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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Stephani - Stephanopulos

der Wirksamkeit der Post als eines Hebels der Kultur bei den ihm übertragenen internationalen Vertragsschlüssen Geltung zu verschaffen und den Verkehr der Nationen untereinander von den Fesseln der Fiskalität zu befreien. S.s glänzendste Leistung auf diesem Felde war die Übereignung des Thurn und Taxisschen Postwesens an die Krone Preußen durch den Staatsvertrag vom 28. Jan. 1867. Am 26. April 1870 wurde er zum Generalpostdirektor des Norddeutschen Bundes ernannt. Noch mit der Reform des Bundespostwesens, namentlich mit der Durchführung des Einheitsportos u. s. w. beschäftigt, mußte S. zunächst alle innern Aufgaben zurückstellen und die Organisation der norddeutschen Feldpost im Deutsch-Französischen Kriege ins Werk setzen. Als nach Errichtung des Deutschen Reichs die norddeutschen Postinstitute zur Deutschen Reichspost verschmolzen waren, der Baden und Elsaß-Lothringen beitraten, wurde S. zum Generalpostmeister des Deutschen Reichs und später (1880) zum Staatssekretär des Reichspostamtes ernannt und begann nun das Werk der Verschmelzung so zahlreicher, eigenartig eingerichteter Territorialposten durch Einführung einer einheitlichen Postgesetzgebung (1871). Er führte außerdem den einheitlichen Tarif für Pakete durch, schuf das neue Verkehrsmittel der Postkarten, die Postanweisungen und Postmandate sowie die für den litterar. Verkehr wichtige Bücherpost und rief eine Reihe erheblicher Erleichterungen des Postverkehrs ins Leben. Erfolgreich waren ferner S.s Bemühungen zur Hebung der geistigen Wohlfahrt der Beamten (s. Postwesen). S.s bedeutsamstes Werk aber ist die Gründung des Weltpostvereins (s. d.). 1875 übernahm S. auch die Telegraphenverwaltung des Reichs und vereinigte sie mit den Betriebseinrichtungen der Post, was eine ganz erhebliche Vermehrung der deutschen Telegraphenanstalten zur Folge hatte. In den folgenden 15 Jahren lieferte die Verwaltung unter S.s Leitung über 300 Mill. M. an das Reich ab. Dabei aber waren fort und fort wichtige Verkehrserleichterungen und Reformen ins Werk gesetzt worden. Die Zahl der Postanstalten, die 1872 nur 5755 betrug, wurde bis 1893 auf 28 612 erhöht, die Zahl der Telegraphenanstalten von 1691 auf 19 384, die Zahl der Landbriefträger von 10 000 auf 25 000 gebracht, von denen viele mit Fuhrwerk ausgerüstet sind; ferner wurden in wenigen Jahren alle wichtigen Hauptstädte und Handelsplätze des Reichs mit unterirdischen Kabeln verbunden. Dazu kommt noch die Einführung des Worttarifs bei den Telegrammen, die Errichtung der Rohrpost in Berlin, die Fernsprecheinrichtungen, die Herstellung von gegen 2000 neuen Postgebäuden in allen Teilen des Reichs, die Gründung des Elektrotechnischen Vereins sowie der höhern Post- und Telegraphenschule, die Herstellung der transoceanischen Reichspostdampferlinien und der postalischen Einrichtungen in den deutschen Kolonien, die Beteiligung der Reichspost bei der Durchführung der Unfall-, Kranken- und Altersversicherung, die Organisation der technisch und künstlerisch Bedeutendes leistenden Reichsdruckerei. 1885 wurde S. in den erblichen Adelsstand erhoben und erhielt 1895 den Rang eines Staatsministers. Er war Mitglied des preuß. Herrenhauses und des Staatsrats sowie Domherr zu Merseburg. S. starb 8. April 1897 in Berlin. Auf seinem Grabe wurde ein Obelisk, im Lichthofe des Postmuseums ein Standbild, beide von Uphues, errichtet. Außer zahlreichen Essays über das Verkehrsleben sind von ihm erschienen: "Geschichte der preuß. Post" (Berl. 1859), "Das heutige Ägypten" (Lpz. 1872) und "Weltpost und Luftschiffahrt" (Berl. 1874). - Vgl. Unter dem Zeichen des Verkehrs (Berl. 1895): Krickeberg, Heinrich von S. (Dresd. 1897).

