeschwaders. Später war er nacheinander Lehrer der Seekriegsgeschichte an der Marineakademie, Kommandant von Panzerschiffen, Oberwerftdirektor und Kommodore des Schulgeschwaders. Im Herbst 1887 erbat S. als Kapitän zur See den Abschied und ist gegenwärtig Lehrer der Seekriegsgeschichte an der Marineakademie in Kiel. Außer zahlreichen Aufsätzen im «Militärwochenblatt» und in andern Zeitschriften veröffentlichte S.: «Über Kriegführung zur See, eine strategische Studie» (Berl. 1889), «Der neue Seehafen bei Cuxhaven» (ebd. 1890), «Helgoland und die deutsche Flotte» (ebd. 1891), «Die deutsche Flotte und der Reichstag» (ebd. 1892), «Der kürzeste Weg nach Konstantinopel. Ein Beispiel für das Zusammenwirken von Flotte und Heer» (Kiel 1894), «Die Flotte der Nordstaaten im Secessionskriege» (Berl. 1894) u. a.

Stenzler, Adolf Friedr., Sanskritist, geb. 9. Juli 1807 zu Wolgast in Vorpommern, studierte 1826–29 zuerst Theologie, sodann orient. Sprachen zu Greifswald, Berlin und Bonn. Nachdem er 1829 zu Berlin mit der Schrift «Brahma-Vaivarta-Purâni Specimen» promoviert hatte, studierte er noch ein Jahr in Paris und arbeitete dann drei Jahre in London auf der Bibliothek des East India House. 1833 wurde er Professor an der Universität Breslau, wo er außerdem 1834–72 zuerst Hilfsarbeiter, dann Kustos und zweiter Bibliothekar an der königl. und Universitätsbibliothek war. Er starb 27. Febr. 1887 in Breslau. Seine Schriften sind: «Raghuvansa, Kâlidâsae Carmen, sanskrite et latine» (Lond. 1832), «Kumâra-Sambhava Kalidâsae Carmen, sanskrite et latine» (ebd. 1838), «Mrcchakatikâ, Sûdrakae regis fabula sanskrite» (Bonn 1847), «Yâjnavalkyas Gesetzbuch» (Sanskrit und deutsch, Berl. 1849), «Ind. Hausregeln» (Sanskrit und deutsch), «Âçvalâyana» und «Pâraskara» in den «Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes» (Bd. 3, 4 u. 6, Lpz. 1864–78; Wörterverzeichnis dazu ebd., Bd. 9, ebd. 1886), «Meghaduta der Wolkenbote» (Gedicht von Kalidasa mit Wörterbuch, Bresl. 1874), eine Ausgabe von Gautamas Gesetzbuch (Lond. 1876). Weiteste Verbreitung fand das «Elementarbuch der Sanskrit-Sprache, Grammatik, Text, Wörterbuch» (Bresl. 1868; 6. Aufl., bearbeitet von Pischel, 1892).

Stepenitz (Groß-Stepenitz), Flecken im Kreis Cammin des preuß. Reg.-Bez. Stettin, an der Mündung der Stepenitz in das Papenwasser, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Stettin), ist Dampferstation und hat (1895) 1582 E., Post, Telegraph; Dampfsägewerke, Kalkbrennerei, Mühlen, Schiffbau, bedeutenden Handel und Schiffsverkehr mit Stettin, Hamburg und Berlin und in der Nähe Teerschwelereien und Torfgräbereien. Jenseit der Stepenitz der Flecken und das Dorf Klein-Stepenitz mit zusammen etwa 860 E.

Steph., hinter den lat. Namen von Insekten Abkürzung für James Francis Stephens (spr. stihwĕns), einen engl. Entomologen.

Stephalĭa corōna, s. Schwimmpolypen.

Stephan, Name von neun (zehn) Päpsten:

S. Ⅰ., der Heilige (253–257), kündigte im Streit mit Cyprianus (s. d.) über die Gültigkeit der Ketzertaufe, die er anerkannte, den Kleinasiaten die Kirchengemeinschaft auf. Er starb als Märtyrer in der Valerianischen Christenverfolgung.

S. (Ⅱ.), gewählt 19. März 752, starb schon vier Tage nach seiner Wahl und wird daher in der Reihe der Päpste gewöhnlich nicht gezählt.

S. Ⅱ. (Ⅲ.) (752–757), vorher Diakonus zu Rom, salbte Pippin den Kleinen im Kloster St. Denis zum Könige, erbat von ihm Hilfe gegen Aistulf, König der Langobarden (754), und erhielt von ihm das eroberte Exarchat (s. d.) geschenkt. – Vgl. Martens, Die röm. Frage unter Pippin und Karl d. Gr, (Stuttg. 1881); Schnürer, Die Entstehung des Kirchenstaates (Köln 1894).

S. Ⅲ. (Ⅳ.) (768–772), ein Sicilianer, vorher Priester an Sta. Cäcilia in Rom, ließ auf einer Synode zu Rom 769 die Wahl des röm.Bischofs vollständig in die Hände des Klerus legen und zugleich, im Widerspruch mit einer Synode zu Konstantinopel, die Verehrung der Bilder, Reliquien und Heiligen sowie der Maria von neuem bestätigen. Von den Langobarden bedrängt, suchte er Schutz bei den Frankenkönigen Karl d. Gr. und Karlmann.

S. Ⅳ. (Ⅴ.) (816–817), ein vornehmer Römer, vorher Diakonus zu Rom, krönte im Okt. 816 Ludwig den Frommen in Reims zum Kaiser. – Vgl. Dopffel, Kaisertum und Papstwechsel unter den Karolingern (Freib. i. Br. 1889).