Stephani, Ludolf, Archäolog, geb. 29. März 1816 in Beucha bei Leipzig, studierte in Leipzig Philologie und Archäologie, war kurze Zeit Hauslehrer in Athen, unternahm 1843 eine Reise durch das nördl. Griechenland, Kleinasien, Italien und Sicilien, erhielt 1845 einen Ruf an die Universität Dorpat, von wo er 1850 als Mitglied der Akademie der Wissenschaften nach Petersburg übersiedelte, und starb 11. Juni 1887 in Pawlowsk. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Reise durch einige Gegenden des nördl. Griechenland" (Lpz. 1843) und "Antiquités du Bosphore cimmérien" (anonym, Prachtwerk mit Atlas, Petersb. 1851), "Die Antikensammlung zu Pawlowsk" (ebd. 1872). Seine zahlreichen Abhandlungen sind meist in den von ihm abgefaßten 21 Bänden "Comptes rendus" der kaiserl. Archäologischen Kommission enthalten.

Stephania, der 220. Planetoid.

Stephanie, Louise Adrienne Napoleone, Großherzogin von Baden (seit 1811), geb. 28. Aug. 1789 als älteste Tochter des Grafen Claude Beauharnais (s. Beauharnais, Fanny). Von Napoleon I. adoptiert und zur Prinzessin von Frankreich erhoben, wurde sie 8. April 1806 in Paris mit dem damaligen Kurprinzen Karl Ludwig Friedrich von Baden (s. d.) vermählt. Aus dieser Ehe entsprangen fünf Kinder, von denen die beiden Söhne bald nach der Geburt starben (16. Okt. 1812 und 8. Mai 1817). An ihren Tod knüpften sich später die unbegründeten Anklagen gegen die Gräfin von Hochberg und die Legende von Kaspar Hauser (s. d.). S., eine durch feine Geistesbildung und werkthätige Herzensgute ausgezeichnete Frau, nahm seit dem Tode ihres Gemahls (1818) ihren Witwensitz fast ständig in Mannheim. Sie starb 29. Jan. 1860 in Nizza. - Ihre älteste Tochter Luise Amalie S. (geb. 5. Juni 1811, gest. 19. Juli 1854) war seit 1830 mit dem Prinzen Gustav von Wasa vermählt, wurde aber 1844 geschieden; die zweite, Josephine Friederike Luise (geb. 21. Okt. 1813), heiratete 1834 den Fürsten Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, und die dritte, Marie Amalie Elisabeth Karoline (geb. 11. Okt. 1817, gest. 18. Okt. 1888), wurde 1843 die Gemahlin des elften Herzogs von Hamilton (gest. 15. Juli 1863).

Stephanie, Witwe des Kronprinzen Rudolf (s. d.) von Österreich.

Stephanit, Mineral, s. Sprödglaserz.

Stephanoceras Humphriesianum Sow., s. Ammoniten.

Stephanoceros Eichhornii, Kronenrädchen, s. Rädertiere und Tafel: Würmer, Fig. 27.

Stephanopulos, eine viel verzweigte griech. Familie aus Maina im Peloponnes, deren Stammvater Stephanos ein Urenkel des Kaisers David (s. d.) von Trapezunt sein sollte. Die innern Fehden der Maniaten führten 1675 zur Auswanderung vieler Angehörigen der S. nach Paomia auf Corsica, wo sie, durch andere griech. Zuzügler vermehrt, unter einem von der genuesischen Regierung auf zwei Jahre bestellten Genueser oder Corsicaner Direttore lebten. Während der corsicanischen Revolution kamen die Griechen mit den Insurgenten in Händel und siedelten infolgedessen 1731 nach Ajaccio über. Nach Begründung der franz. Herr-^[folgende Seite]